Tour nach Ahaus – Radtour mit Mama

Hallo zusammen,

weiter geht es mit einem neuen Blogbeitrag, unbezahlt und unbeauftragt, und einer neuen Radtour. Normalerweise versuche ich immer einigermaßen chronologisch zu schreiben, aber diese Tour hier ziehe ich mal vor, weil sie etwas Besonderes ist. Radtouren und generell Zeiten auf dem Fahrrad sind für mich immer auch dazu da, abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen, nachzudenken und neue Eindrücke zu sammeln. Deshalb mache ich diese Touren fast immer alleine. So kann ich mein Tempo fahren und vor allem immer da anhalten, wo mir gerade danach ist.

Hin und wieder mache ich von dieser Regel eine Ausnahme, nämlich dann, wenn es Auftakttouren zum Stadtradeln gibt, oder wenn ich mit meiner Mutter und ihrer „Gang“ unterwegs bin. Die Mädels und Jungs sind super aktiv mit ihren Rädern und machen immer wieder gemeinsame Touren. Ein, zweimal durfte ich da schon als Gast dabei sein. Jetzt sollte es für ein paar Tage ins Münsterland gehen und ich habe die Chance ergriffen und habe die Hinfahrt mitgemacht.

Es tut auch mal ganz gut, wenn man eine Tour nicht selber plant, sondern sich einfach nur dranhängt und um nix kümmern muss. Petra hatte die Fahrt in Richtung Norden organisiert und so fuhren wir meist abseits der Straßen auf Wegen durch Felder und Wälder. Schön war es, danke dafür.

Los ging es für mich in Meiderich, dort bin ich mit Zug und Straßenbahn hingefahren. Nachdem ich mich mit Mama getroffen haben, ging es weiter in Richtung Röttgersbach, wo die nächsten Mitfahrenden eingesammelt wurden. Vorbei an der großen Kreisverkehrskunst zum Thema „Golf“ 😉 ging es dann weiter.

An großen Renaturierungsflächen und den Werken der Ruhrchemie vorbei ging es über die Emscher.

Was mir richtig gefällt ist der Umstand, dass in immer mehr Kommunen Farbe auf Stromkästen oder Trafohäuschen kommt. Waren das lange Zeit einfach Klötze die doof in der Gegend rumstanden, sind manche davon heute richtige kleine Kunstwerke. Finde ich klasse. Da kann man dann auch mal für ein Foto anhalten.

Die 1875 geweihte Kirche Sankt Johann in Oberhausen Holten hinter uns lassend, ging es weiter nach Norden.

Jetzt wurde es auch zusehends ländlicher und immer öfter führte die Route durch Wälder, Felder oder an Koppeln vorbei. Dazu das trockene Wetter bei sehr angenhemen Temperaturen. Was soll ich sagen – es war herrlich.

Hin und wieder gab es natürlich auch Asphalt, ehrlicherweise war das gelegentlich auch Entspannung für die Arme und den Hintern. Waldwege sind herrlich, aber eben selten Topfeben. 😉 .

Sonnenblumen sind für mich immer irgendwie ein Symbol für Natur und verbreiten gute Laune. Auf vielen Feldern in der Region sind sie mittlerweile bereits verblüht, unterwegs hatten wir aber immer wieder Glück und konnten noch welche sehen.

Urbaner wurde es dann wieder in Dorsten. Über die „Johannesbrücke“ ging es in Richtung Innenstadt. Die Johannesbrücke ist bunt bemalt und gibt den Blick auf den Betriebshof der ehemaligen NordWestBahn, heute RheinRuhrBahn frei.

In Dorsten ging es vorbei am Jüdischen Museum und einer ausgestellten Fallstempellpresse des ehemaligen Maschinenbau-Werks in Dorsten.

Gleich zwei Wasserläufe liegen hier nebeneinander und sind via Brücken zu überqueren, einmal der Wesel-Datteln-Kanal, immerhin 60 Kilometer lang und nach dem Rhein die zweitmeist befahrene Wasserstraße in Deutschland.

Und, direkt nördlich daneben, die Lippe. 220 Kilometer lang, entspringt sie in Bad Lippspringe und fließt bei Wesel in den Rhein.

Als Radelnde kann man beide sehr gut auf zwei Brücken überqueren, die man sich mit der Eisenbahn teilt.

Aus Dorsten hinausfahrend wurde es dann wieder ländlicher. Erneut ging es über Felder und durch Wälder, abseits viel befahrener Straßen. Eine wirklich schöne Route hat Petra da rausgesucht.

Ganz interessant, an der Gälkenheide sind wir an einer Baustelle für ein neues Windrad vorbeigefahren. Aktuell steht dort nur das Fundament und die ersten Eisenstreben sind gesetzt. Wäre sicherlich ganz spannend hier in zwei, drei Monaten nochmal lang zu fahren.

Direkt nebenan sind wir an einem langen Zaun entlang geradelt, alle paar Meter warnten Schilder davor, dass es sich um einen militärischen Sicherheitsbereich handelt.

Das Munitionsversorgungszentrum West ist das größte Munitionsdepot Deutschlands und deshalb ein enorm wichtiger Standort. Aus naheliegenden Gründe, gibt es davon hier auch kein Foto 😉 .

In unmittelbarer Nähe zum Depot gibt es aber etwas, was man gut fotografieren kann. Jemand hat sich Fahrradskulpturen in den eigenen Garten gestellt, sieht ganz cool aus.

So langsam wurde es Zeit für eine Pause, der kleine Hunger klopfte mit Macht an 😉 . Da war es ganz praktisch, dass wir auf das Schloss Lembeck zuhielten. Das Schloss sieht nicht nur wunderbar aus, es verfügt auch über ein sehr schönes Schloss-Café.

Draußen sitzen, die Sonne genießen, dabei leckeren Kuchen essen – sagen wir es, wie es ist, es geht schlechter 😉 . Das Leben kann schon wirklich schön sein.

Ein lautes „Knack“ ließ uns zusammenzucken. Ein Blick zu den Rädern zeigte dann – alle standen brav nebeneinander, außer meins, das hatte sich offenbar zum schlafen hingelegt. Nach guten 5 Jahren hat der Fahrradständer einfach seinen Geist aufgegeben. Sauberer Bruch. Nun ja, nachbestellt ist das gute Stück schon, ich bin nur froh, dass die Packtasche einen Sturz des Rades auf wichtige Teile verhindert hat.

Nun ja, gestärkt ging es wieder auf die Räder und, ihr ahnt es schon, in Richtung Norden weiter. Mittlerweile im Münsterland angekommen, ging es erneut durch Wälder und Felder weiter. Die Landschaft ist schon schön, wenngleich für jemanden mit Kamera auch ein bisschen reizarm 😉 .

Sollte man zumindest meinen. Bis man dann plötzlich Auge in Auge mit waschechten Wallabys steht. Rechnet man mitten im Münsterland ja auch nicht unbedingt mit.

Die niedlichen Hüpfer bevölkern den Hof Rahmann und sind in einen leerstehenden Hühnerstall eingezogen. Wenn ihr weitere Infos dazu haben wollt, schaut mal auf der Webseite des Hofs nach – HIER

Kurz vor Velen, dort ganz in der Nähe befindet sich das Radhotel in dem die Gruppe unterkommen wollte, haben wir noch einen kurzen Stopp an einem artesischen Brunnen eingelegt. Grundwasser gelangt dabei durch wasserführende Schichten an die Oberfläche. Hier wurde zudem ein Kneippbecken, eine Wasserpumpe und viele Infotafeln aufgestellt.

Über aspahltierte Wege ging es die letzten Kilometer bis nach Velen. Dort befindet sich ein weiteres Schloss, ein schnelles Foto musste sein, der Bau macht ordentlich was her 😉 .

Kurz hinter Velen habe ich mich dann von der Truppe verabschiedet. Während dort Zimmer bezogen und der Esstisch klar gemacht wurde, hatte ich noch gute zwanzig Kilometer vor mir, bis zum nächsten größeren Bahnhof. Ahaus war das Ziel. Einen kurzen Stopp habe ich dann noch in Gescher eingelegt. Die Stadt hat den Beinamen „Glockenstadt“, welchen sie der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock verdankt. Da ist es dann nur logisch, dass es dort auch das westfälische Glockenmuseum gibt. Ein Besuch lohnt sich.

Die letzten Kilometer nach Ahaus hatte ich dann, quasi zum Abschied aus dem Münterland, nochmal richtig fiesen Gegenwind, ich hab es aber trotzdem rechtzeitig zum Bahnhof geschafft um nicht eine ganze Stunde auf den nächsten Zug zu warten. In Ahaus führt der Radweg zum Bahnhof direkt am wunderschönen Barrockschloss vorbei.

Und falls man bei all der Pracht vergessen haben sollte, wo man sich befindet – es steht in Großbuchstaben vor dem Schloss. Wie praktisch 😉 .

Und das soll es dann auch schon wieder gewesen sein. Knappe 96 Kilometer waren es für mich. Die Gruppe rund um meine Mutter sind vor Ort geblieben und haben Tagestouren unternommen, ich habe mich gute drei Stunden mit der Eisenbahn wieder nach Krefeld gekämpft.

Schön war es. Ich hoffe euch haben die Einblicke gefallen, die nächsten Touren und Blogbeiträge sind schon in der Mache.

Bleibt gesund und munter, seid nett zu euren Mitmenschen und fahrt vorsichtig,
Euer Martin

 

 

 

 

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