Haus Schwarzenstein – die Tour mit Mamas Gang

Hallo zusammen,

nach der wunderbaren Tour neulich am Bodensee, sollte es am Freitag mal wieder in den heimatlichen Gefilden auf Rad gehen. Da ich derzeit noch Urlaub habe, habe ich die Chance genutzt und eine Tour mit meiner Mutter gemacht, im hektischen Berufsalltag komme ich kaum dazu. Mit ein paar weiteren Radlerinnen und Radlern schwingt sie sich regelmäßig in den Sattel und so habe ich mich einer dieser Touren angeschlossen. Die Tourleiterin war Petra, sehr zur Freude aller Beteiligten, sie such nämlich jedes Mal spannende Ziele aus. Und so sollte es nach kurzer Abstimmung zum Haus Schwarzenstein und dem Skulpturenwald gehen. Kannte ich beides nicht, ideal also.

Für mich startet die Tour mit einer Zufahrt von Krefeld nach Duisburg um mich mit den anderen zu treffen. Vom Bahnhof aus ging es dann am Rhein-Herne Kanal in Richtung Meiderich.

Früher als Kind hat mein Papa immer gesagt, der Junge kann Flugzeuge und Hubschrauber am Geräusch erkennen. Nun ja, ein bisschen was von dieser Superkraft 😉 ist noch da, davon konnte ich mich kurz vor Meiderich überzeugen. Es klang nach Helikopter, aber nicht nach den EC-135 oder H145 der Luftrettung oder der Polizei, eher nach der guten alten BO-105. Aber wer soll die aktuell so tief fliegen, dass ich sie so laut hören konnte. Kurze Zeit später flog tatsächlich eine BO-105 über den Kanal. Die Firma Air Lloyd setzt sie zur Pipeline-Überwachung ein. Schon faszinierend, mit einem speziellen System kann man aus der Luft Gaslecks erkennen. Krasse Sache. Ach ja, an dieser Stelle gleich mal der Hinweis, dieser Beitrag hier enthält vielleicht die ein oder andere Produkt oder Firmennennung, ist aber komplett unbezahlt und unbeauftragt. Na ja, auf jeden Fall kam ich so zu einem BO-105 Foto. Ich ahnte da noch nicht, dass es nicht das letzte an diesem Tag bleiben würde.

Vom Treffpunkt im Iltispark, da hab ich als Kind öfter mal gespielt, ging es dann mit 6 Radlerinnen und Radlern los, letzte Woche verstieß man damit noch nicht gegen eine CoronaSchutzAnordnung der Stadt Duisburg. Kaum saßen wir im Sattel kam mir erneut eine BO-105 vor die Linse. Allerdings ist das gute Stück nur noch ein schatten ihrer selbst, die Zelle scheint irgendwie echt zu sein, der schlecht Hauptrotor-Fake und die Kufen…nun ja, es ist halt ein Dekostück. Ich habe an der Zelle leider keine Infos finden können, weiß also nichts über die Geschichte dieses Helis. Auf jeden Fall steht er jetzt vor einem Restaurant als….nun ja, Blickfang.

Das erste Ziel war der Revierpark Mattlerbusch und das dortige, neue, Gradierwerk. Noch nicht ganz fertig wird das knapp 640.000 Euro teuere Bauwerk aber schon bald sicher ein Highlight im Park werden. Es ist schon faszinierend, wenn dort aus knapp 8 Metern Höhe das Salzwasser am Schwarzdornreisig entlangläuft und die Luft drumherum nach Salz schmeckt. Wollen wir hoffen, dass der ukrainische Schwarzdorn lange hält und das Teil nicht von irgendwelchen Vollidioten kaputt gemacht wird, wir in Krefeld kennen uns ja mit sowas aus.

Wie schon gesagt, Petra hat durchaus ein Händchen für interessante Ziele. Ganz in der Nähe des Revierparks gibt es einen jüdischen Friedhof. Ich gebe zu, allein hätte ich den nie gefunden, so versteckt liegt dieses Kleinod. 1714 wurde er errichtet, heute stehen dort noch etwa 30 Grabsteine, der älteste ist von 1759. Beeindruckend und obwohl ich aus der Ecke komme hatte ich davon bislang noch nie etwas gehört. Wie lautet dieser Spruch noch: Du wirst alt wie ne Kuh und lernst immer noch dazu.

Wettermäßig war es ganz OK, Wolken, ein bisschen Nässe auf dem Boden und ab und an sogar Sonne. Wir sind dann weiter in Richtung Dinslaken und Emscher Radweg gefahren. Unterwegs kommt man immer wieder an Devotionalien oder Hinterlassenschaften rund um das Thema Bergbau vorbei. Ich kann mir nicht helfen, als Duisburger Jung habe ich da gleich immer das Steigerlied im Kopf…

Kurz drauf waren wir dann auf dem Emscher-Weg und kamen gut voran.

Sollte für mich gleich noch eine weitere Premiere werden, ich hab es tatsächlich noch nie bis zur Emscher-Mündung geschafft. Nun ja, erstmal ging es an Brücken und Schafen vorbei weiter in Richtung Rhein.

Und dann waren wir an der Emschermündung. Aktuell ist das noch alles sehr kanalisiert, aber seit 2014 braut man etwas weiter nördlich eine naturnahe Einmündung in den Rhein. Ich bin mal gespannt wie das dann wird. Aktuell sieht es so aus.

Im Hintergrund sieht man das 2017 stillgelegte Steinkohlekraftwerk in Voerde. Unterdessen war es Zeit für die weitere Planung der Route und eine kurze Pause. Es sollte weiter am Rhein entlang gehen, bevor die Tour dann später in Richtung Osten zum Ziel, Haus Schwarzenstein, führen sollte.

Am Kraftwerk vorbei, welches aus der Nähe übrigens riesig wirkt, radelten wir auf das Örtchen Götterswickerham zu. Dort gibt es eine, zwar sehr kurze, aber umso schönere Rheinpromenade, bestanden mit Bäumen, vielen Bänken und dem 800 Kilometer-Stein. Er zeigt den 800sten Rheinkilometer an und wurde vom Verein „Unser Dorf soll schöner werden“ restauriert. Hat sich gelohnt finde ich. Auf dem Stein steht, es fahren im Jahr ca. 100.000 Schiffe hier vorbei. Vier davon habe ich auf dieses Bild hier bekommen 😉 .

Ein wenig schmunzeln musste ich, als ich die Schilder auf den Mülleimern neben den Bänken gesehen habe. Ich denke, es ist so gemeint, dass man seinen Müll wieder mitnehmen soll, wenn der Eimer voll ist, nicht das man bei einem vollen Mülleimer diesen komplett mit nach Hause nehmen soll um ihn zu entsorgen, oder? 😉

An einem Baggersee vorbei führte Petra uns dann nach Mehrum, einem kleinen Dorf, welches mal einen Adelssitz beherbergte und vor allem dadurch bekannt wurde, dass hier die Alliierten im Zweiten Weltkrieg den Rhein überschritten, genauer war das die 9. US Armee Ende März 1945. So ganz kommt man eben nicht ohne Geschichte aus, wenn man durch unser Land radelt. Es gibt sogar einen Gedenkstein.

Ein paar Meter nördlich davon gibt es auch noch ein kleines Denkmal für den Adelsitz und die Gefallenen der beiden Weltkriege. Da haben wir dann nochmal einen Moment angehalten und Pause gemacht.

Spellen war das nächste Etappenziel. Dort sollte es dann auch eine kleine Einkehr in ein Café geben, Brötchen und Kaffee, wer mich kennt weiß, Brötchen und Cola, warteten. Dafür ging es noch ein bisschen am Rhein entlang und dann Richtung Osten durch einen kleinen Ort, der Herr der Ringe Fans sicher ein Lächeln ins Gesicht zaubern wird 😉

Der Radweg führte zwar an der Straße entlang, war aber trotzdem herrlich. In Spellen haben wir dann das ganze Café für uns gehabt, lecker gegessen und sind dann auch zügig weiter gefahren.

Über Stockum und den dortigen Bahnübergang führte die Tour weiter bis Buchholt, wo wir dann zwischen der Baustelle für die Zeelink Pipeline auf einen wunderbaren Radweg am Wesel-Datteln Kanal fuhren.

Schon spannend, dass man, wenn man in unserer Region radelt, irgendwie ständig über oder an dieser Zeelink Pipeline landet. Seis drum, wir fuhren direkt am Kanal weiter bis kurz vor Hünxe.

Dort gibt es eine Brücke über den Kanal, direkt gefolgt von einer Brücke über die Lippe, die hier direkt neben dem Kanal entlang fließt. Das tut sie übrigens meistens auf den 60 Kilometern, die der Schifffahrtskanal lang ist. Das auf diesem Kanal auch durchaus große Schiffe unterwegs sind, zeigt die „Aquateam“, immerhin 85 Meter lang und knappe 10 Meter breit.

Hinter den beiden Brücken bogen wir scharf links ab und waren im beschaulichen Krudenburg. Wenn man sich hier ein bisschen Zeit nimmt, gibt es viel zu entdecken. Früher hatte das Dorf einen Lippehafen und war dank der Brücke über den Fluss ziemlich wichtig. Auch der Leinpfad führte hier entlang und der Ort war ein Zentrum für die Treidler. Schaut man sich die Hochwassermarken am örtlichen Brunnen an, sieht man aber auch, dass die Natur durchaus auch zickig sein konnte.

Von hier aus waren es jetzt nur noch wenige Kilometer bis zum Ziel, Haus Schwarzenstein. Über wunderbare Waldwege, vorbei an einer alten Gruft einer Adelsfamilie, welche auch auf Haus Schwarzenstein gelebt hat, führte unser Weg in den Wald und auch zu den Skulpturen von denen Petra zu Beginn der Tour gesprochen hatte.

Eine wirklich schöne Ecke dort. Am ehemaligen Rittersitz Haus Schwarzenstein gab es auch eine Kunstwerkstatt und einige andere alte Häuser. Das alles mitten im Wald und irgendwie von der Zeit vergessen. Ein wirklich tolles Ziel und ich bin froh, dass ich mitgefahren bin.

Wer übrigens auf Pilze steht, dem sei der Wald bei der aktuellen Witterung durchaus empfohlen, wir haben wirklich wunderschöne Exemplare gesehen. Allerdings gilt hier wohl, nur gucken, nicht anfassen….und essen schon gleich gar nicht ;).

Zurück ging es, zumindest bis zum Wesel-Datteln Kanal, fast auf dem gleichen Weg wie hin. Beim überqueren des Kanals kann man, schaut man in Richtung Hünxe, die Schleuse sehen. Schon ein beeindruckendes Bauwerk. Der Kanal hat insgesamt 6 davon, diese hier ist von 1923, die Tore wurden allerdings zwischenzeitlich erneuert.

Wir radelten dann durch Hünxe und dann fleißig bergan von knapp 30 auf 60 Meter um dann die Autobahn A3 zu überqueren. Man denkt ja manchmal komisches Zeugs, ich hab mich gefragt, wie viele Kilometer ich wohl schon auf der A3 zurückgelegt habe. Irgendwie trifft man ja ständig auf die knapp 770 Kilometer lange Autobahn. Nun ja, es werden wohl einige 10.000 Kilometer in meinem Leben gewesen sein. Wie auch immer, dieses Mal bin ich nur über die A3 gefahren, nicht auf ihr. Ist mit dem Rad sicher auch nicht so optimal.

Unterwegs kamen wir noch an einem Kunstwerk der regionalen Landwitrschaft vorbei. Die Bäuerinnen und Bauern wollen damit auf ihre Relevanz und ihre Probleme aufmerksam machen. Auf jeden Fall sind diese Heuballenfiguren ein echter Hingucker.

In Richtung Heimat führte uns der Weg auch an der Zeche Lohberg vorbei, oder dem, was nach der Stilllegung 2005 noch davon übrig ist. Zumindest der Doppelbock, wenn auch ohne Räder und weitere Einrichtungen steht noch und ist weithin als Industriedenkmal sichtbar. Ich bin mal gespannt, wie es dort weitergeht.

Und dann sind wir auch schon wieder mittendrin in der Zechenfolklore. Erneut hielten wir auf den Mattlerbusch zu und in Wehofen prangten Kumpel und Geleucht auf einem Stromkasten. Ich finde es klasse, diese tristen Dinger mit solchen Motiven zu verschönern. Ist schließlich ein großer Teil unserer Geschichte hier im Pott.

In Neumühl angekommen ging es dann über ein ganz neu gemachte Straße zwischen wunderbar restaurierten Zechenhäusern hindurch erst zu meiner Mutter nach Hause und dann schließlich mit dem Ziel Hauptbahnhof wieder nach Duisburg Stadtmitte.

Diese letzte Etappe bin ich etwas anders gefahren als auf dem Hinweg Morgens und so habe ich noch ein paar richtig starke Streetarts im Landschaftspark entdeckt. Schaut da mal vorbei, das lohnt sich wirklich.

So, und das soll es dann auch schon wieder gewesen sein. Wie immer hoffe ich, es hat Euch gefallen, ich fand die Tour super, bedanke mich herzlich bei meinen Mitradelnden und Tourguides und freue mich schon auf die nächste Tour. Wie immer habe ich noch ein Relive Clip für Euch, in dem ihr die knapp 95 Kilometer im Schnelldurchlauf sehen könnt 😉

Wenn ihr Fragen habt, nur keine Hemmungen, ab in die Kommentare damit. Dank Euch für Euer Interesse,

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 Gedanken zu „Haus Schwarzenstein – die Tour mit Mamas Gang

  1. Hallo Martin,
    du hast eine tolle Tour gemacht. Schön auch, dass deine Mutter mit dir unterwegs war. 95km sind auch beachtlich, wenn man die derzeitigen Witterungsbedingungen sieht. Deine Art die Tour zu beschreiben und zu bebildert ist wirklich ansprechend. Ich finde Gefallen daran. Weiter so. Und liebe Grüße aus Rumeln
    Klaus

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  2. Hallo Martin,
    Habe mich sehr über Deinen Beitrag gefreut. Du hast wieder einmal einen sehr schönen Bericht erstellt! Hut ab!
    Ganz lieben Dank dafür.

    Mit sportlichem Radlergruß
    Petra

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