Hallo ihr Lieben,
heute gibt es mal wieder „Radtour-Content“ auf dem Blog. Am vorletzten Wochenende hatte ich mir einige Touren überlegt, aber so richtiges Vertrauen in die Wettervorhersagen wollte bei mir dann doch nicht aufkommen. Also habe ich mir überlegt, düst Du ein wenig durch die nähere Region. Gesagt, getan. Wenn ihr mögt, nehme ich euch, unbezahlt und unbeauftragt, wieder ein Stück mit.
Los ging es direkt in Krefeld, vorbei am Seidenweberhaus. Die Veranstaltungshalle aus den 1970ern steht, eigentlich von Beginn an, immer mal wieder in der Diskussion, der Stadtrat hat jetzt aber, bereits mehrfach, den Abriss beschlossen. Wenn man mich fragen würden, lieber gestern als heute. Wenn das Teil weg ist, wird endlich der Blick von der Innenstadt auf die Mediothek und das Theater frei und das Gefühl von „Blockade“ verschwindet. Nun ja, schauen wir mal, was wird. 2021 wurde das Seidenweberhaus zur Leinwand, Streetart eroberte etliche Flächen. Das größte und sicher eindrucksvollste Werk ist direkt auf der Frontseite und stammt vom Künstlerduo „Tubuku“ aus Krefeld. Wer hier schon länger mitliest, hat den Namen schon mal öfter gelesen. Die beiden machen schon richtig coole Sachen.

Wenn man mit der Straßenbahn oder dem Auto unterwegs ist und von Krefeld-Uerdingen in die City, oder andersherum, fährt, merkt man es kaum, aber es geht in Richtung Rhein schon ordentlich bergab. Auf dem Rad spürt man es dann schon eher und wenn man die Rheinstraße mit einem Teleobjektiv entlang fotografiert, sieht man es auch.

Über Fahrradstraßen bin ich weiter in Richtung Rhein gefahren, das klappt in Krefeld an vielen Stellen eigentlich ziemlich gut, auch wenn die ein oder andere Autofahrerin und der ein oder andere Autofahrer immer noch nicht so ganz genau wissen, welche Rechte auf einer Fahrradstraße für wen gelten.

In Uerdingen habe ich dann eine kurze Pause eingelegt und ein bisschen dem Rhein zugesehen. Irgendwie hat es ja etwas beruhigendes, fließendem Wasser zu zusehen.

Ganz in der Nähe, an einer Gastwirtschaft, hält der Brückenheilige „Nepomuk“ Wache. Angeblich stammt die Figur aus Worms, dort war eine Brücke abgebrannt und auf Umwegen kam der Heilige dann an den Rhein bei Uerdingen. Bislang macht er seine Sache, die Abwehr von „Wassergefahren“, ganz gut.

In seiner Blickachse liegt auch die Rheinbrücke, die Krefeld-Uerdingen mit Duisburg verbindet. Sicherlich eines der bekanntesten Wahrzeichen Krefelds.

Ich bin über genau diese Brücke dann auf die andere Rheinseite geradelt. Schon aus der Distanz ist das Werk von HKM zu erkennen. Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann produzieren Stahl und haben eine lange Tradition in Duisburg. Ich bin ja gebürtiger Duisburger und die Schonsteine, der Wasserdampf aus der Kokerei, der Geruch von Eisen, die Geräusche und das ganze Industrieflair – für mich ist das Heimat und ich liebe es sehr 😉 .

Kann man vielleicht nur verstehen, wenn man „von hier weg is“. Industriekultur fasziniert mich aber schon seit Kindheitstagen.

Und als bekennender Eisenbahnfan gibt es im Ruhrgebiet natürlich auch immer was zu entdecken. Auf dem HKM-Gelände wuseln immer Lokomotiven umher, die Züge zusammenstellen oder Metalle umherfahren.

Direkt neben dem weitläufigen Werksgelände liegt die Heinrich-Hildebrand-Höhe. Diese kleine Halde kennen sicher einige von Euch, wenn auch eher unter dem Namen des Kunstwerks auf dem Haldenplateau. Tiger & Turtle oder Magic Mountain.

Das Kunstwerk von Heike Mutter und Ulrich Genth ist eine begehbare „Achterbahn“. Das Ganze ist schon faszinierend, zumal die Aussicht von da oben spannend ist.
Die Skulptur ist komplett begehbar, einzige Ausnahme bildet der Looping 😉 . Das wäre vielleicht auch ein wenig schwierig.


Die Aussicht reicht über bunte Kisten und Kirchen bis zum Rhein. Was zu entdecken gibt es immer.


Bergab geht es fix und von der Halde ist es auch nicht mehr weit bis zur Unfallklinik. Also, ich meine natürlich um sich dort den Rettungsheli „Christoph 9“ anzuschauen, nicht, weil man sich bei der Abfahrt auf die Nase gelegt hat.

Aktuell wird die Station dort allerdings saniert und der Hubschrauber steht am Düsseldorfer Flughafen und fliegt seine lebensrettenden Einsätze von dort aus. Vorletztes Wochenende war er aber noch „zuhause“ in Duisburg.

Neben der Unfallklinik liegt das Naherholungsgebiet „Sechs-See-Platte“. Viel Grün, also, zumindest im Sommer, viele Wege, große Seen und frische Luft. Das Areal ist für Duisburg wirklich wichtig und am Wochenende auch Anlaufpunkt für viele Erholungssuchende.

Vorbei am ehemaligen Bahnbetriebswerk Wedau, aktuell wird dort fleißig an Wohnraum und Gewerbeflächen gebaut, bin ich dann in Richtung Duisburg Stadtmitte geradelt. An vielen Stellen wird an die Eisenbahnhistorie des Viertels erinnert.

Auf dem Weg ins Zentrum fällt ein großes Mural, ein Wandgemälde an einer Hausfassade auf. Das Werk „Global Warning“ weißt auf den Klimawandel hin und beeindruckt durch seine Farben und Größe. Es stammt vom philippinischen Künstler A.G. Saño und dem Duisburger Robin Meyer ist aus dem Jahr 2017. Von seiner Relevanz hat es nichts verloren.

Apropos Kunst, weniger Meter weiter liegt das Lehmbruck Museum mit seinem Skulpturen-Garten. Dort lohnt es sich, mal einen Blick zu riskieren, sind tolle Sachen dabei.


Die Botschaft an der Hauswand daneben ist ebenso aktuell wie die des Klimawandels einige Meter weiter.

Kritisch beäugt von diesem kleinen Vogel hier…

…führte mich mein Weg zu diesem großen Vogel. „Lifesafer“ heißt das Kunstwerk von Niki de Saint Phalle und ihrem Ehemann Jean Tinguely offiziell, böse Zungen behaupten, in Duisburg heißt das Teil auch „Fic***er Vogel“ oder „Pleitegeier“. Ein stückweit tut man der Skulptur damit Unrecht, ich finde sie eigentlich ganz cool.

Vom, leeren, Brunnen aus ging es dann ans Wasser, runter an den Rhein. Der Duisburger Hafen gilt immer noch als der größte Binnenhafen der Welt. Es ist in der Tat beeindruckend, wenn man dort durch die verschiedenen Bereiche radelt und immer wieder neue Einblicke gewinnen kann. Von modernen Schiffen bis hin zu Traditionsraddampfer.


Ach ja, Schimanski darf in Ruhrort natürlich auch nicht fehlen. Der kantige Tatort-Kommissar ist mittlerweile Kult, zu Beginn seiner Ermittlungsarbeit war er in Duisburg gar nicht so beliebt, zeigten die Filme doch ein sehr schmuddeliges und düsteres Bild der Stadt.


Mit dem Blick quer über den Rhein bis nach Moers und dem „Geleucht“ auf der Halde Rheinpreussen ging es weiter, so langsam wieder in Richtung Heimat.


Am Ende einer Landzunge an der Mühlenweide steht die Skulptur „St. Nikolaus“ von Wolf Spitzer. Der Heilige ist der Schutzpatron der Schiffer, die Stelle passt also sehr gut.

Neben dem Schutzpatron hat auch die Wasserschutzpolizei ein wachsames Auge auf den Strom und die Schiffe.

Über die Friedrich-Ebert-Brücke bin ich dann aus Ruhrort hinaus geradelt und nach Duisburg-Homberg gefahren.

Am Rhein entlang in Richtung Süden bin ich gut voran gekommen. Direkt am Wasser zu radeln ist immer irgendwie schön, oder? Ich mag das sehr.

Von dieser Rheinseite gelingt dann auch ein Blick auf das „Rheinorange“, die Skulptur einer glühenden Stahlbramme, die den Punkt markiert, in dem die Ruhr in den Rhein fließt. Sie bildet auch das Ende, oder den Anfang, des Ruhrtalradweges. Das Kunstwerk von Lutz Fritsch ist im Farbton RAL 2004 gestrichen. Das helle Orange symbolisiert nicht nur eine glühende Stahlbramme, der offizielle Name der Farbe ist auch noch Reinorange. Finde ich ziemlich cool, ehrlich gesagt.

Langsam bin ich in Richtung Südwesten abgebogen und haben den Töpper- und den Elfrather See passiert. Bei ersterem gibt es bereits einer Wasser-Ski-Anlage, bei zweiterem hoffe ich zum einen auf den sogenannten „Masterplan“, bei dem es um Sportmöglichkeiten rund um den See geht, und zum anderen auf das Privatinvest „Surfpark“. Beides würde den See, der übrigens durch den Ausbau der A57 entstanden ist, enorm aufwerten. Schauen wir mal.


Vorbei am historischen Rathaus Krefelds, meinem Arbeitsplatz, ging es nach Hause. Am Ende waren es gute 63 Kilometer bei herrlicher Luft und ganz gutem Wetter.


Wie immer hoffe ich, die Einblicke haben euch gefallen. Bleibt gesund und munter und gut zu Euren Mitmenschen. Ich habe hier noch einige Blogthemen liegen und hoffe, ich komme zeitnah zu schreiben. Flugzeuge, Tiere, Parkleuchten – einiges wartet noch darauf, verbloggt zu werden. Also, wenn ihr mögt, bleibt mir gewogen und habt einen guten Start in die Woche.
Euer Martin