Es gibt kein schlechtes Wetter – die Tour zur Zeche Zollverein

Hallo zusammen,

als meine Mutter mich vor einiger Zeit gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr und einigen Freunden und Gästen aus Schweden zur Zeche Zollverein in Essen zu radeln, stimmte ich sofort zu. Zum einen, Asche auf mein Haupt, war ich tatsächlich noch nie auf Zollverein, zum anderen war meine Mum längere Zeit nicht im Lande und ich freute mich drauf, zusammen zu radeln. Soweit der Plan.

Als ich heute Morgen aus dem Fenster blicke und mich fertig gemacht habe, glaubte ich immer weniger, dass das so eine gute Idee war. Hier in Krefeld regnete es in Strömen, auch unterwegs nach Duisburg, das allerdings noch mit dem Auto, kamen die Scheibenwischer kaum nach. In Duisburg angekommen meinten alle „Das wird schon, das Wetter wird gleich besser.“ Nun ja…

Los ging es also, Regenjacke sei Dank. Erst kurz nach Duisburg Fahrn, Freunde und die Gäste aus Schweden einsammeln und dann straight in Richtung Oberhausen. Zwischendurch wechselte das Wetter zwischen Nieselregen und viel Nieselregen, aber die Stimmung war super und so nervte der Regen nicht so sehr, wie er es sicherlich getan hätte, hätte ich allein im Sattel gesessen. Ein Stückchen am Neubau der Betuweroute vorbei ging es dann direkt runter an den Rhein-Herne Kanal. Sagte ich schon, dass das Wetter etwas, sagen wir, trostlos war 😉 ?

Selbst an sich so farbenfrohe Objekte wie die Slinky Springs To Fame Brücke kamen ein wenig kraftlos daher…

Aber, und das ist ja das Wichtigste, es wurde gelacht und sich gut unterhalten. Immer wieder wurde das Ruhrgebiet, der Strukturwandel und die hohe Dichte an Kunst und Kultur zum Thema. Vielleicht ist es ab und an mal ganz gut, sich Gäste aus dem Ausland zu holen um schätzen zu lernen, was wir hier in unserer Region eigentlich alles Tolles haben.

Apropos was wir Tolles haben. Habt ihr schon mal was vom BernePark gehört? Man lernt ja nie aus, ich nämlich nicht. Aus einer ehemaligen Kläranlage wurde dort ein netter, kleiner Park. Die zwei Klärbecken wurden zu einem „See“, welcher über den ehemaligen Abräumer begehbar wurde und zu einem Garten mit Amphitheatercharme. Was man so alles machen kann. Im Maschinenhaus kam ein Restaurant unter und über allem thronen einige Röhrenelemente, die als „Parkhotel“ mit einem Bett ausgestattet als buchbare Zimmer dienen. Buchungen für diese ungewöhnliche Location sind aber erst wieder ab Mai möglich…aber das ist ja nicht mehr lang. Für uns war der Park die erste Rast, nicht zuletzt deshalb, weil es dort ein Dach gab.

Nach der Pause ging es wieder hinaus in den Regen und weiter in Richtung Essen. Ziemlich nass, aber nach wie vor bester Laune kamen wir dann um kurz vor 12 Uhr in der Zeche Zollverein an. Wir wollten im Café und Restaurant Kokerei Zollverein einen Happen essen und uns trockenlegen. Wir waren knappe 10 Minuten zu früh am Start und so wurden die Toiletten zum Hotspot, im wahrsten Wortsinne, dort gab es nämlich einen Heizung ;). Ein paar Minuten vor Zwölf durften wir dann rein und haben es uns an einem der rustikalen Tische bequem gemacht, der Blick auf das Industriedenkmal hat was.

Der Blick auf das bestellte Essen allerdings auch. Feinste Currywurst mit Süßkartoffelpommes gab es. Und was soll ich sagen, es war super lecker. Und das lag nicht nur daran, weil es warm war und wir trocken saßen, es war wirklich lecker. Auch die Idee, das Pottkultgericht, in Porzellanschälchen zu servieren, die der klassischen Pappe nachempfunden war, passte zum Ambiente.

Für 13.30 Uhr hatten wir eine Führung durch die Zeche Zollverein gebucht und so brachen wir um kurz nach Eins schon wieder auf um dem Weg von der Kokerei rüber zur Kohlenwäsche anzutreten. Nach einem kurzen Fußmarsch ging es dann die 24 Meter hoch zum Eingangsbereich des Ruhrmuseums und der Kohlenwäsche.

Nochmal aufwärmen, dann kam auch schon unsere Führerin, deren Namen ich leider schon wieder vergessen habe, was eine Schande ist, sie war nämlich wirklich klasse. Charmant, witzig und mit unglaublich viel Fachwissen führte sie uns durch die Gebäude und über den Ehrenhof.

Sehr angenehm fand ich dabei den Schwerpunkt immer wieder auf die Arbeiter und die Arbeitsbedingungen zu legen. Ein paar Jahreszahlen gab es zwar zu hören, aber es war kein dröger Vortrag, sondern es ging klar darum, auch die emotionale Seite anzusprechen. Das hat die Dame super gemacht. Wir sind quasi dem Weg der Kohle gefolgt und haben dabei unterschiedliche Stationen erklettert und entdeckt. Sehr gut finde ich auf Zollverein, dass man dort mit „dem Echten“, dem Modell und mit Medienanimationen arbeitet. Das hilft, wenn man versucht, sich die Umgebung dort nicht als Museum, sondern als Arbeitsplatz vorzustellen.

Das mit den Medienanimationen wird besonders dann deutlich, wenn Inhalte direkt auf die entsprechenden Exponate geworfen werden, wie hier bei der Siebtrommel in der Kohlenwäsche.

Ziemlich gut gemacht. Zu großer Heiterkeit führte die Aufforderung an ein 10-jähriges Mädchen, mit diesem Telefon doch mal die 110 zu wählen, tja, ist halt ne andere Generation…Wählscheiben hatte die Kleine noch nie gesehen 😉

Sicherlich, neben den Ausführungen, ein Highlight, das Dach der Kohlenwäschehalle. Etwas über 40 Meter hoch erstreckt sich der Blick bis….zum Rand des Dachs, wir hatten halt Niesel und Dunst ;). Im Ernst, selbst heute war der Blick ziemlich beeindruckend, bei klarem Wetter lohnt sich der Besuch sicher noch einen Tacken mehr.

Pünktlich zum Aufbruch zur Rückfahrt, fing es dann auch wieder an stärker zu regnen. Wenn Murphy im Spiel ist, gelingt eben alles.

Aber, was einen nicht umbringt, ihr wisst schon. Und nachdem wir gerade von den 10 Stunden Schichten an der Sortieranlage oder Unter Tage mit dem sauschweren Presslufthammer gehört hatten, erschien eine Rückfahrt durch ein ein bisschen Regen doch eher wie eine Wohltat. 

Der Einfachheit halber sind wir nahezu denselben Weg zurück gefahren wie wir ihn auf der Hinfahrt benutzt haben, von ein, zwei kleinen Schlenkern abgesehen. Die Gruppe hat mir wirklich viel Freude gemacht, die Laune hielt sich nämlich auch die Rückfahrt über, trotz schwerer werdender Beine und nicht besser werdendem Wetter. Eine kurze Pause haben wir dann unter einer A42 Brücke eingelegt, dort sind wir auf eine Schafherde getroffen, eine besondere Herde. Die Schafe sind alle aus Beton. Eine Grundschulklasse aus Bottrop, nämlich die der Schillergrundschule, hatte 2013 Schafe in einem Workshop gebastelt, welche dann lebensgroß vergrößert, aus Beton gegossen und aufgestellt wurden. Coole Sache.

Die letzten Kilometer waren dann nur noch ein Katzensprung. Nach der Überquerung der „Kleinen Emscher“ haben wir uns dann an der Skagerrak-Straße von unseren Begleitern verabschiedet und die letzten 5 Kilometer unter die Reifen genommen. Nach knappen 60 Kilometern waren wir wieder zurück. Dann hieß es noch, die Räder putzen, bevor der Schlamm eintrocknet.

Und damit ging eine wundervolle Tour, mit leckerem Essen, supernetten und spannenden Menschen, einer tollen und informativen Führung und in der Rückschau gar nicht mal so beschissenem Wetter, zu Ende ;). Mir hat es eine Menge Spaß gemacht. Falls ihr die Tour mal nachradeln wollt, ich habe die GPS Koordinaten angehangen, könnt ihr euch runterladen und nach Belieben den Startpunkt ändern und außerdem gibt es auch wieder einen Relive Clip.

GPS Daten

Wie immer hoffe ich, es hat Euch gefallen und ich konnte Euch ein bisschen mitnehmen 😉

Euer Martin

 

2 Gedanken zu „Es gibt kein schlechtes Wetter – die Tour zur Zeche Zollverein

  1. Super beschrieben Martin, ich war im Geist mit auf dem Rad und Besichtigung auf der Zeche Zollverein.Näheres werden mir Gerd und Leni mir bestimmt bei meiner nächsten Radtour erzählen.👍

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