Hallo zusammen,
bevor am Montag der Arbeitsalltag wieder voll zurück war, wollte ich nochmal eine Runde mit dem Rad drehen. Die Wettervorhersage für den Sonntag, also den 4. Januar, war, nun ja, ganz OK. Es waren immer mal wieder Niederschläge angekündigt, allerdings in Form von Schneefall. Dazwischen stand aber auch Sonne auf dem Programm. Das alles bei Temperaturen von -4 bis +2 Grad. Also, ab dafür.
Los ging es am frühen Morgen in Krefeld, unbezahlt und unbeauftragt, in Richtung Osten. Natürlich fing es prompt an zu schneien, die Luft war allerdings ganz angenehm und gar nicht sooo kalt. Seit einiger Zeit haben wir in Krefeld Motivampeln. Ihr kennt das vielleicht schon aus andere Städten, im Ruhrgebiet findet sich zum Beispiel gern mal ein Bergmann, in Kevelaer der Kiepenkerl. Bei uns ist es, seit Ende letzten Jahres, der Ponzelar. Der „Meister Ponzelar“ ist das Denkmal eines Seidenwebers mitten in Krefeld. Die Stadt hat eine lange „Samt- und Seiden-Tradition“ und der Seidenweber ist somit ein Teil der historischen und kulturellen Identität. So sieht der gute Mann auf seinem Denkmal aus…

…und so als grünes und rotes Ampelmännchen. Die Idee kam vor ein paar Jahren schon mal von der CDU und wurde unlängst von einem Bürger nochmal ins Rennen gebracht. Eine ganz schöne Sache, finde ich.

Gestaltet wurden die Motive in den Ampeln dann vom Krefelder Diplom-Designer Chris Hillus – schön sind se geworden.

Generell gibt es in Krefeld an vielen Stellen im Stadtbild Kunst und Design zu entdecken. Im Rahmen der „Kasten-Art“ wurden auch viele der, an sich hässlichen, Strom- und Verteilerkästen bunt. Das hier zum Beispiel ist ein Blick den Ostwall hinunter „in Echt“.

Und stilisiert auf einem der Kästen in der Nähe.

Aus der Innenstadt hinaus ging es dann für mich am Voltaplatz vorbei, auch dort gibt es Kunst zu entdecken. Die Krefelderinnen und Krefelder sprechen meist vom „Ohr“, eigentlich heißt die Skulptur aber „Building from the inside“ und ist Richard Deacon.

Kurz hinter dem Voltaplatz beginnt auch die Krefelder Radpromenade. Bislang gibt es zwei Teile dieser tollen Radverbindung, mal schauen, wann es da weitergeht. Was ich wirklich klasse fand, der Weg war geräumt. Das sollte später in Meerbusch ganz anders aussehen.

..na ja, fast geräumt. Auf dem hinteren Teil lungerte dieser Schneemann herum 😉 .

Apropos Schneemann. Die weißen Flocken regen ja offensichtlich den Spiel- und Bautrieb der Menschen an. Während in den Medien heute über einen zwei Meter hohen Schnee-Penis in Goch berichtet wird, waren man in Krefeld deutlich sittsamer und hat gleich eine ganze Familie vor die Burg Linn gebaut. Ist ja schon irgendwie süß.


Es schneite immer noch, allerdings nicht mehr so stark. Nach einer kurzen Pause an Burg Linn, dieses Museum ist einfach immer einen Stopp wert, so eine Burg in der Stadt zu haben, ist schon cool.

Von Lin aus führte mich meine Tour weiter nach Meerbusch und dort nach Nierst. Was bei uns der Ponzelar ist, ist in Nierst der Pajas. Die Figur gehört in den Bereich Brauchtum und hat seinen großen Auftritt immer beim Rosenmontagszug, dort sammelt er Wurst ein. Nun gut 😉 . In Nierst steht eine Skulptur des in Bonn geborenen Künstlers Michael Franke. Damit dem Pajas nicht kalt wird, hat ihm wohl jemand einen Schal umgelegt – man achtet aufeinander im Dorf.

Allerdings hatte wohl leider niemand Zeit und Muße den Radweg am Deich abzustreuen oder zu räumen. Was in Krefeld so angenehm zu radeln war, verlangte jetzt ein sehr konzentriertes und langsames fahren. Unter dem losen Schnee fand sich nämlich immer mal wieder auch blankes Eis.


Ziel der ersten längeren Tour des Jahres war der Flughafen in Düsseldorf. Dazu musste ich über die A44 Brücke um den Rhein zu überqueren. Das war dieses Mal gar nicht so einfach. Auch hier gab es viel Schnee und Eis. Hat aber am Ende geklappt, ich war aber ganz froh, als ich auf der anderen Rheinseite angekommen bin.

Nicht nur mir war kalt, auch die Flugzeuge stehen lange in der Kälte herum, bevor sie an den Start gehen. Ähnlich wie wir unsere Autos eisfrei kratzen müssen, werden Flugzeuge, bei Bedarf, vor dem Start „enteist“. Dazu gibt es in Düsseldorf, je nach Startrichtung, spezielle Plätze auf dem Vorfeld, an denen das Prozedere stattfindet. Der erste Kandidat, ein Airbus der British Airways, rollte allerdings vorbei, offenbar war die Standzeit auf seinem Umlauf aus London so kurz, dass kein Bedarf bestand.

Der Condor-Flug nach Fort-au-France musste indes zum enteisen und rollte vom Rollweg zur Startbahn ab und kam auf das De-Icing Pad zu.

Es gibt, je nach Temperatur und Zeit die Flieger noch bis zum Start braucht, ganz verschiedene Enteisungsmittel, Glykol ist aber auf jeden Fall dabei.


Wenn der Flieger die Fläche erreicht hat, kommen die „Elefanten“, so heißen die Spezialfahrzeuge für das Enteisen, und besprühen die Tragflächen und die Ruder.

Das Gemisch ist gute 60 bis 70 Grad warm und so dampft es ordentlich beim aufbringen.


Das Prozedere dauert eine Weile, dann geht es aber fix in Richtung Startbahn und ab in die Luft, in diesem Falle nach Fort-au-France.


Auf jeden Fall eine sogenannte „Warm-Wasser-Destination“. Ich hab mein mitgebrachtes Brötchen gefuttert und noch ein paar Bilder gemacht. So richtig sattsehen kann ich mich an Fliegern irgendwie nie.

Manchmal denke ich mir, das Hobby ist schon auch ein bisschen Gaga, aber hey, ich bin damit ja nicht allein. Wobei dieses Mal war auf dem Parkhausdach, der bevorzugten Fotolocation, nicht sooo viel los 😉 .


Na ja, so langsam habe ich mich für den Rückweg bereit gemacht. Wusstet ihr, dass es in Düsseldorf eine „Einparkhilfe“ für Flugzeuge gibt? Auf Außenpositionen steht oft der „Rampagent“ mit seinen Kellen vor dem Flugzeug und weißt die Crew ein, habt ihr sicher schon mal gesehen. Am Terminal gibt es aber ein automatisches System.

Wenn der Flieger zum Gate rollt, steht dort auf einer beleuchteten Tafel bereits der Flugzeugtyp, auch aus dem Cockpit gut sichtbar.

Darunter ist dann die Reststrecke bis zur Parkposition abzulesen.

Ist die Position erreicht, steht dort „STOP“. So einfach kann es sein.

Vom Parkhaus führte mich mein Weg dann so langsam wieder weg vom Flughafen, vorbei am General Aviation Terminal, das ist das Terminal für die Business Flieger und dann so langsam wieder nach Lohausen und in Richtung Heimat.

Ich hatte irgendwie darauf gehofft, ich hätte jetzt Rückenwind, nun ja, Funfact – nein. Vielleicht weil ich jetzt ja schon eine ganze Weile unterwegs war, vielleicht weil es tatsächlich kälter geworden ist, auf jeden Fall war die erneute Fahrt über die Rheinbrücke unangenehmer als beim Hinweg.

Da ich nicht genau denselben Weg zurück fahren wollte, habe ich dieses Mal eine Route über Strümp gewählt. Die Straßen und Wege waren ganz OK, die Konzentration musste ich aber echt hochhalten, es waren zwischendurch immer mal wieder schmierige und eisige Stellen zu bewältigen.

An einer ehemaligen Tankstelle, die immer mal wieder für Film- und TV-Aufnahmen genutzt wird, steht seit ewigen Zeiten dieser Citroen Typ H. Jedes Mal wenn ich dran vorbei fahre, denke ich mir, den müsste man mal wieder restaurieren, irgendwie ist das ein tolles Auto.

Kein Auto, auch wenn es ein bisschen so aussieht, ist dieser Stromkasten ein Stückchen weiter. Das Krefelder Künstlerduo „Tubuku“ hat hier aus dem Kasten ein HLF der Feuerwehr gemacht. Coole Sache.

…und dann war da noch dieses Alpaka. Offenbar macht ihm die Kälte und der Schnee nix aus, hat aber ja auch Fell.


Zurück ging es dann, parallel zur Straßenbahnstrecke, über den Nerenbroicker Weg nach Krefeld. Alles in allem waren die rund 60 Kilometer eine wirklich schöne Tour und das Wetter hat am Ende auch gehalten. Wieder mal habe ich gemerkt, dass, allen Unkenrufen zum Trotz, das Radfahren in Krefeld gar nicht so übel ist und sich Nachbarstädte da durchaus die ein oder andere Scheibe von abschneiden können, auch wenn bei uns in Krefeld sicher an vielen Stellen auch Luft nach oben ist. Wenn Dinge gut laufen, bricht man sich aber keinen Zacken aus der Krone, dass auch mal zu sagen.

Das soll es dann erstmal wieder gewesen sein. Kommt gut durch das Winterwetter und seid nett zu Euren Mitmenschen. Wenn ihr Fragen zur Tour oder zum Posting habt, immer her damit.
Euer Martin