Fachwerk, Alle Neune und eine zerstörte Brücke

Hallo zusammen,

an was denkt ihr, wenn ihr das Wort „Kegeltour“ hört? Richtig, alle Mann in den Billigflieger mach Malle und eine Woche Komasaufen. OK, ist vielleicht auch ein wenig vorurteilsbehaftet, aber im Prinzip…, na ihr wisst schon. Das sowas auch ganz anders geht wurde am vergangenen Wochenende bewiesen. Seit einiger Zeit bin ich Mitglied in einem kleinen, aber feinen Kegelclub. Mittleweile 14 Frau und Mann stark geht es uns in erster Linie um den „Spass an der Freud“, die „Strafen“ für Fehlwürfe oder verlorene Spiele sind ausgesprochen moderat und auch die Regelauslegung folgt der Maxime „Hauptsache alle kommen auf ihre Kosten“.

Trotzdem kommt natürlich im Laufe der Zeit ein wenig Geld zusammen, besonders auf Grund meiner herausragenden Kegelfähigkeiten ;), so dass wir uns für eine kleine Kegeltour entschieden haben. Die Wahl fiel auf Remagen und Linz am Rhein und es sollte eine Übernachtung geben. Unser Präsident hat sich ums Hotel gekümmert, vielen Dank dafür, und recht fix standen auch die Fahrgemeinschaften. Und so brachen also am Samstagvormittag 14 Leute auf nach Remagen. Ach ja, natürlich wurde ich für diesen Beitrag nicht bezahlt und es hat mich auch keiner beauftragt.  Das Hotel ist in Remagen Kripp, direkt am Rhein. Nach dem Bezug der Zimmer ging es dann auch schon los. Die knappe 700 Meter bis zum Fähranleger waren schnell erledigt und fast zeitgleich mit uns machte auch die Fähre fest.

Für mich als gebürtigen Duisburger ganz spannend, das Schiff wurde mal als Linz-Remagen ausgeliefert und zwar von der Meidericher Schiffswerft. Was habe ich als Kind auf diesem Gelände herumgespielt. Nun, nachdem schon zwei „St. Johannes“ Fähren verkauft wurden, eine nach Daressalam und eine an den Nord-Ostseekanal gibt es jetzt wieder zwei Schiffe an dieser Stelle, das neuere Schiff heißt wieder Linz-Remagen und die alte Linz-Remagen heißt jetzt eben St. Johannes. Verrückt, Hauptsache das Unternehmen weiß noch, was welches Schiff wann ist ;). Unser Fährschiff hat uns auf jeden Fall sicher über den Rhein gebracht und so standen wir also in Linz am Rhein. Den Beinamen „Bunte Stadt“ trägt Linz zu Recht, es gibt unglaublich viele, toll erhaltene oder restaurierte Fachwerkhäuser.

Überhaupt ist die Stadt sehr farbenfroh. Neben vielen kleinen Geschäften, Cafés und Restaurants finden sich auch immer wieder Blumen. An Laternen, in Kübeln, in Töpfen an Balkonen, überall blühte es. Bei dem absolut perfekten Wetter am vergangenen Wochenende wirklich was fürs Auge.

Das das Wetter, und vor allem die Natur, auch ganz anders kann, sieht man, wenn man sich die Zeit nimmt und ein wenig genauer hinschaut. An vielen Stellen im Ort finden sich Hochwassermarken. Direkt vorne am Rheintor gleich etliche davon. Das ist das schon erschreckend und faszinierend zugleich, wenn man einen Blick zurück auf den Fluss wirft und sich dann versucht vorzustellen, wie hoch das Wasser hier stand.

Das Hochwasser war und ist übrigens auch verkehrstechnisch immer wieder eine Herausforderung. Während man die Bundesstraße ab einem gewissen Pegel, also Wasser meine ich, nicht mehr befahren kann, hat man aus dem ständig absaufenden Bahndamm gelernt und die Eisenbahn auf Stelzen verlegt. Die Züge können also auch bei Hochwasser weiterfahren. Sehr zur Freude der Anwohner, beim einen oder anderen Güterzug dachte ich dann auch, er fährt, rein akustisch, direkt durch das Café in dem wir siaßen.

Einen Spaziergang durch Linz kann ich Euch nur empfehlen, es gibt unzählige spannende Details zu entdecken. Nicht nur die Hochwassermarken, wie gesagt, auch die Häuser sind sehenswert. Auch der Buttermarkt lohnt einen Blick. Über Generationen boten dort Marktfrauen Waren aus dem Umland feil, 1986 wurde in der Mitte des ehemaligen Buttermarktes eine Skulptur errichtet, die an diese Frauen erinnern soll. Drumherum gibt es ein paar Bänke und eine kleine Wasserinstallation. Wirklich sehenswert.

Vielleicht kein altes Detail, aber offenbar waren vor uns schon mal Fans von Borussia Mönchengladbach in Linz 😉 Zumindest haben sie sich mit einem Aufkleber verewigt. Ob man das jetzt genauso hübsch findet die der nette Platz auf dem Buttermarkt muss jeder selbst entscheiden 😉

Deutlich filigraner sind da schon die gemalten Sprüche auf so mancher Hausfassade. Wie gesagt, das Fachwerk macht eine Menge her, wenn dann noch Sinnsprüche drinstehen. Ihr merkt schon, mir hat es in Linz wirklich gefallen, da war ich sicher nicht zum letzten Mal.

Mit einem Blick auf die Kirche St. Martin, große Teile von ihr stammen immerhin aus dem Jahr 1206, ging es dann langsam wieder hinab in Richtung Rhein. Für den Abend hatten wir nämlich direkt in unserem Hotel auch eine Kegelbahn reserviert, wenn man schon auf Kegeltour ist ;).

Genau wie auf der Hinfahrt brachte uns wieder die St. Johannes sicher über den Rhein. Dieses Mal mussten wir ein paar Minuten warten, Gelegenheit sich ein wenig an der Rheinpromenade umzuschauen. Auch hier gab es wieder viele Blumen zu sehen, dieses Mal sogar mit maritimen Touch 😉

Nach der Überfahrt waren wir froh, dass wir keinen Angler mit häßlichem Hut gesehen haben, die sind in Kripp nämlich offenbar verboten. Stattdessen tauschten wir unsere Plätze an Bord mit einer Gruppe Radfahrer und machten uns dann auf den Weg zurück ins Hotel.

Ein paar Minuten ausruhen und dann ab auf die Kegelbahn. Was soll ich sagen, die Bahn war super, das Essen war super, die Mädels vom Service waren fix und charmant…allein besser gekegelt habe ich auch über 100 Kilometer von zu Hause weg nicht. Insofern gab es zwar an diesem Abend einige „Alle Neune“ Rufe…aber sie galten nie mir 😉

Fahren, laufen, essen, kegeln….und dann ab ins Bett, wir wollten ja Sonntag Morgen zeitig los. Nach einem leckeren Frühstück stand dann der Aufbruch auf dem Programm. Das nächste Ziel sollte die Brücke von Remagen sein, oder das, was davon noch übrig ist. Es war kalt am Sonntag Morgen, kalt aber klar.

Die knappen 3 Kilometer bis zum Brückenmuseum Remagen waren ein Katzensprung und so standen wir wenig später vor den Überresten der einst so wichtigen Eisenbahnbrücke.

Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert

Das Zitat von General Eisenhower zeigt, welche Relevanz die „Brücke von Remagen“, die eigentlich Ludendorff-Brücke hieß, im Zweiten Weltkrieg hatte. Nach einem missglückten Sprengversuch der Wehrmacht konnten die Alliierten auf ihr den Rhein überqueren und einen Brückenkopf etablieren. Wäre die Sprengung geglückt hätte der Krieg sicher länger gedauert. Mit dem heutigen Wissen um die Atombombe im Hinterkopf, umso glücklicher kann man sich schätzen, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist.

Trotz etlicher Versuche der Wehrmacht die Brücke doch noch zu zerstören, Kampftaucher und sogar V2 Raketen wurden eingesetzt, hielt sie lange stand, bevor sie dann am 17. März 1945 doch einstürzte und 32 amerikanische Pioniere mit in den Tod riss.

Heute befindet sich im Brückenkopf auf der Remagener Seite ein Museum, ein Besuch dort lohnt auf jeden Fall, es hat nämlich nicht nur die Brücke zum Thema, sondern auch das nahegelegene Kriegsgefangenenlager. Gerade in der heutigen Zeit kann es nicht schaden, sich anzuschauen, wohin es führt, wenn wir nicht aus der Geschichte lernen.

Zeiten ändern sich. Damals heftig umkämpft sind die Brückenköpfe heute ein Touristenziel und werden sicher auch auf dem vorbeiziehenden Kreuzfahrer MS Prinses Christina erklärt und gezeigt worden sein.

Zum Ausklang dieser wirklich schönen zwei Tage haben wir uns dann noch ein nettes Café direkt am Rhein gesucht und einfach ein bisschen die Aussicht genossen. Eine wirklich runde Sache. Vom Ufer aus hatten wir einen schönen Blick auf die Apollinariskirche auf einem Hügel bei Remagen, ein weiteres Ziel, welches ich mir für einen Folgebesuch auf die Liste geschrieben habe.

Zusammen mit einem Geschwader Möwen genossen wir noch ein bisschen die Sonne, bevor wir die Heimreise antraten. Mein Fazit meiner ersten Kegeltour: Nette Menschen, bestes Wetter, zwei tolle und interessante Städte, es hat sich gelohnt. Und ich werde mir auf jeden Fall das Rheintal nochmal genauer vornehmen, außer dem Drachenfels bin ich da nämlich erschreckend unbeleckt.

Ich hoffe, es hat Euch gefallen, vielleicht war ja die ein oder andere Anregung dabei, würde mich freuen.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

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