Ein toller Radweg, Zechen, Fassaden und eine besondere letzte Ruhe – Von Krefeld nach Gelsenkirchen

Hallo zusammen und Glück Auf!

Am Rosenmontag war das Wetter super, Karneval war eh abgesagt, also, beste Voraussetzungen für eine Radtour. Ich hatte mal wieder Lust aufs Ruhrgebiet und so führte mich die heutige Tour, unbezahlt und unbeauftragt, von Krefeld nach Gelsenkirchen. Los ging es vor der Haustür.

Ich bin immer wieder beeindruckt davon, wie schön Krefeld eigentlich ist. Schaut euch mal diese Häuserfassade an, das ist doch wirklich toll. Wenn man weniger Zeit drauf verschwenden würde die eigene Stadt schlecht zu reden, könnte man sie vielleicht viel mehr wertschätzen und genießen. Ich lebe auf jeden Fall gern hier.

Als erstes führte mich mein Weg in Richtung Niepkuhlen. Das ist ein langgezogenes Naturschutzgebiet rund um einen Altrheinarm. In weiten Teilen kann man daran entlangradeln, hier in Krefeld auf einem schönen Radweg.

Die Elfrather Mühle als markante Landmarke war der nächste Fotostopp. 1823 gebaut findet sich heute in ihr ein Restaurant und das Clubhaus des örtlichen Golfclubs. Kann man mal machen, auf jeden Fall ein tolles Motiv.

Ganz in der Nähe liegt der Elfrather See, die ehemalige Kiesgrube zum Bau der Autobahn A57 wird mittlerweile von etlichen Wassersportfans genutzt. Wenn alles klappt wie geplant, kommen bald noch ein paar Menschen auf Surfbrettern dazu, es gibt ein ganz cooles Surfpark-Projekt. Mal sehen wie es wird.

Bei bestem Wetter und guter Laune ging es nach Rumeln weiter. Dort gibt es eine kleine „Bergbau-Info-Installation“ 😉 . Finde ich ziemlich cool. Die nachfolgenden Generationen können mit Begriffen wie Flöz, Grubenwetter oder Abteufen vielleicht bald nichts mehr anfangen, ich hab das noch in der Schule gelernt. Kinners, man wird nich jünger 😉 .

Ganz in der Nähe befindet sich auch der Toeppersee, die Geschichte ist der des Elfrather Sees ganz ähnlich, er wurde auch durch Kiesabbau geschaffen. Beim Blick über den See fällt der Wasserturm in Duisburg Bergheim ins Auge. Seit 1996 ist er allerdings nicht mehr in Betrieb.

Kurze Zeit später stand ich dann an der Rheinbrücke in Rheinhausen. Man muss dort als Radelnder eigentlich absteigen, weil das Geländer nicht hoch genug ist. Ich mache das natürlich immer…. *hüstel*, allerdings kamen mir alle anderen radelnd entgegen….scheint also trotzdem zu klappen 😉 .

Von dort hat meinen schönen Blick über den Rhein und den Rheinpark. Letzterer ist ein ehemaliges Schwerindustrieareal, welches heute für die Naherholung und Sport genutzt wird.

Während unter mir das Kranschiff „Widder“ hindurch tuckerte, wurde die Brücke von einem Kesselzug gequert. Ein tolles Gefühl, wenn die ganze Brücke vibriert und schwingt, wenn der Zug darüber fährt.


Auf der anderen Rheinseite habe ich mir dann den Rheinpark mal wieder etwas genauer angeschaut. Ihr wisst ja, ich habe ein Faible für Streetart. Auf dem Gelände stehen noch einige Wände und Strukturen der alten Industrieanlagen, diese werden recht regelmäßig von Streetart geziert. Zeus zum Beispiel, oder eine Diesellokomotive…

Der lange Gang aus Beton, versehen mit unzähligen Graffiti und Tags steht in einem krassen Kontrast zu den vielen jungen Bäumen die auf dem Gelände gepflanzt wurden.

Von dort aus wurde es dann man kurz echtes „Großstadtradeln“. Auf dem Weg in Richtung Duisburger Wald ging es über den vielbefahrenen Sternbuschweg weiter.

An der Universität vorbei führte mich meine Route an die Lotharstrasse, unter Eisenbahnfans ein beliebter Treffpunkt. Vorbei an einem bemalten Trafohäuschen ging es zur Fotostelle.

Dort laufen einige Güterzug-Gleise vorbei und man kann ganz wunderbar „Züge gucken“. Ich habe dort einen niederländischen Vater mit seinem völlig eisenbahnverrückten Sohn getroffen. Ich kann so grob die meisten Lokomotiven auseinanderhalten, der Junge wusste wann welcher Zug von wo nach wo fährt und wie alt der Lokführer ist 😉 . Bei dieser „Ludmilla“ waren wir uns allerdings schnell einig, zu charakteristisch ist die Lichtraumform dieser Ukrainerin. Diese Lokomotive wurde 1975 in Luhansk gebaut und zieht aktuell schwere Güterzüge durch Deutschland.

Nach ein bisschen Smaltalk und Erfahrungsaustausch ging es wieder aufs Rad und hinein in der Duisburger Stadtwald. Über die Brücke die man auf dem Ludmilla-Foto im Hintergrund sieht führte mich mein Weg über die Gleise und die daneben befindliche Autobahn hinein in den Wald.

Quer durch den Wald radelnd stand Mülheim auf dem Plan. Dort beginnt aktuell der RS1, der Radschnellweg 1. Ein wirklich toller, sehr gut ausgebauter Radweg, der irgendwann mal von Duisburg nach Hamm führen soll. Ich bin ihn von Mülheim bis kurz vor Essen gefahren, was soll ich sagen, ich mag diesen Weg sehr.

Über die Ruhr führt die Strecke auf einer ehemaligen Eisenbahnbrücke, wie so viele Strecken im Revier. Hier ist sie allerdings richtig breit und top ausgebaut.

Überhaupt, die Eisenbahn. In weiten Teilen läuft die Bahnstrecke von Mülheim nach Essen parallel zum Radweg.

Herrlich. Keine Autos, entspannte Menschen auf Fahrrädern, es ist sicher nicht das Paradies, aber aus Radelnden Sicht ist es schon arg nah dran 😉 .

Der Radweg führt über die „Rheinische Bahn“, dabei radelt man auch wunderbar über den Niederfeldsee. Ein kleiner, künstlicher See, an dem das umliegende Wohnquartier aufwändig saniert worden ist.

Den Radweg verlassen habe ich am Krupp-Park, wenige Kilometer hinter dem See. Für mich ging es dann in Richtung Norden weiter. Dabei habe ich auch die neue Brücke des Radweges unterquert. Der Lückenschluss war überfällig und macht das Radeln auf gleichbleibendem Niveau möglich, ohne das man eine Kreuzung mittels Ampelanlage überqueren muss….und schön bunt ist die Brücke auch noch.

Am Fördergerüst der Zeche Vereinigte Helene & Amalie vorbei führte mich meine Radtour in Richtung Altenessen und schließlich Gelsenkirchen.

Ein Blick nach oben zeigte einen A380 von Emirates auf dem Weg nach London. Was für ein tolles Wetter.

In Richtung Rhein-Herne Kanal und Emscher bin ich wieder über Radwege gefahren, die früher mal Bahnstrecken waren, wie so oft im Revier, einfach herrlich. Nach der Querung von Kanal und Emscher bin ich in Richtung Osten weiter gefahren, Gelsenkirchen Horst war das Ziel.

Lokalkolorit 😉

Der Förderturm über Schacht 1 der Zeche Nordstern prägt das Bild, während ich auf Horst zu radel.

Friedhöfe sind ja immer irgendwie, hm, bedrückend? Na ja, zumindest muss man sich dort entweder mit der eigenen Vergänglichkeit auseinandersetzen oder trauert um einen lieben Angehörigen oder Freund. Auf dem Friedhof Beckhausen-Sutum ist das sicher nicht anders….obwohl, ein bisschen vielleicht schon. Ob man beim Besuch dort leise das Steigerlied singt oder einen Fangesang anstimmt? Auf jeden Fall gibt es dort, tatsächlich mit „Blick“ auf das Stadion des FC Schalke 04, das sogenannte Fan-Feld. Die Gräber sind in Stadionform rund um das Vereinslogo angeordnet. Nicht mein Verein, aber hier geht die Liebe über den Tod hinaus – Glück Auf!

Von dort aus ging es zurück zu den Lebenden und in Richtung Gelsenkirchen Hauptbahnhof. Dabei bin ich an einer Brücke in der Nähe des Zoos vorbeigekommen. Dort ziert ein riesiges Kunstwerk die komplette Brücke. Richtig starke Motive, ein Verlauf, von Industrie zum Dschungel. Echt toll. Die Arbeit ist von Sponk, schaut euch mal die Website an, wenn ihr mögt. HIER

Und das war es. Ein paar Meter weiter stand ich am Hauptbahnhof und bin zurück nach Hause gedüst. Wie so oft habe ich einen Relive Clip für euch und hoffe, euch hat der Beitrag gefallen.

Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, immer her damit. Bleibt bitte gesund, achtet auf euch und eure Mitmenschen, helft da wo ihr es könnt und achtet ab und an auch mal auf euch selbst.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

5 comments

  1. Super Bericht wieder mit tollen Hintergrund-Informationen. Ich wohne direkt am RS1, unweit vom Niederfeldsee. Wir hatten vor einigen Jahren hier mal eine Aktiven-Gruppe, die Aktionen für den Weiterbau des RS1 auf Essener Stadtgebiet von der Uni gen Osten gemacht hat. Die Entscheidung des damaligen GroKo-Rates ist in unserm Sinne positiv ausgefallen (=Radweg separat von der Wohnbebauung führen) – aber bei Straßen.NRW und Bahn etc. tut sich nichts Positives. Im Gegenteil: Die Bahn hat 80 neue Leitungsmasten bis Kray Nord genau auf die zukünftige Trasse gesetzt. Ein Trauerspiel!!!

    1. Vielen Dank.

      Ja, die Nummer mit den Masten ging ja durch die Presse. Wir haben hier in Krefeld das Problem einer Brückensanierung und eines Bahnübergangs. Um unsere, wirkliche schöne, Promenade verbinden zu können brauchen wir eine Brücke der Bahn. Diese sollte eigentlich 2022 saniert werden, dann 2023 und jetzt wohl 2024. Und an einer viel befahrenen Straße in Richtung Anrath hat die Stadt einen wundervollen Radweg gebaut, lediglich unterbrochen durch einen Bahnübergang…daran kann die Stadt aber nichts ändern, das muss die Bahn machen….tut sie aber nicht. Manchmal ist es anstrengend 😉

      LG Martin

  2. Sehr toll. Wie kann man radfahren, tolle Fotos machen, die Hintergründe ermitteln und alles gut aufbereitet posten? Glückwunsch

    1. Besten Dank 😉 Für mich ist das ein Teil des Erlebnisses. Oftmals habe ich vorher schon bestimmte Orte recherchiert, die ich dann anfahre und wenn man danach die Fotos sichtet und Dinge nachschlägt, dann erlebt man die Tour irgendwie nochmal. 😉

      LG Martin

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