Herrliche Runde durch ein spannendes Belgien

Hallo zusammen,

immer wieder bin ich in Krefeld unterwegs und ich beginne langsam diese Stadt zu lieben, nicht trotz ihrer Makel, sondern deswegen ;). Sie stehen in einem so wunderbaren Kontrast zu den schönen, bunten und sehenswerten Ecken der Seidenstadt. Aber, und darum soll es heute gehen, manchmal zieht es mich dann auch woanders hin, neue Dinge entdecken. Durch Zufall, oder gut gemachtes Targeting von Facebook, las ich neulich eine Anzeige der Tourismusregion Limburg und von einer neuen Radfahrattraktion. „Radeln in den Bäumen“ hieß es da. Ich speicherte es im Hinterkopf ab und als sich dann am vergangenen Sonntag die Zeit bot, hab ich das Fahrrad aufs Auto gepackt und bin losgefahren. Ist es nicht herrlich in einem freien Europa zu leben, wo man einfach so über zwei Grenzen fährt und es kaum merkt, außer an der Beschaffenheit der Autobahnen 😉 ? Ganz in der Nähe der neuen Attraktion, eröffnet wurde das Ganze erst im Juni diesen Jahres, habe ich einen Wanderer-, Radler und Picknickparkplatz entdeckt und mein Fahrrad aufgerüstet. Dieses Mal hatte ich auch die Packtaschen dabei, ich wusste noch nicht genau, wie lange ich radel und so hatte ich genug Wasser und, ganz wichtig, Powerbanks fürs Navi und Strava dabei. Es ging also los…

Ähnlich wie in den Niederlanden findet man auch in Belgien ein sehr gutes Knotenpunktsystem was die Radwege angeht, ich hatte aber mit Komoot meinen eigenen Weg ausgeklügelt. Nun ja, ganz kurz nach dem Start war ich auch schon da. In der Nähe von Hechtel-Eksel, Airshowfans zucken schon mit der Augenbraue, dazu später mehr, befindet sich der Fahrradweg in die Bäume.

Es handelt sich im einen Doppelkreis, auf dem man, in 700 Meter Länge, auf etwa 10 Meter Höhe ansteigt und wieder auf Bodenniveau herabfährt. Schon irgendwie eine coole Sache. Da alles noch so neu ist, wirkt der Ring noch ein wenig wie ein Fremdkörper, ich denke aber, das gibt sich sehr schnell. Was mir auffiel, es war verdammt voll, jede Menge Radlerinnen und Radler, auch in größeren Tourpulks waren unterwegs.

Auf jeden Fall ein Erlebnis, wenn auch nicht so still, wie ich gedacht hatte ;). Still wurde es dann, je weiter ich mich vom Kreis entfernte. Ich hatte mir eine Route rausgesucht, die mich an, für mich interessanten, Stellen vorbeibringen sollte. Erstmal ging es aber noch ein gutes Stück durch den Wald und immer wieder über Lichtungen. Allen gemein war ein gut ausgebauter Radweg. Das „Bosland“ macht wirklich Spaß.

Durch die Natur, vorbei an vielen blühenden Sträuchern, Blumen und Bäumen ging es, immer hart an der Grenze zum Truppenübungsplatz, in Richtung Hechtel-Eksel.

Dort angekommen gab es eine kleine Kapelle und eine schöne Windmühle zu sehen. Hier wurde es auch wieder voller, viele Radfahrer machten hier Pause und zusätzlich schien irgendwie Sonntag in Belgien Wandertag gewesen zu sein. Unglaublich viele Menschen kamen mir zu Fuß entgegen, entweder allein, aber meist in größeren Gruppen, mit Wanderrucksäcken und, meistens, guter Laune.

Auf ganz gut ausgebauten Radwegen führte mich meine Routenplanung dann nach Kamert. Hier hatte ich mich am heimischen Rechner in der App Komoot wohl ein wenig vertan, die App hatte mir einen anderen Weg vorgeschlagen, auf den Satellitenbildern sah meine Variante aber spannender aus. Das war sie dann auch, bestand zu Anfang allerdings aus holprigen Waldboden, was mit dem Trekkingbike schon, na ja, geht so war, dann änderte sich der Untergrund aber zu hügeligem, losen Sand. Nun ja, meine Maxime ist ja, niemals umkehren, das sieht auf Strava blöd aus ;), also ging es weiter.

Das war dann schon recht anstrengend und vor allem die Bergabpassagen sicher auch nicht so ganz ungefährlich, aber, die ganze Ecke da war auch wirklich nett anzusehen, insofern hatte ich natürlich Recht, die Strecke so zu legen… *hüstel* 😉

Ich hatte, als ich von dem Radeln in den Bäumen Element gehört habe, geschaut, in welcher Region das liegt, sofort kamen mir Ortsnamen bekannt vor. Einmal im Jahr findet ganz in der Nähe eine große Airshow statt. Auf dem Gelände des Aeroclub Sanicole kriegt man dann eine Menge an zivilem und militärischem Fluggerät zu sehen. Wenn man an einem solchen Tag kommt, befinden sich tausende Menschen auf dem Gelände, alles ist organisiert und es vibriert das Leben rund um den kleinen Flugplatz. Ganz in der Nähe befindet sich der Militärflugplatz Kleine-Brogel, von dem starten an den Airshow Tagen auch die größeren Flugzeuge, da die Graspiste in Sanicole dafür nicht recht taugt. Mir war also klar, ich lege meine Route an Sanicole vorbei und schaue mir das Ganze mal an, wenn nichts los ist. Gesagt getan. Die lange, und ich meine lange, N73 entlang führte mich der Weg zum Platz.

Ganz unwirklich, dieses Areal mal so zu erleben, eine Robin aus Deutschland stand auf dem Vorfeld, ansonsten gab es nichts zu sehen oder zu hören. Das ist, an Airshowtagen, deutlich anders.

Einen letzten Blick auf die F-84F, welche als Ausstellungsstück, einem sogenannten Gate Guard, direkt hinter dem Zufahrtstor steht, habe ich noch geworfen, dann habe ich das 1957 gebaute Flugzeug hinter mir gelassen und bin weiter in Richtung Leopoldsburg gefahren.

Leopoldsburg war und ist eine Garnisonsstadt. An jeder Ecke entdeckt man das Militär, die Straße führt zwischen zwei großen Komplexen hindurch, hinter den Zäunen kann man allerlei Militärgerät entdecken. Naturgemäß war es an einem Sonntagnachmittag relativ ruhig. Ich habe dann den dortigen Soldatenfriedhof besucht und einen ganzen Moment lang innegehalten. Immer, wenn ich solche Orte besuche, bin ich zutiefst dankbar, dankbar jetzt schon so lange im Frieden leben zu können. Die Daten auf den vielen Grabsteinen weisen die Leute als 18, 19, 20 jährige aus, junge Menschen, deren Blut in der Erde steckt, über die ich heute so entspannt radeln kann. Ist es nicht herrlich, dass wir keine Grenzen haben, einfach so nach Belgien fahren können? Meiner Meinung nach mahnen uns solche Ort, heute inniger denn je, ein solch sinnloses sterben in Zukunft zu verhindern. Dringend.

Beringen heißt der Ort, der als nächstes auf meinem Plan stand. Dort gab es lange eine Miene und es wurde Kohle gefördert. Viel erinnert in dem Ort daran, neben einem Museum auch viele Namen von Geschäften oder Restaurants. Für mich als Radler sehr nett, es gibt einen schönen Radweg auf der Strecke einer ehemaligen Hafenbahn. Man radelt also von der Miene in Richtung Kohlehafen am Albert-Kanal.

Wirklich schön angelegt. Wenn man Strassen überqueren muss, gibt es immer große Stahlpoller, auf denen Kohlehafen oder Miene steht, je nachdem, in welcher Richtung man unterwegs ist. Ganz ähnlich wie bei der HOAG Trasse in Oberhausen zum Beispiel. Am Kanal angekommen währte der Genuss, jetzt mehrere Kilometer am Ufer entlang radeln zu können leider nur kurz, dort wurde gebaut und die Radler wurden umgeleitet.

Das allerdings sehr gut, es gab eine durchgehende Beschilderung, sowas sucht man in unseren Regionen ja doch meist vergebens, oft steht man einfach vor einer Sperrung und muss dann selbst sehen, wie man weiterkommt. Das war hier wirklich gut gelöst. Wenig später, an einer Abzweigung des Kanals traf mich das Umleitungspech gleich nochmal, aber auch hier war die Beschilderung wirklich klasse.

Zurück am Kanal gab es dann Schiffe und Möwen, Kanalflair eben ;). In Gervoort habe ich dann den Kanal verlassen und mich so langsam wieder in Richtung Startpunkt ausgerichtet.

Es ging durch Waldstücke, über Felder und zwischen Siedlungen und Baunerhöfen hindruch in Richtung Osten. Während ich im Wald unterwegs war, erreichte meine Ohren ein wohlvertrauter Klang, mit dem ich an einem Sonntag aber nie gerechnet hätte. Definitiv röhrte da ein Triebwerk eines Kampfjets. Recht nah, recht tief. Gut, Kleine Brogel, der Militärplatz ist in der Nähe, aber an einem Sonntag. Nun, vielleicht ein sogenannter „Scramble“, also ein Abfangen eines unautorisierten Flugzeuges im belgischen Luftraum? Auf der nächsten Lichtung suchte ich den Himmel ab und fand schließlich die F-16, die den Krach machte. Auch noch eine mit Sonderlackierung 😉

Leider weit weg und recht fix unterwegs, die „Bewaffnung“ schloss dann aber einen Scramble aus und als ich, wenig später, noch eine Viererformation am Himmel sah, dachte ich mir, die könnten auch aus Fairford kommen, dort fand an diesem Wochenende eine große Airshow statt. Wie auch immer, es war eine nette Abwechslung am Himmel. Wenn jemand weiß, warum die da so kräftig flogen, gern in die Kommentare.

Getränke hatte ich genug mit, aber irgendwie hatte ich nicht an was Essbares gedacht. Andererseits, ich war schließlich in Belgien, man wird ja wohl irgendwo Fritten kriegen, oder? Es dauerte aber recht lange, bis ich endlich an einer, recht unscheinbaren, Frituur vorbeikam. Die nette Dame hinter der Theke hat extra für mich die Fritteuse angeworfen und mir beste belgische Fritten kredenzt 😉 Herrlich.#

Derart gestärkt galt es die letzten Kilometer anzugehen ;). Ich habe auf dieser Runde wirklich einige schöne Ecken zu Gesicht bekommen, aber der Kanaal van Breverlo machte den Nachmittag dann rund. Ein wirklich schönes Fleckchen Erde. Ganz ruhig, ab und an mal ein Schiffchen, auf beiden Seiten Radwege, dazu viele Bäume. Einfach toll.

Und dann war die Tour auch schon rum, knappe 65 Kilometer waren es am Ende, nicht zu warm, nicht zu windig, wirklich einfach eine schöne Tour mit tollen Eindrücken. Ich habe mal wieder einen Relive Clip angehangen und hoffe, die Einblicke haben Euch gefallen. Wenn ihr Fragen habt, immer her damit.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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