Ganz frühe Tour an die Krickenbecker Seen

Hi zusammen,

der frühe Vogel fängt den Sonnenaufgang, dachte ich. Aber, der Reihe nach. Unbeauftragt und unbezahlt nehme ich euch, wenn ihr mögt, zu nachtschlafender Zeit mit auf eine Runde in Richtung Nettetal. „Schuld“ daran war dieses Bild hier. Der von mir sehr geschätzte Fotograf Axel Jusseit hat am 17. April 2021 diesen wundervollen Sonnenaufgang an den Krickenbecker Seen fotografiert. SCHAUT MAL HIER!

Davon inspiriert habe ich mich, noch vor Beginn der Ausgangsbeschränkungen in Krefeld, die starteten erst am 19. April, am Sonntag Morgen um kurz nach 4.30 Uhr auf den Weg gemacht. Im Dunkeln zu radeln ist so ganz anders, ich hatte das hier vor ein paar Wochen schon mal geschrieben, da war es allerdings spät in der Nacht, nicht früh am Morgen, aber die Welt fühlt sich irgendwie…anders an. Zumal an einem Sonntag, da fühlt man sich dann tatsächlich wie der einzige Mensch auf dem Planeten.

Aus der Krefelder City ging es erst in Richtung Hüls und dann über die Hülser Straße direkt auf Kempen zu. Am Horizont konnte ich schon den Kempener Wasserturm erkennen. Knappe 42 Meter hoch kann er 350.000 Liter Wasser fassen, das ist schon echt ne Menge. So ein Wasserturm funktioniert nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren, hatte ich mal in Physik, ist lange her. Wasser versucht aber einen Ausgleich herzustellen, deshalb hat man ,in allen Häusern in denen die Anschlüsse tiefer liegen als der Turm hoch ist, Wasser. Auf jeden Fall ist er Nachts beleuchtet und macht was her, auch wenn er früher, als er noch mit Holz verkleidet war, noch schöner ausgesehen hat.

Wenn man schon mal in Kempen ist, muss man natürlich auch der Burg einen kleinen Besuch abstatten, sie beheimatet unter anderem das Stadtarchiv.

Dann hieß es ordentlich in die Pedale treten, ich wollte ja zum Sonnenaufgang an den Krickenbecker Seen sein. Durch Grefrath und Hinsbeck ging es dann an die Seen. Was soll ich sagen, Axel hatte am Vortag deutlich mehr Glück mit dem Wetter als ich. So war es nix mit dem Sonnenaufgang, aber es hatte auch mal was so früh Morgens, ganz allein da zu sitzen, über das Wasser zu schauen und die vielen Wasservögel zu beobachten.

Weiter ging es dann in Richtung Venlo, beziehungsweise in die Richtung des ehemaligen Fliegerhorstes Venlo. Mutterseelenallein war ich um die frühe Uhrzeit auf dem Weg.

Am „Tor 9“ des ehemaligen Platzes vorbei ging es zu einer Fläche, die heute ein Parkplatz ist, früher war sie den Boden einer Rundbogen-Halle. Es gibt einen sehr guten Verein rund um den ehemaligen Flugplatz, wenn ihr mögt, schaut Euch die Website mal an, da gibt eine Menge Informationen. HIER.

Kurz bevor ich die Grenze zu den Niederlanden überschritten, oder besser überfahren hätte, bin ich scharf links abgebogen und in Richtung Kaldenkirchen geradelt. Auch dort gibt es noch ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg, neben dem Bahnübergang an der Feldstraße steht ein Einmann-Bunker. Viele Leute die gern Eisenbahnen fotografieren kennen diese Stelle, aber wenige die Geschichte des Bunkers dort. Früher gab es ein Lager dort, ein Lager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, der Bunker war ein Unterstand für bis zu drei Personen für die Soldaten die den Gleisanschluss dort sichern sollten. Ab und an sollte man sich etwas Zeit nehmen, wenn man im hektischen Alltag an solchen Mahn- und Denkmälern vorbei hetzt. Sie erinnern uns an eine Zeit, die so verdammt weit weg scheint…und sie sollten uns mahnen darauf Acht zu geben, dass es eine ferne Erinnerung bleibt.

Als ich weiterfahren wollte kam noch ein Zug, der RE13 von Hamm nach Venlo und endlich kamen auch mal ein paar Strahlen Sonne durch die Wolken.

Von Kaldenkirchen ging es dann, fast schon langweilig, über den Bahnradweg zurück. Die Strecke ist toll ausgebaut, der „Hinsbecker Berg“ dank sanftem Anstieg gut zu bewältigen und ab dann rollte man quasi nach Grefrath hinein.

Wer mir hier schon länger folgt, weiß um das aufgebockte ehemalige Klettergerüst an diesem Radweg. Ein alte Flugzeugklettergerüst, welches lange auf einem Grefrather Spielplatz stand, entsprach vor einiger Zeit nicht mehr den Bestimmungen und sollte ersetzt werden. Da viele Grefratherinnen und Grefrather auf diesem teil als Kinder unterwegs waren, kam es nicht auf den Schrott, sondern wurde neben dem Radweg aufgestellt. Finde ich klasse.

Apropos Flugzeug, direkt neben dem Flugplatz in Grefrath liegt das Haus Bruch. Ich war da mal essen, ich weiß aber gar nicht, ob das noch ein Restaurant ist. Auf jeden Fall hat es sich immer hinter Bäumen versteckt. Da diese leider alle krank waren, wurden sie jetzt gefällt und es werden neue gepflanzt. Das gab dann beim vorbei radeln den Blick auf das Gebäude frei.

Über die angrenzende Niers ging es dann wieder in Richtung Krefeld zurück. Es ist schon ein schönes Fleckchen Erde da oben an der niederländischen Grenze.

Parallel zum Kempener Außenring führte mich mein Weg dann weiter. Ich wollte nicht auf dem gleichen Weg zurück, wie hin, das sieht ja auf Strava nachher irgendwie doof aus ;).

Das war eine gute Entscheidung, so konnte ich nämlich zwei sehr tief fahrende Ballone sehen. Es war am frühen Morgen so still, dass man die Stimmen der Ballonfahrenden und die Gasstöße aus den Brennern sehr gut hören konnte. Auch eine faszinierende Art der Fortbewegung und ein toller Sport.

Besonders der Ballon der Firma Kubicek, welcher hier mit Werbung für einen Hundefutter-Hersteller bedruckt ist, macht optisch was her. Das die Registrierung dann auch noch D-ODOG ist, passt dann ja perfekt.

An der wunderbaren kleinen Kirchen „Sankt Peter“ vorbei habe ich die letzten Kilometer bis nach Krefeld unter die Reifen genommen.

Das letzte Foto der Tour habe ich dann am Brunnen am Friedrichsplatz in Krefeld gemacht, vor wenigen Tagen hatten da noch einige Blitzbirnen Schaum reingeschüttet. Sonntag Morgen sah er gut aus und sprudelte so vor sich hin.

So waren es, wenn auch ohne echten, tollen Sonnenaufgang, doch knappe 66 Kilometer an der frischen Luft, die ich sehr genossen habe. Es gibt, wie meist, noch einen kleinen Relive-Clip für Euch. Ich hoffe, Euch hat die Runde gefallen.

Wenn ihr Fragen habt, nur keine falsche Scheu, ab in die Kommentare damit. Passt auf Euch auf, bleibt gesund und munter.

Euer Martin

 

 

2 comments

  1. Danke fürs mitnehmen für die schöne Tour. Kempen, Krickenbeckerseen, sind wir auch schon oft gefahren. Kempen eine schöne Historische Stadt. Wir haben es schön schön am Niederrhein. Weiterhin gute Fahrt und bleib Gesund.
    Lg Elke

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