Große Kunst und alte Zechen – von Dorsten nach Essen

Hallo zusammen,

es ist wieder Zeit für eine Radtour und einen Blogbeitrag. Ich bin immer noch im Mai, aber immerhin schon mal in der zweiten Hälfte ;). Wenn ihr mögt nehme ich euch wieder mit, virtuell, digital, unbezahlt und unbeauftragt. Dieses Mal ging es mal wieder mit dem Zug zum Startpunkt, und am Ende auch mit dem Zug wieder zurück. Von Dorsten nach Essen bin ich geradelt und habe dabei eine Menge spannende Dinge gesehen. Mögt ihr mit? Dann macht es euch gemütlich und los geht es…

Ich werde immer wieder mal gefragt, wie ich mir die Ziele aussuche die ich anfahre oder wie ich auf die Ideen komme bestimmte Punkte und Orte zu besuchen. Pauschal kann ich das gar nicht sagen, im konkreten Fall war es ein Radiobericht. Wahrscheinlich war es WDR 5, ein Sender den ich ganz gern höre. Es ging um die ehemalige Zeche Westerholt und eine Kunstausstellung in deren Ruinen, unter anderem mit Streetart. Und damit hatten sie mich, ihr wisst ja, stehe ich drauf. Also habe ich eine Route geplant, mich in den Zug gesetzt und war an einem Samstag Morgen um kurz nach 8 Uhr in Dorsten am Bahnhof.

An der Lippe entlang ging es erstmal in Richtung Westen.

Es war zwar bewölkt aber trocken und angenehm zu fahren. Am Fluss entlang auf einem geschotterten Weg war das wirklich klasse.

Parallel zur Lippe verläuft der Wesel-Datteln Kanal. Ein wichtiger Transportweg der Region.

Das erste Ziel der Tour war Marl. Über gute Radwege und oftmals durch viel Grün ging es also in Richtung der ehemaligen Zechenstadt Marl. Als Duisburger fühle ich mich ja bei Trafohäuschen die so bemalt sind direkt willkommen.

In Marl angekommen bin ich um den City-See gefahren, der liegt, wer hätte es gedacht, mitten in der City und drum herum findet man ein wenig Kunst, zum Beispiel dieses, sehr bekannte, Kunstwerk von Carl Fredrik Reuterswärd. Es trägt den Titel „Non Violence“ und steht, unter anderem, auch vor der UN in New York.

Ich wurde von einigen Gänsen kritisch beäugt, konnte aber trotzdem weiter fahren. Es gibt ja durchaus auch aggressivere Gänsezeitgenossen 😉 .

Aber man ist wohl generell Fremden in Marl recht aufgeschlossen gegenüber, das schließt auch die Gänse mit ein 😉 .

Aus der Stadt raus ging es über Land weiter zum Flugplatz Marl-Lohmühle. Der Platz liegt genau zwischen Ruhrgebiet und Münsterland und wurde überregional sicherlich durch den Tod des Politikers Möllemann bekannt. Bei meiner Tour indes war nicht viel los, dafür war es sicherlich noch zu früh am Tag.

Auf dem Hof machten sich ein paar Menschen warm um wenig später, mit Fallschirmen, aus diesem Flieger zu springen 😉 . Ich bin dann aber weiter gefahren, ich wollte schließlich Kunst gucken.

Zwei ikonische Wassertürme sind von weitem sichtbar, als ich auf den Ort Scherlebeck zugefahren bin. Die beiden Türme stehen unter Denkmalschutz, sind aber noch voll im Betrieb. Trinkwasser wird aus einem Stausee hinaufgepumpt und dann bei Bedarf ins Netz eingeleitet.

Die Radwege waren OK, oft an der Straßen entlang, aber meist mit baulicher Trennung, also, alles gut.

Gartendeko gab es auch zu sehen, meins wäre das jetzt zwar nicht unbedingt, aber jede und jeder wie sie oder er mag, nicht wahr?

Bis in die 1970er Jahre fuhr dieser Wagen auf den Gleisen der Vestischen Straßenbahn. Heute steht er vor der Konzernzentrale als Denkmal. 2014 haben ihn Azubis des Unternehmens aufwändig restauriert. Sieht wirklich klasse aus.

Und dann ging es hinein in die Bergbautradition. Die Zeche Schlägel und Eisen hat bis 2000 Steinkohle gefördert und ist heute ein Industriedenkmal und Eventlocation.

Eine kleine Parcour-Strecke mit witziger Streetart ist neben der Zeche zu finden…und ein Imbiss. Der hatte aber noch geschlossen bei meiner Ankunft.

Die nächste Station war dann auch das eigentlich Ziel der Tour. Die Zeche Westerholt. Enge 2008 wurde die Zeche stillgelegt, jetzt wird das Gelände bald anderweitig genutzt. Die Ausstellung von Kunst bot gleichzeitig die letzte Gelegenheit sich die alten Hallen und Räume anzusehen. Auf der Webseite des Festivals steht folgendes zu lesen:

Von 20. bis 29. Mai wird die Zeche Westerholt zum Zentrum urbaner Kunst: über 60 Künstler*innen der Sparten Streetart, Graffiti, Installation und Performance, aber auch Malerei und Grafik zeigen ihre Arbeiten beim RUbug-Festival.

Ich habe jede Menge Bilder gemacht, ein paar wollte ich euch hier mal zeigen. Ihr wisst ja, ich stehe auf diese Art der Kunst. Wobei es hier eben nicht nur um Streetart ging, sondern auch um Installationen oder Skulpturen. Auf jeden Fall war das eine tolle Aktion.

Sicherlich das größte Werk, das riesen Pac-Man Motiv auf einer Halle.

Es gab noch soviel mehr zu entdecken, aber das würde wohl das Posting sprengen. Ich bin auf jeden Fall echt froh, mir das angeschaut zu haben. Richtig cool.

Von einer Zeche ging es direkt zur nächsten. Zeche Hugo stand auf dem Plan. Ich habe mich an der markanten Halde Rungenberg orientiert, sie liegt direkt neben der ehemaligen Zeche und ist, dank ihrer markanten „Fernrohre“ gut zu erkennen. Diese beiden Installationen sind Scheinwerfer, die mit ihren Lichtkegeln die Halde zu einer Pyramide komplettieren.

Mitte April 2000 wurde das Bergwerk geschlossen. Heute steht noch ein Fördergerüst und es gibt noch einige Hallen zu entdecken. Vor einer der Ziegelsteinhallen steht auch ein alter Feuerwehrwagen. Es wirkt alles wie aus einer anderen Zeit.

Ganz spannend bei meiner Tour, eine Taiko-Gruppe spielte vor der Zeche auf. Seit kurzem, entdeckt durch ein fulminantes Konzert meiner Taiko-spielenden Kollegin, habe ich an dieser Art der Musik echt Gefallen gefunden. So war auch diese Darbietung ein echt Gewinn bei meiner Radtour.

Über die Hugo-Bahn, eine ehemalige Bahntrasse zur Zeche, ging es dann weiter in Richtung Gelsenkirchen Horst. Dabei kommt man auch an einem Denkmal für ein Grubenpferd vorbei. Bevor es motorisierte Abraumgefährte gab, wurden dafür unter Tage Pferde eingesetzt.

Die Region ist voll von kleineren und größeren Devotionalien aus der Bergbauzeit. Besonders häufig findet man Loren oder Schlägel und Eisen.

Jetzt war es nicht mehr weit bis zum Ende der Tour, in Essen wollte ich den Zug nach Hause nehmen. An Schloss Horst vorbei habe ich auf den Rhein-Herne Kanal zugehalten.

Kurz vor dem Rhein-Herne Kanal gab es die nächste Ex-Zeche, Nordstern. Ich bin Ruhrpott-Kind, ich liebe das, Zechen, Industrie, Bahntrasse. Das Ruhrgebiet ist einfach ein Eldorado an spannenden Dingen, die man entdecken kann. Herrlich.

Kurz vor dem Hauptbahnhof Essen habe ich, natürlich, noch den kleinen Schlenker zum Welterbe Zollverein gemacht. Bergbau und Montanindustrie, ihr wisst schon – stehe ich drauf 😉 .

Und das soll es dann auch schon wieder gewesen sein. Viel Industriekultur, geniale Kunst und eine schöne Radtour. Ich war auf jeden Fall zufrieden. Ich hoffe, euch hat die Tour und haben die Bilder gefallen. Einen kleinen Relive Clip habe ich natürlich auch noch.

Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, immer her damit. Ansonsten bleibt gesund, seid nett und freundlich zu eueren Mitmenschen und fahrt vorsichtig.

Bis zur nächsten Tour,
Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6 comments

  1. Schöne Bilder.
    Finde es immer gut, wenn alte Industriegebäude erhalten werden können und neue Nutzung durch Kunst erfahren.

    1. Hi, jap, finde ich auch. In diesem Fall ist es aber umgekehrt. Nach der Kunstaktion werden die Reste abgerissen und es entsteht Neues. Finde ich aber auch OK. Man muss sicher nicht jede ehemalige Zeche erhalten um einen Eindruck zu vermitteln. Hier habe ich mich aber sehr gefreut, sowohl das Gelände, als auch die Kunst nochmal sehen zu können.

      LG Martin

  2. Gut, dass Du ein paar Bilder schon auf Instagra
    m hattest – so haben wir die Ausstellung noch rechtzeitig sehen können.
    Und danke für die Anregungen.

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