Hallo zusammen, ich habe mal wieder eine Radtour unternommen und würde euch gern, wenn ihr mögt, dran teilhaben lassen. Eigentlich waren es sogar zwei Radtouren, aber ich fasse sie heute mal zusammen.
Ich bin an einem Tag von Krefeld nach Wuppertal geradelt und ein, zwei Tage später von Wuppertal nach Essen. Da bietet es sich irgendwie an, einen Blogbeitrag draus zu machen. Ich setze hier gleich einen Anker, dann könnt ihr zum zweiten springen, wenn ihr mögt. Für die Eisenbahnfans unter euch an dieser Stelle schon mal der Hinweis, es gibt gegen Ende einige Bilder vom Herbstfest im Eisenbahnmuseum Bochum.
Aber der Reihe nach, wir fangen an einem frühen Morgen in Krefeld an.
Von Krefeld nach Wuppertal
Los geht es allerdings auch mit dem Thema Eisenbahn. Auf meiner Radtour bin ich über die Krefelder Radpromenade in Richtung Osten gefahren. Lange Zeit läuft dieser wunderbare Radweg direkt neben Bahngleisen her. Dort kam mir dann auch die RB37 vor die Linse. Eisenbahnfans wissen schon, dass das oftmals was Besonderes ist, diese Leistung hat 2024 TRI Train Rental gewonnen und führt seitdem den Umlauf zwischen Krefeld und Neuss durch. Die Firma hat neben ganz wunderbaren, top gepflegten älteren Lokomotiven auch noch viele eigene Wagen und seit kurzem eine Lokomotive neuerer Bauart in den eigenen Farben. Und so konnte ich, ganz zu Beginn meiner Tour, ein Foto dieses schönen Ensembles machen. Hat was, finde ich.

Im Hintergrund ist der Krefelder Hauptbahnhof zu sehen. Für mich ging es dann weiter in Richtung Krefeld Linn.

Die Burg Linn ist sicher eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt, viele wissen aber nicht, dass es neben der Burg auch noch das archäologische Museum gibt. Schaut da mal vorbei, es gibt super spannende Sachen zu entdecken. Ein Kastell aus der Römerzeit zum Beispiel und die Ergebnisse interessanter Grabungen und Erkundungen. Auch außerhalb des Museums finden sich im Krefelder Stadtteil Hinweise auf die bewegte und eindrucksvolle Vergangenheit. Das Ganze ist auch Teil des Welterbes „Niedergermanischer Limes“. HIER gibt es Infos dazu.


Die Fähre zwischen Lang und Kaiserswerth war das nächste Ziel. Der Kahn steht zur Zeit zur Disposition, in der lokalen Presse kommt der Eigner immer wieder zu Wort, es steht wohl nicht so rosig um den Fortbestand der „Michaela II“. Nun ja, einige Äußerungen in sozialen Netzwerken und auch so manches Verhalten vor Ort haben sicherlich dazu beigetragen, dass es nicht nur Fans des Ganzen gibt. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es da weiter geht. Bei meiner Tour fuhr die Fähre auf jeden Fall.

Alternativ gibt es wenige hundert Meter weiter östlich auch noch die Brücke der A44, die ist super zu befahren. Eine kleine Kreuzfahrt nach Kaiserswerth hat aber natürlich den höheren „Entspannungsfaktor“.


Mittlerweile auf der anderen Rheinseite angekommen, ist für die meisten, die hier schon länger mitlesen ja klar, wohin es mich als nächstes trieb. Richtig, ein kurzer Stopp am Flughafen Düsseldorf war natürlich eingeplant.

Es ist halt so, der Faszination Flugzeug kann, und ehrlicherweise will, ich mich nicht entziehen. Mit diesem Airbus A330 der türkischen Air Anka war sogar eine Erstsichtung für mich dabei.


Mit einem letzten Blick auf eine startende Boeing 737 von Corendon, in der auffälligen Sonderlackierung für den englischen Fußball Verein „Hull City“, ging es weiter.

Durch Ratingen hindurch führte mich der Weg dann weiter nach Wülfrath und in Richtung Rodenhaus. Es wurde nicht nur merklich ländlicher, sondern auch deutlich hügeliger.

Obwohl recht windig, war das Wetter traumhaft zum radeln, immer wieder kam die Sonne raus und der Blick über das Land tat wirklich gut.

Ein bisschen Industrie und Eisenbahn hatte ich dann in Rodenhaus vor der Linse. In Flandersbach liegt ein Kalkwerk, welches die Steinbrüche Rodenhaus und Silberberg abbaut. Es ist, und das habe ich auch erst durch die Recherche für diesen Beitrag gelernt, das größte Kalkwerk Europas. An das Werk angeschlossen ist die Angertalbahn, dort habe ich schon mal öfter mit der Kamera im Anschlag auf die Kalkzüge gewartet. Im Werk selbst werden die Züge durch kleine Werkslokomotiven zusammengestellt. Ich habe am Zaun Pause gemacht und konnte einen Rangiervorgang beobachten.


Ich kann mir nicht helfen, solche Industrieanlagen faszinieren mich irgendwie. Da zuzugucken finde ich spannend. Keine Ahnung, ist vielleicht so ein „Kleine-Jungs-Ding“.
Ich kann aber auch Natur eine Menge abgewinnen und so habe ich auch die Weiterfahrt auf dem „Panoramaradweg Niederbergbahn“ sehr genossen. Überhaupt ist das radeln auf ehemaligen Bahntrassen im Ruhrgebiet und drumherum ja meist ein echter Genuss. Probiert das mal aus, wenn ihr dort noch nie unterwegs gewesen seid.

Wunderbare Passagen, in denen es fix bergab ging, wechselten sich mit Anstiegen ab und nach und nach kam ich meinem Ziel, Wuppertal, näher.

Nach guten 63 Kilometern war es dann soweit, ich war in Wuppertal. Ein schnelles Bild der Schwebebahn und dann ab in den Zug nach Hause. Die Region dort kann ich euch echt empfehlen. Bleibt dran, für den zweiten Teil 😉 .


Von Wuppertal nach Essen
Da mir die Region echt gefallen hat, habe ich einige Tage später eine weiterer Radtour unternommen, gestartet bin ich am Endpunkt der vorherigen Tour, nämlich dem Hauptbahnhof in Wuppertal. „Die Bundesbahndirektion“ heißt ein Gebäude, welches früher mal genau das war. Heute bringt die Stadt dort Dienstleistungen, wie etwa das Einwohnermeldeamt unter. Auf jeden Fall ein eindrucksvoller Bau.

Wuppertal hat eine Menge richtig starker Murlas. Also großen Wandgemälden, wunderbaren Streetart-Kunstwerken. An zwei davon bin ich vorbei geradelt. Erst an „Aqua“ von L7Matrix aus Paris und dann an „Paris his Aphrodite“ von PiciAvo. Beide Werke sind richtig stark. Wenn ihr mal in Wuppertal seid, schaut unbedingt in DIESE Karte um nix zu verpassen.


Die kleine Exkursion an den Bildern vorbei diente aber nur dazu, im Westen einen Zugang zur Nordbahntrasse zu nutzen. Die Nordbahntrasse ist ein echtes Erfolgsmodell in Wuppertal.

Auf gut 22 Kilometern Länge ist es hier möglich mit dem Rad, Skates oder zu Fuß, meist auf gleichbleibenden Höhenniveau voran zu kommen. Viadukte, Tunnel und ganz viel Engagement von Bürgerinnen und Bürgern zeichnen dieses Projekt aus.

Gerade die Tunnel sind schon cool zu befahren. Sie sind beleuchtet und alles andere als Angsträume. Das Radfahren macht hier richtig Laune. Vor allem dann, wenn man weiß, wie hügelig die Umgebung ist, und wie entspannt man hier oben auf der Trasse fährt.

Entlang der Route finden sich immer wieder tolle Ausblicke auf Wuppertal und auf Industriegeschichte. Tafeln geben bei besonderen Gebäuden Auskunft über die Funktion und die Geschichte.


Eigentlich könnte man auf dem super Weg flott durchradeln, aber es gibt immer was zu gucken. Vielleicht stumpft man ab, wenn man hier öfter fährt, für mich war das alles spannend.


Am, ehemaligen, Bahnhof Wuppertal-Loh gab es besonders viel zu entdecken. Dort gibt es einen Garten mit jede Menge „Krims-Krams“, wohl sowas wie ein Kunstprojekt. Auf jeden Fall faszinierend.



Wilde Sachen gibt es zu entdecken.



Einige wenige Meter weiter wird es dann historisch. Die Denkmallolomotive E608 steht neben der Trasse. HIER gibt es jede Menge Infos zu dem schönen Stück. Baujahr 1910.

Die Position wirklich direkt an der Trasse feiere ich sehr, auch, wenn die Lokomotive schon sehr leiden musste. Erst Anfang diesen Jahres haben wohl Jugendliche ordentlich an und in ihr randaliert. Umso erfreulicher, dieses tolle Exemplar jetzt in diesem guten Zustand zu sehen.

Die Blicke nach rechst und links zeigten, es ist immer noch sehr urban rund um die Trasse. Sagte ich schon, wie angenehm es ist, immer auf gleiche Höhe zu radeln?


…und dann wurde es nach und nach ländlicher. Bei Bracken habe ich kurz Pause gemacht, an einem ehemaligen Bahnhof, bevor es über die, jetzt auch gewundenere Trasse weiter ging.


Der Weg war nicht mehr durchgehend asphaltiert, es gab auch diesen festen Schotter oder Kies, auf jeden Fall tat das dem Fahrkomfort keinen Abbruch.

Jetzt war die Landschaft zwar immer noch sehr hügelig, aber das in einem satten Grün.

Der „Schee-Tunnel“ ist ein markantes Bauwerk auf dem Weg und durchaus spannend. Der zweiröhrige Eisenbahntunnel ist heute nur noch in einer Röhre zu befahren, die andere ist geschlossen und ein großes Fledermausquartier.


Im Zweiten Welkrieg wurden in den Tunneln Teile für den Strahljäger Me-262 gefertigt. Heute ist er in die Nordbahntrasse eingebunden und verbindet Wuppertal mit Sprockhövel.

Im Tunnel wird die Grenze zwischen Wuppertal und Sprockhövel angezeigt. Schon faszinierend, dass auf der Bahntrasse die ganzen Brücken und Tunnel zugänglich gemacht wurden und man ganz entspannt dort lang radeln kann.


An einem ehemaligen Bahnhof vorbei führte mich die Route dann wieder durch saftiges Hügelland in Richtung Hattingen.

Das Radfahren tat hier einfach richtig gut, auch weil das Auge weit gucken konnte und das Grün einfach toll aussah.

Sind hier Menschen, die ihre Touren mit komoot planen? Wie oft hat euch das System schon auf „1A-Radwege“ geschickt, die dann eher wie Trials aussahen? Bei dieser Tour war es mal wieder soweit, der Weg war zwar legal befahrbar, aber so ein richtig idealer Radweg war es nun auch nicht 😉 .


In Hattingen angekommen, habe ich das Rad durch die historische Altstadt geschoben und mir die wundervollen Häuser angesehen. Wenn man das Wort „Ruhrpott“ hört, hat man ja eine Vorstellung im Kopf – Schornsteine, Industrie, Dreck und Hektik. Und dann kommt man nach Hattingen.



Es ist einfach „nett“ hier. Das merkt man auch daran, dass die Stadt Hattingen eine Wortpatenschaft für das Wort „nett“ übernommen hat. Zusammen mit der Gesellschaft für deutsche Sprache. Finde ich klasse, gerade in unserer heutigen Zeit sollten wir alle viel öfter „nett“ zueinander sein.

An dieser bunten Wand vorbei habe ich mich dann in Richtung Henrichshütte gemacht.

Die Henrichshütte war ein Hüttenwerk und ist heute ein Museum. 2003 schloss der letzte Bereich des ehemaligen Unternehmens. Heute ist der Ort neben einem spannenden Museum auch eine Veranstaltungslocation, auch TV-Formate wurden hier schon gedreht. Vor dem Gelände stehen die „Menschen aus Eisen“ des polnischen Bildhauers Zbigniew Frączkiewicz. Sie sollen an den Kampf zum Erhalt des Standortes erinnern. Wer sich die Figuren genauer anschaut, ahnt vielleicht warum sie durchaus in der Kritik standen….und, womöglich die örtliche Dorfjugend, ab und an die Penisse geklaut hat 😉 .


Hattingen liegt direkt an der Ruhr. Ihrem Verlauf bin ich dann auch eine Weile gefolgt, quasi ein Stück des Ruhrtalradweges gefahren. Solltet ihr da mal Interesse dran haben, ich bin den kompletten Weg vor einiger Zeit mit meiner Mutter gefahren, schaut gern mal HIER.


Direkt an der Ruhr liegt auch das Eisenbahnmuseum Bochum Dahlhausen. Ein Besuch lohnt sich immer, wenn allerdings gerade ein Museumfest stattfindet, ist das Ganze nochmal faszinierender.

Dieses Mal war eine Lokomotive der Baureihe 232 der DB Cargo zu Gast. Wer hier schon länger mitliest, weiß ja, neben Flugzeugen, finde ich auch Eisenbahnen verdammt eindrucksvoll. Und die 232er Baureihe, ihr Spitzname ist Ludmilla, hat ihren ganz eigenen Charme. Sie wurde 1975 in der Ukraine gebaut, fuhr dann in der DDR und ist aktuell bei der Bahn im Güterzuggeschäft eingesetzt. Stationiert in Oberhausen, läuft die Zeit dieser eindrucksvollen Großlokomotiven bei der Bahn langsam ab. Umso schöner, hier nochmal ganz nah ran zu kommen.

Das Museum ist ein ehemaliges Dampflokbetriebswerk und an vielen Stellen noch im Originalzustand. Die Lokschuppen und die dazugehörige Drehscheibe zum Beispiel sind wirklich eindrucksvoll. Zumal dann, wenn auch noch Dampflokomotiven davor stehen.

Es gab beim Museumsfest so viel zu entdecken. Ein Pendelzug fuhr zwischen Museum und der Haltestelle Dahlhausen hin und her, jede Menge Menschen schauten sich Modelle und Originale an, was leckeres zu futtern gab es auch, was soll ich sagen, ein idealer Ort um eine längere Pause zu machen.



Highlight war aber sicherlich die Dampflokomotive P38 des Museums. Auf ihr konnten kurze Mitfahrten unternommen werden. Dazu musste sie bekohlt und angeheizt werden. Die alte Technologie hautnah zu erleben, zu sehen, zu fühlen, zu riechen – das ist schon etwas Besonderes.




Auch ein alter Postwagen konnte erkundet werden. Auf der Strecke wurde darin Post sortiert und vorbereitet.


Eine V200 steht auch im Museum, eine Lok, die wohl jede und jeder mit Modelleisenbahn auf seiner Anlage hat oder hatte. Eine tolle Lokomotive aus der Hochzeit der Bundesbahn.

Wie gesagt, es gibt dort immer viel zu entdecken. In den Hallen sehen die Wagen und Lokomotive aus, wie aus dem Ei gepellt, draußen gibt es Ecken, an denen warten die Schätze noch auf liebevolle Restaurationen. Aber auch das bietet tolle Fotomotive.



Mit einem letzten Blick auf eine Dampflok ging es dann wieder auf den Sattel und weiter in Richtung Essen. Wenn ihr selbst mal im Eisenbahnmuseum vorbeischauen wollt, ich kann es euch nur empfehlen, schaut mal HIER.

Ich habe dann wieder einmal die Seite der Ruhr gewechselt und bin weiter gefahren. Es ist schon so, wenn man sich Zeit nehmen wollte, könnte man alle 200 Meter anhalten und irgendwas historisches, spannendes oder beeindruckendes entdecken. Das Ruhrgebiet ist voll davon. Ich bin zum Beispiel über ein Stück ehemaligen Treidelpfades gefahren. Auf den ersten Blick sieht es einfach aus wie Kopfsteinpflaster, aber es ist ein Denkmal, welches zeigt, wie anstrengend und herausfordernd das Leben entlang der Ruhr in früheren Zeiten gewesen ist.



Wenig später ging es dann über eine Verkehrsader ganz anderer Art, die A40. Hauptschlagader des Ruhrgebietes, meist allerdings eine Ader mit gefährlicher Neigung zur Thrombose. Wie heißt der Spruch noch? Die meiste Zeit seines Lebens, wartet der Autofahrer vergebens. Auf der A40 ist da was dran. Als ich drüber gefahren bin, floss der Verkehr allerdings, sogar der ÖPNV.

Bevor ich in Essen am Bahnhof angekommen und mit der Eisenbahn, der modernen, nach Hause gefahren bin, habe ich noch einen Abstecher zum Welterbe Zollverein gemacht. Irgendwie muss man als Pottkind da ja rumradeln, wenn man schon mal in Essen ist.

Der Doppelbock ist ja mittlerweile mehr als ein Industriedenkmal, er ist ja ein stückweit Identitätsstiftend für eine ganze Region. Selbst diese kurze Tour hat mir wieder gezeigt, in was wir doch hier für einer tollen, abwechslungsreichen und spannenden Region wohnen.

Nach zwei wirklich schönen Tagen auf dem Rad soll es das dann auch schon wieder gewesen sein. Ich hoffe, die Einblicke haben euch gefallen, solltet ihr Fragen haben, immer her damit. Die nächste Tour ist schon gemacht, es ging ins benachbarte Ausland. Dazu aber ein anderes Mal mehr.

Ich wünsche euch eine gute Zeit, seid nett zu euren Mitmenschen, bleibt gesund, fahrt vorsichtig und, wenn ihr mögt, empfehlt den Blog weiter 😉 .
Euer Martin
Uli, toller Bericht. Vom zweiten Teil kannte ich schon einiges, aber der Erste klingt gerade auch zu Beginn total spannend. Sehr inspirierend, da werde ich mir sicher Teile davon noch einmal genauer anschauen.
Danke für den tollen Bericht. Ich bin zwar keiner, der gerne mit dem Fahrrad unterwegs ist, aber dafür mit dem Motorrad. Ich habe mir ein paar Notizen gemacht.