Radeln im Norden – Hamburg, meine Perle

Moin,

es geht nochmal in den Norden, nochmal ans Wasser und nochmal in meinen Urlaub im September. Wenn ihr mögt nehme ich euch, unbezahlt und unbeauftragt, mit in eine der spannendsten Städte der Republik. Es geht nach Hamburg. Knappe 40 Kilometer bin ich Ende September durch die Hafenstadt gefahren.

Los ging es ungefähr auf Höhe der Rickmer Rickmers, einem der Wahrzeichen der Hansestadt. Das grüne Segelschiff von 1896 ist einfach ein Hingucker, selbst dem dem typischen Hamburger Wetter am Tag meiner Radtour.

Auf der Promenade findet sich ein Denkmal für den Einsatz der „Cap Anamur“ bei den Rettungen von Flüchtlingen vor Vietnam. Seenotrettung war kein Verbrechen und ist es bis heute nicht. Was da so im Mittelmeer passiert aktuell ist eine Schande für die Wertegemeinschaft EU, generell gilt es mal zu schauen, wie viel von diesen Werten im Europa der Gegenwart noch übrig ist.

An den Landungsbrücken vorbei ging es auf die Helgoländer Allee in Richtung Norden und dann auf die Reeperbahn.

Die Reeperbahn, knappe 900 Meter lang, ist wohl eine der bekanntesten Straßen Hamburgs. Viele Kultkneipen, Sexshops und auch die ein oder andere Dame die ihrer Services anbietet gehören genauso hier her wie Musical Theater und Livemusik.

Es gibt einige Webseiten die sich mit „Dingen die ein Gesicht haben“ beschäftigen. Also Alltagsgegenstände, die zufällig, oder absichtlich, so aussehen, als hätten sie ein Gesicht. Dieser Abluftkanal gehört ja wohl definitiv dazu ;).

Seit 2008 gibt es am Ende der Reeperbahn den Beatles-Platz, er soll an die Geschichte der Band erinnern, die in Hamburg erste große Erfolge feiern konnte.

Vom Ende der Reeperbahn führte mich mein Weg dann runter an die Elbe und zurück zu den Landungsbrücken und dem alten Elbtunnel. Eigentlich heißt er Sankt Pauli Elbtunnel, da es aber ja seit den 70ern den Autobahntunnel gibt, heißt der an den Landungsbrücken halt „Alter Elbtunnel“. Bereits 1911 eröffnet ist er nach wie vor ein beeindruckendes Bauwerk. Es gibt keine Abfahrten, man fährt per Aufzug hinauf und hinab und kann dann durch die Tunnelröhre radeln. Ein tolles Gefühl.

Nach knappen 420 Metern unter dem Fluss kommt man in Hamburg Steinwerder wieder ans Tageslicht und hat einen schönen Blick zurück auf die Stadt.

Natürlich auch auf die Elbphilharmonie, sicherlich einer der umstrittensten Bauten der letzten Jahre.

Von dort gelang auch ein Blick in ein Trockendock. Dort lag die „Rhön“, ein Versorgungsschiff der Bundemarine. Ihr wurde die Betriebserlaubnis entzogen und sie muss jetzt repariert und angepasst werden. Danach soll sie noch bis 2024 in Dienst bleiben. Seit 1977 leistet sie ihren Dienst bei der Marine.

Das an einer Kaimauer ein Hinweis auf Godot steht, ist im Zusammenhang mit dem Bild davor sicher Zufall. Schmunzeln musste ich trotzdem.

Auf dem Weg zum Gebiet „Kleiner Grasbrook“ kam ich an einer toll bemalten Lagerhalle vorbei. Überhaupt gibt es in dem Bereich viele Freiflächen und Lagerhallen. Die richtig großen Schiffe werden nicht mehr in diesem teil abgefertigt, sondern eher im Parkhafen, weiter elbabwärts.

Ganz in der Nähe wurde gerade eine Lokomotive vor einen Zug rangiert. Ich mag es ja immer, wenn ich Lokomotiven vor die Linse bekomme, die eine lange Geschichte haben, diese hier wurde 1974 an die Reichsbahn der DDR ausgeliefert….und ist heute immer noch fleißig im Geschäft.

Wenn man auf Industrie- und Hafencharme steht ist man in der Ecke des Hafens genau richtig. Es gibt das sehr interessante Hafenmuseum und wenn man Glück hat, fährt einem „Fridolin“ vor die Linse. Fridolin ist ein Schienenbus der Hamburger Hafenbahn. Die Lokomotive oben war schon alt, Fridolin toppt das lässig. Baujahr 1956.Top restauriert zuckelt er durch den Hafen und bietet ganz besondere Einblicke. Ich hatte Glück und hab ihn bei einer Ausfahrt erwischt.

Und wo wir gerade bei alten Maschinen sind, wir sind ja im Hafen, da brauchts natürlich auch mal nen Schiff. Während ich über die Elbbrücken in Richtung Baakenhafen und Sandtorpark gefahren bin, konnte ich wunderbar einen Blick auf die „Stubnitz“ werfen. Heute ein Schiff mit einer Bühne im Bauch, also ein Kulturschiff, wurde es in den 60ern des letzten Jahrhunderts als DDR Kühlschiff eingesetzt. Toll, dass solche Schiffe erhalten bleiben.

Neben der Reeperbahn, den Landungsbrücken und der Elbphilharmonie ist sicherlich die Speicherstadt eines DER Wahrzeichen Hamburgs. Klar, dass ich auch dort entlanggeradelt bin.

Beim nächsten Bild erkennt man die neue Brücke des Miniaturwunderlands. Die größte Modellbahnanlage der Welt ist wirklich IMMER einen Besuch wert. Verschiedene Länderbereiche, tausende Details, kreative Ideen und Umsetzungen faszinieren mich immer wieder. Die Anlage ist stetig gewachsen und mit dieser neuen Brücke weitet das Team den Platz auf einen weiteren Speicher aus. Ich bin schon echt gespannt, wie es da weitergeht.

Ich war auch dieses Mal wieder in der Ausstellung und kann sie Euch echt nur empfehlen. Es ist krass, wieviel Technik da drin steckt.

Wenn ihr mögt, schaut Euch mal diese Zusammenfassung an, ich weiß, ich wiederhole mich, aber das ist einfach der Hammer 😉

Nach dem Abstecher ins MiWuLa ging es weiter durch die Stadt, vorbei am Oberlandesgericht und dem Mahnmal „Hier und Jetzt“ direkt davor. Das Kunstwerk von Gloria Friedmann erinnert an die Urteile der Justiz im Naziregime und zeigt mit vielen verschiedenen Pflanzen die Vielfältigkeit der Hamburger Bevölkerung. Umsetzung und Idee gefallen mir wirklich gut.

Apropos NS-Regime, in Sankt Pauli steht noch ein riesiger Flakturm, der Flakturm IV. Ein beeindruckendes Bauwerk, bedrohlich und als permanentes Mahnmal mitten im Viertel nicht zu übersehen. Aktuell wird auf seinem Dach gebaut, dort soll eine Grünfläche entstehen. Im Bunker selbst gibt es schon eine Menge Kultur- und Medienschaffende.

Weiter ging es in Richtung Ottensen und Othmarschen, vorbei an einem Jugendzentrum mit tollen kreativen Gestaltungsideen der tristen Mauern drumherum. Zum einen coole Streetart, zum anderen Pflanzgondeln aus alten Flaschen. Finde ich super gut.

Vorbei an der Einfahrt zum „neuen“ Elbtunnel, wie immer staute es sich, führte mich mein Weg in die eher kostspieligeren Wohnviertel der Stadt.

Tolle Häuser säumten jetzt den Weg, oftmals mit den passenden Autos in den Einfahrten. Man kann schlechter wohnen ;).

Dann ging es runter an die Elbe und langsam aber sicher zurück in Richtung Landungsbrücken. Der Radweg direkt am Fluss ist herrlich zu fahren, oft baumbestanden und immer mit einer schönen Aussicht auf den Fluss und das gegenüberliegende Ufer.

Dabei fällt dann auch das Airbus Werk in Finkenwerder ins Auge, neben etlichen Flugzeug-Hecks erkennt man auch, zwar hinter Mauern, aber doch deutlich, drei Klassiker. Die Super-Guppy, ein Transportflugzeug um Teile zwischen den Standorten hin und her zu fliegen, längst ausgemustert, das Heck einer VfW 614, einem deutschen Passagierflugzeug, ebenfalls lange außer Dienst und eine Transall, das Exemplar hier ist ebenfalls nur noch Denkmal, ein paar letzte Maschinen fliegen noch bis Ende Dezember für die Luftwaffe.

Etwa auf Höhe von Övelgönne lief mir dann auch ein Großcontainer vor die Linse. Knappe 330 Meter lang, 50 Meter breit und mit Platz für fast 11.000 Container ist die Santos Express der Hapag-Lloyd, deren Heimatsitz Hamburg ist, einer der größeren Containerfrachter.

Wenig später habe ich sie dann etwas weiter unten nochmal formatfüllend fotografieren können.

Mit einem Schiff, welches als einer der Vorgänger der Santos Express gelten kann, endet meine kleine Radtour durch die Hansestadt. Die 1961 gebaute Cap San Diego ist heute ein Museumsschiff und tatsächlich immer noch fahrtüchtig und wird auch regelmäßig bewegt.

Wie fast immer habe ich auch dieses Mal einen Relive-Clip für euch. Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, immer her damit.

Wie immer hoffe ich, es hat Euch gefallen. Bleibt gesund und munter, haltet die Ohren steif und bis zum nächsten Mal.

In Hamburg sagt man Tschüss,
Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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