Münster, Gütersloh und ein Puma – mit dem Rad zum Tag der Bundeswehr in Warendorf

Hallo zusammen,

einige wissen es vielleicht, ich bin gerade im Urlaub an der Küste und viel mit dem Rad unterwegs. Das bedeutet zwar, es entsteht gerade eine Menge Material für diesen Blog, aber ich komme auch kaum dazu, was zu schreiben 😉 . Heute Abend nehme ich mir aber mal die Zeit, zumindest den Monat Juni mal blogmäßig abzuschließen. Wenn ihr mögt, nehme ich euch, unbezahlt und unbeauftragt mal wieder mit auf eine Radtour.

Wer mir hier schon länger folgt, weiß ja, ich plane meine Touren ganz oft um ein Ziel herum. Das war bei dieser Tour auch so. Sie führte von Münster nach Gütersloh, das eigentliche Ziel lag in der Mitte. Warendorf.

Seit 2011 ist in Deutschland die Wehrpflicht ausgesetzt, das bedeutet, es gibt keinen automatischen Wehrdienst bei der Bundeswehr mehr, die Truppe ist seitdem eine Freiwllligenarmee. Anders als im benachbarten Ausland hat es die Bundeswehr nicht leicht an Rekrutinnen und Rekruten zu kommen. Große Flugtage oder andere Veranstaltungen gibt es nicht, auf der Gamescom hagelte es Proteste als das Karrierecenter dort aufgebaut wurde. In Schulen ist die Armee auch nicht gern gesehen. Was also tun? Es ist schon ein Dilemma, viele wollte den Wehrdienst nicht, Werbung für sich machen soll die Bundeswehr aber auch nicht. Spätestens nach dem Beginn des Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine wird klar, die Idee ohne Armee auszukommen hat nicht funktioniert.

Ich will hier gar nicht zu politisch werden, am Ende ist das nur die Einleitung für einen Bericht über eine Radtour, aber wenn ihr ein paar Minuten Zeit habt, dann schaut euch bitte diese Rede von Peter van Uhm in Amsterdam an. Er hat diese Rede schon 2012 gehalten, sie ist aktueller denn je…

Worauf ich hinaus will, meine Radtour führte mich nach Warendorf, zum Tag der Bundeswehr. Einmal im Jahr hat die Truppe die Chance sich vorzustellen, Geräte zu zeigen, vor allem aber bietet sich die Gelegenheit mit Soldatinnen und Soldaten ins Gespräch zu kommen, vielleicht ist dieser Tag in diesem Jahr wichtiger als er es je war.

Los ging es in Münster, interessanterweise der Ort des Westfälischen Friedensschlusses, am frühen Morgen. Ganz spannend wurde es direkt am Bahnhof, eine Lokomotive welche Werbung für das „Gebrauchtzug“-Portal der DB macht stand dort. In den ehemaligen Farben der S-Bahn Rhein Ruhr fiel die Lokomotive zwischen dem vielen rot sofort ins Auge.

Münster gilt ja als DIE Fahrradstadt, direkt vor dem Bahnhof gewinnt man den Eindruck – da ist was dran 😉 .

Ich bin dann kurz in Richtung Prinzipalmarkt geradelt um dann so langsam aus der Stadt hinaus in Richtung Osten aufzubrechen. Was soll ich sagen, Münster hat schon echt richtig schöne Ecken.

Nach einigen Kilometern habe ich den Dortmund – Ems Kanal überquert und konnte die „Labe 23“ fotografieren. Das tschechische Schiff ist Baujahr 1972, hat also schon einige Jahre und Flusskilometer auf dem Buckel.

Über die B51 wird gerade eine neue Brücke für Radfahrende und zu Fuß gehende Menschen gebaut, ich bin aber auch ganz gut über die aktuelle Brücke direkt daneben gefahren. 😉

Und dann ist man auch schon raus aus der Stadt und radelt durch Wiesen und Felder. Ich bin ja eher ein Freund des Großstadtradelns oder über Bahntrassen mit spannenden Ausblicken, ich kann Strecken durch die Natur aber durchaus auch etwas abgewinnen. Das hier zum Beispiel war ein richtig schöner Abschnitt.

Knapp 70 Kilometer ist die Werse lang, ich hab sie an einer wirklich schönen Stelle überquert. Direkt an einem wirklich schönen Landgasthof inmitten von viel Grün führt eine kleine Brücke über den Fluss.

Ich kann ja irgendwie an keinem Flugplatz vorbeifahren ohne mal kurz anzuhalten. So auch an dem kleinen Platz Münster-Telgte. Vor gefühlten 100 Jahren habe ich, als Kind, von hier aus mal einen Rundflug gemacht, als wir Verwandte besucht haben. Dran erinnern kann ich mich nicht mehr so wirklich. Der Platz ist aber ganz schön, es gibt sogar eine Asphaltpiste. Ein wenig Flugbetrieb gab es auch zu sehen.

Für die Segelfliegerinnen und -flieger begann gerade der Flugtag als ich kam. Muss ich auch ganz dringend mal wieder machen. Segelfliegen ist sowas von herrlich.

Am Flugplatz vorbei führt eine Straße, eine lange Straße, eine lange, gerade Straße….man hat so ein bisschen das Gefühl auf der „Road to nowhere“ unterwegs zu sein.

Am Pfeiler einer Brücke habe ich dann sogar etwas Streetart entdeckt, gibt es hier, aufm platten Land, also auch.

Ansonsten war es ein angenehmes Radeln auf gut ausgebauten Radwegen, zum großen Teil parallel zu Landstraßen. Da dort am Samstag nicht viel los war, war es trotzdem gut.

Zwei Warnungen gab es unterwegs, auf die das reagieren recht schwierig ist 😉 . Zum einen das hier…und nein, ich war noch nicht in Warendorf beim Tag des Bundeswehr.

Ich bin also etwas langsamer gefahren, habe mich vor Projektilen und wankenden Menschen in Acht genommen und bin ganz gut durch gekommen. Ganz anders bei der nächsten Warnung. Da war ich wohl zu nah dran, habe ich auf jeden Fall noch zwei Tage später juckend bemerkt.

Nun ja, in Warendorf angekommen konnte ich das Rad auf einem der eingerichteten Radstellplätze abstellen und habe das Gelände zu Fuß erkundet. Durch den Krieg in Ukraine wurde das, auf ganz Deutschland verteilte, Programm zusammengekürzt. Lediglich die Veranstaltung in Warendorf ist geblieben, dort gab es dann auch Einspieler und Filme der anderen Teilstreitkräfte. Sagen wir es so, es war ein schönes Event, man kam ins Gespräch und neben der Bundeswehr waren noch etliche Einheiten aus der Blaulichtfamilie vor Ort, die Polizei oder das THW zum Beispiel. Dass es nur wenig Großgerät zu sehen gab, war schade, aber wohl nicht zu ändern. Einen Heli oder Leopard hätte ich schon erwartet. Nun ja, interessant war es trotzdem, zumal ich ehemalige Kameraden getroffen habe. Die Welt ist eben doch ein Dorf.

Als ein Highlight des Tages fand dort auch eine Reservisten-Meisterschaft statt, spannende Wettkämpfe die den Soldatinnen und Soldaten der Reserve, zumal bei den Temperaturen, einiges abverlangten.

Faszinierende Vorführungen der Taucher gab es zu sehen und auch neueste Robotertechnologie war vor Ort. Wie gesagt, eine durchaus interessante Veranstaltung.

Ein Highlight war sicherlich der neue Schützenpanzer „Puma“, welcher von Soldatinnen und Soldaten geduldig erklärt wurde.

Vorbei an den gepanzerten Dienstwagen der Verteidigungsministerin und deren Eskorte ging es zurück zu Fahrrad und weiter mit meiner Radtour.

Warendorf lohnt übrigens auch einen Besuch wenn keine Panzer in der Stadt sind. Viele Fachwerkhäuser und man kann ganz wunderbar an der Ems sitzen, oder an ihr entlangradeln.

In einem Vorort von Warendorf bin ich dann über ein kleines, aber feines Museum gestolpert. Ein Motorenmuseum. Schaut mal HIER, das klingt alles ziemlich spannend. Ich werde wohl auch nochmal hinfahren und mir das Ganze in Ruhe anschauen.

Hatte ich bei der Straße am Flugplatz schon gedacht, sie sei lang und gerade, stellte die Clarholzer Straße von Beelen nach Herzebrock das locker in den Schatten, oder auch nicht, es war nämlich verdammt sonnig und verdammt warm auf diesem Abschnitt.

Da tat es dann in Clarholz richtig gut, eine kleine Pause unter der Dorflinde einzulegen. Dabei konnte ich dann auch noch diesen wunderschönen Mercedes ablichten, während das Brautpaar gerade in der Kirche war.

Die Eurobahn zuckelt noch mit ihrem Talent in Richtung Münster, also dorthin, wo ich herkam, dann konnte ich die Gleise und die Straße überqueren und weiter fahren. Clarholz ist auf jeden Fall ein netter, kleiner Ort mit viel Charme.

…und dem unvermeidlichen schlechten Frisörnamen-Horror 😉

Als jemand, der zum einen täglich mit dem Internet zu tun hat und zum anderen gerne fotografiert, ist das Wort „Pixel“ natürlich kein unbekanntes. Umso mehr musste ich schmunzeln, als ich dann plötzlich mitten hindurch geradelt bin, durch den einen Pixel 😉 .

In Pixel hat man aber durchaus Sinn für Humor und Kreativität, dieses Heuballen-Geflügel stand wenige Meter hinter dem Ortsschild auf einem Feld. Hat was.

Die letzten Kilometer bis nach Osnabrück kam ich ebenfalls gut voran. Ob dieser Hinweis hier auf den kommenden Winter hinweist oder doch nur eine Bitte ist, langsam zu fahren mag jede und jeder selbst interpretieren, sinnvoll ist sicher beides.

Schon aus der Entfernung ist der Wasserturm in Gütersloh zu sehen, mittlerweile außer Betrieb genommen steht er unter Denkmalschutz und ist Wahrzeichen der Stadt.

Die Tour begann mit einer alten Lokomotive, sie endet auch mit einer. Während ich am Bahnhof in Gütersloh auf meine Rückfahrt wartete, rauscht auf einem Nachbargleis diese schöne Baureihe 218 der Eisenbahn-Betriebsgesellschaft Neckar-Schwarzwald-Alb mbH vorbei. Baujahr 1971. Es ging leider nur ein Notschuss quer durch den Bahnhof, aber die Lok fand ich einfach zu schön um sie „unfotografiert“ ziehen zu lassen 😉 .

Und das soll es dann auch wieder gewesen sein. Wie immer hoffe ich, es hat euch gefallen. Ich habe noch einen Relive Clip für euch und wie immer gilt, wenn ihr irgendwelche Fragen habt, immer her damit.

Jetzt steht der Juli an, damit geht es dann im nächsten Blogbeitrag weiter. Gebt Acht auf euch und eure Mitmenschen und bleibt gesund und munter.

Euer Martin

 

 

 

 

4 comments

  1. Der Flugplatz in Telgte: das weckt Erinnerungen. Als Studentin habe ich in Handorf gewohnt, und mein Patenonkel war Fluglehrer am Egelsberg und schenkte mir immer Rundflüge zum Geburtstag. Bei irgendeinem Wettbewerb war er mit seinen Schülern in Telgte vor Ort und lud mich, meinem Mann und meine Cousine, die bei uns zu Besuch war, zu einem Rundflug ein. Beim ersten Luftloch schrie meine Cousine – sofort landete er wieder. Gott sei Dank startete er dann aber ohne sie erneut, und es war toll, die damals noch neue Heimat von oben zu sehen.

  2. Hallo Martin,
    wieder ein toller Beitrag.
    Zur Bundeswehr und allgemein zu Waffen habe ich ein sehr schwieriges und kontroverses Verhältnis.
    Ich bin immer noch froh, dass meine beiden Jungs das Glück hatten, nicht zur Bundeswehr zu müssen. Sie wären dort hin gegangen, nur um die längere Zeit des Zivildienstes zu umgehen. Mich hätte das überhaupt nicht glücklich gemacht.
    Ich habe da immer automatisch den Liedtext von Reinert Mai „Nein, meine Söhne geb ich nicht“ im Kopf.
    Ich finde auch immer noch den Spruch gut „Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin!“:
    Das wäre einfach zu schön um wahr zu sein!
    Die Realität von heute sieht anders aus und macht es leider nötig mal eben 100 Milliarden Euro für Bomben und Co auszugeben. Mir wird da persöhnlich aber immer noch schlecht. Wir sitzen da in der Zwickmühle!
    Inzwischen sind meine beiden Jungs bei der Berufsfeuerwehr gelandet. Was mich persöhnlich richtig glücklich macht. Es ist für mich genau der Gegenpart zur Bundeswehr!
    Es ist einfach einzige Schizophrenie, weil ich natürlich weiß das wir ohne diesen Bombenwahnsinn nicht weiter kommen, solange es Putins auf der Welt gibt.
    Ich könnte dabei verrückt werden, wie blöd die Menschheit ist!

    Liebe Grüße und schönen Sonntag.
    Dagmar

    1. Dank Dir, genau, eigentlich haben wir gar keine Zeit für einen Krieg, die Menschheit hat ganz andere Probleme. Aber, man sieht halt, seit der Nummer mit Kain und Abel….wir sind wohl so. Und ich bin sehr froh, dass meine Kameradinnen und Kameraden die für unseren Schutz ihren Kopf hinhalten das jetzt in naher Zukunft endlich mit einem adäquaten Ausrüstungsportfolio tun können.

      LG Martin

  3. Hallo Martin,
    da gebe ich dir völlig recht, dass angesichts der heutigen bescheuerten Lage, die Sodaten dann wenigstens gut ausgerüstet sind, um solche Weicheier wie mich zu beschützen.
    Es ist zum Mäusemelken, dass das nötig geworden ist.
    Liebe Grüße
    Dagmar

Kommentar verfassen