Hallo zusammen,
nachdem es jetzt schon zwei „Nicht-Fahrrad“-Beiträge gegeben hat, wer möchte, kann sich HIER ein bisschen Schnee in Krefeld und HIER Kunst im Kunstpalast in Düsseldorf ansehen, soll es heute wieder aufs Fahrrad gehen. Wenn ihr mögt nehme ich euch, unbezahlt und unbeauftragt, mit auf eine kleine Tour durch die Region.
Vergangenen Sonntag versprach der Wetterbericht zumindest keinen Niederschlag. Also, Chance nutzen und rauf aufs Fahrrad. Die minus fünf Grad fühlten sich auch bei weitem nicht so schlimm an, wie unlängst an Heiligabend. Grund dafür war der fehlende Ostwind. Los ging es in Krefeld, direkt vorbei an unserem Kunstmuseum, dem Kaiser-Wilhelm-Museum.

Ein bisschen Schnee ist noch übriggeblieben vom heftigen Schneefall einige Tage zuvor, aber im Innenstadtbereich war das Radfahren problemlos möglich. Deshalb bin ich auch ganz gut vorangekommen und habe die tollen Fassaden im Süden der Stadt bewundert. Macht das mal, schaut euch in Krefeld mal die Häuser näher an, wie viele wunderschöne Fassaden darunter sind. Das hier ist zum Beispiel der Corneliusplatz.

Spannende Bewohner hat es da 😉

Ich hatte mir den Flughafen Mönchengladbach als Ziel meiner Radtour ausgesucht und so ging es dann aus der Stadt hinaus in Richtung Hückelsmay, hier wurde das Radfahren dann schon etwas herausfordernder. Der Schnee sollte im Laufe der Tour noch zu einem echten Problem werden, dazu aber später mehr.

An der Hückelsmay steht ein großes Denkmal, man ist schon etliche mal dran vorbei gefahren, ob mit dem Auto oder mit dem Rad, aber wisst ihr, warum es da steht? Es geht um eine große Schlacht 1758. Es ging um Herzöge, Franzosen und viel Blutvergießen. Wenn ihr da mehr Infos zu haben wollt, lest doch gern mal HIER rein.

Über die ehemalige Schluff-Bahntrasse bin ich dann, frei von nervigem Auto-Verkehr, in Richtung Mönchengladbach gefahren. Der Weg war auch ganz gut geräumt, zumindest bis auf Höhe der Denkmal-Lokomotive in Willich. Die alte Köf steht an der Ortseinfahrt und weißt recht eindrucksvoll auf die Vergangenheit des Radweges als Eisenbahnstrecke hin.

Auf der anderen Straßenseite sah der Radweg dann allerdings so aus, fahren ging, ich musste mich aber schon sehr konzentrieren und aufpassen. Unter der Schneeschicht gab es immer mal wieder kleinere Eisflächen.

Nun ja, ich hab mich bis zum Flughafen durchgeschlagen 😉 . Vor der dortigen Flugschule steht eine Fokker 27 als „Gateguard“. Der Begriff bezeichnet Flugzeuge die, meist an Zufahrten oder Eingangstoren, dauerhaft als Denkmal abgestellt sind, manchmal auch auf Sockeln. Die zweimotorige Propellermaschine in Mönchengladbach ist Baujahr 1969 und flog bei Korean Air, bei Icelandair, City Link und WDL, bevor sie ihren finale Parkposition hier auf einem Parkplatz eingenommen hat. Bewegte Geschichte, wenn der Flieger sprechen könnte, hätte er sicher eine Menge zu erzählen.

Als ich ankam erwachte der Flughafen gerade, die ersten Pilotinnen und Piloten holten Flugzeuge aus den Hallen und rollten zur Tankstelle.

Bei den Business-Jets tat sich allerdings nichts. Neben mir war noch eine Familie zum „Flugzeuge gucken“ da, ansonsten war es auf der „Landseite“ des Flughafens sehr ruhig. Es war allerdings auch, obwohl der Wind fehlte, recht frisch, wenn man nur dort stand und geguckt hat.


Eine TBM-960 beschleunigte auf der Startbahn, diese kleinen Kraftprotze haben einen ganz besonderen Klang. Mag ich sehr. Und gut aussehen tut die Maschine auch noch.

Mit einem letzten Blick auf die Hubschrauber der Heli-Flugschule „Heli NRW“ ging es dann auch so langsam weiter. Ich musste mich wieder bewegen, es wurde langsam echt kalt.


Vom Flughafen aus führte mich mein Weg dann an die Niers. Dort habe ich den Fluss überquert, allerdings schnöde mittel Brücke, sondern mit einer Schwebefähre. Mit eigener Muskelkraft kann man sich dort über das Gewässer ziehen. Schon irgendwie cool.

Obwohl ich durchaus kritisch beäugt wurde, hat es ganz gut geklappt. War allerdings mit dem kalten und etwas glitschigen Seil nicht ganz so einfach.

Mittlerweile war die Sonne rausgekommen und das radeln entlang der Niers war einfach traumhaft. Es knirschte wunderbar unter den Reifen und die frische Luft tief einatmen war wirklich ein Genuss. Auch wenn es kalt war.

Ich hatte es vorhin schon mal angesprochen, das Radfahren auf dem Schnee klappte zwar ganz gut, was ich aber nicht so wirklich bedacht habe, war die Tatsache, dass sich der feuchte Schnee ans Hinterrad und vor allem an und in die Ritzel und die Schaltung pappt.


Das führte dann irgendwann dazu, dass mir mit einem fiesen Geräusch die Kette vom vorderen Zahnkranz gesprungen ist. Der Fiesheitsbonus sind zwei Schrauben, die gegenüber des Kranzes verbaut sind – rutscht die Kette dahinter, muss man sie mühsam wieder rausfrickeln…wollt ihr mal raten? To make a long story short – ich habe ne gute Stunde im Schnee gehockt und mit kalten Fingern versucht die Kette aufzuziehen. War eher geht so 😉 . Mitten im Nirgendwo zwischen Süchteln und Grefrath. Hin und wieder fuhr mal jemand vorbei, ich wurde entweder lieb gefragt, ob ich Hilfe bräuchte oder ehrlich bemitleidet. Danke an dieser Stelle.

Sollten Menschen da neue Schimpfwörter gelernt haben, tut mir das leid 😉 . Na ja, auf jeden Fall hatte ich es dann irgendwann und konnte langsam weiter fahren. Die Kette knirschte böse und war auch komplett ohne Öl, meine Hände allerdings nicht. Nach dem ersten Waschgang bei einer Fastfood-Kette in der Nähe sah es etwa so aus.

Die Rückfahrt klappte dann aber wieder ganz gut, auch weil die Wege zum Großteil geräumt waren.

Kurz vor Krefeld habe ich dann noch ein bisschen Eisenbahnen geguckt und mich über ein neues Wandgemälde an der Bahnstrecke grefreut.


Eigentlich wollte ich eine wirklich große Tour machen, aber nach der Ketten-Aktion und der Tatsache, dass die Sonne immer mehr verschwand, habe ich mich dann doch für die Heimfahrt entschieden. Immerhin waren es am Ende gute 50 Kilometer.

Ich hoffe, der kurze Einblick in die Tour hat euch gefallen. Wenn ihr Fragen habt, immer her damit. Mal schauen, wann es die nächste Radtour gibt, das kommende Wochenende ist schon verplant, ganz ohne Rad, gucken wir mal.
Passt auf Euch auf, seid nett zu Euren Mitmenschen und bleibt gesund,
Euer Martin