Roadtrip in den Urlaub: Tag 3 – Erfurt, Geisa und Fulda

Hallo zusammen,

ein weiterer Urlaubstag ist vorbei und ich bin müde, aber zufrieden. Obwohl so nicht geplant stand der Tag irgendwie unter dem Motto „Deutsch/Deutsche-Geschichte“. Bereits gestern habe ich ein paar Worte über die Teilung Deutschlands verloren, heute hatte mich das Thema voll im Griff. Aber, der Reihe nach. Mein Tag startete in Erfurt. Die Stadt habe ich mir zu Fuß erschlossen und muss sagen, sie gefällt mir wirklich gut. Ich war jetzt schon in einigen Städten in den neuen Bundesländern, wie lange bleiben die eigentlich „neu“, und Erfurt ist da schon ein stückweit eine Perle. Alles wird überragt vom Erfurter Dom und der Severikirche. Bei bestem Wetter tummelten sich einige Leute auf dem Domplatz oder der langen Treppe rauf zu den beiden Kirchen.

Im Dom selbst war gerade ein Gottesdienst zu Ende gegangen und man konnte sich ein wenig umsehen. Kirchen haben irgendwie etwas an sich, was einen entschleunigt, die angenehme Kühle sorgte dafür dass ich etwas länger verweilte und mir die Säulenbilder und das große Wandkunstwerk in Ruhe angeschaut habe.

Eine Kerze für die Menschen, die einem wichtig sind zu entzünden kann sicher auch nicht schaden und nach einer Weile bin ich dann wieder durch das Kirchenportal hinaus in die Wärme getreten.

Man schaut von der Treppe aus über das schöne Erfurt und direkt am Fuße der Treppe gibt es einen Biergarten. Dort sitzt man, wenn man Glück hat, im Schatten eines großen Baumes, kann etwas Kühles trinken und es gibt die originale Thüringer Bratwurst. Das Leben kann so schön sein ;).

Gestärkt und um himmlischen Beistand gebeten, also kann es weiter gehen. Mein nächstes Ziel war der Angerbrunnen. Er wurde 1890 angelegt und soll den „Erfurter Gewerbefleiß“ darstellen. Industrie und Gartenbau. Ein wirklich schöner Brunnen, nicht nur die Figuren, auch die vielen bunten Blumen drumherum sind wirklich schön anzusehen.

Auf dem Weg zur Krämerbrücke, der längsten bebauten Brücke Europas, bin ich durch Erfurt geschlendert, es wurde immer wärmer und es zeigte sich keine Wolke am Himmel. Was für ein Tag. Mitten in Erfurt habe ich dann Bernd das Brot getroffen. Der immer muffige Typ steht als Figur neben dem Rathaus. Überhaupt finden sich in der Stadt viele Figuren aus dem Kinderkanal, sie wurden 2007 zum Jubiläum des Senders aufgestellt….und Bernd war sogar schon mal entführt, tauchte aber wieder auf ;).

Die Krämerbrücke, heute vorallem ein Ort für viele kleine Läden mit Kunsthandwerk. Läuft man durch die enge Gasse, merkt man nicht, dass man sich auf einer Brücke befindet, schaut man sich das Ganze aber von außen an, wird einem schnell die Konstruktion klar. Schon beeindruckend.

Überhaupt ist die Gera wunderbar in das Stadtbild eingebaut, so ein Häuschen hier ist sicher auch nicht schlecht. Vor einem dieser Stege stand ein Mann in hohen Gummihosen und schnitt mit einer langen Schere Gras- und Schilfbüschel ab, da kriegt der Satz „Schatz, ich geh mal eben Rasenmähen“ doch gleich eine ganz andere Bedeutung.

Nach dem wunderschönen Erfurt ging es dann für mich weiter. Das Schöne an dieser Art des Urlaubs ist es ja, dass man völlig frei in seiner Wahl des Zieles ist. So als Fernziel hatte ich mir Frankfurt ausgeguckt, aber erstmal ging es, ganz gemütlich über Landstraßen in Richtung Autobahn. Auf der A4 ging es dann weiter in Richtung Hessen. Eine kleine Pause habe ich dann an der Rastanlage Eisenach eingelegt. Diese Raststätte hat etwas besonderes an sich, sie war nämlich damals eine Grenzanlage und ich finde, das sieht man ihr auch an. Die Fluchtlichtmasten, das Gebäude, in dem früher die Grenzübergangsführungsstelle beheimatet war. Auf jeden Fall wirkt das Gelände auch heute noch nach.

Es ist doch immer wieder faszinierend, dass man heute einfach so die Grenze zwischen Thüringen und Hessen überfahren kann. Ich bin also auf der A4 weiter gefahren und erblickte dann irgendwann links von mir einen riesigen Berg, der aus der Ferne weiß aussah. Das Ding wirkte völlig unwirklich in der ansonsten grünen Landschaft. Der, schon angesprochene, Vorteil eines Urlaubs ohne festen Plan: Man kann überall abfahren und anhalten. Der Berg interessierte mich, also, runter von der Autobahn.

Der nächste Ort an diesem Berg ist Heringen und dort gab es dann auch Antworten auf meine Fragen. Hier liegt ein riesiges Kalibergbau-Gebiet und die Firma K+S baut hier ab. Natürlich bin ich, genau wie bei Airbus gestern, weder beauftragt noch bezahlt, wenn ihr als Kali kaufen wollt, tut das gern, aber nicht auf meine Empfehlung hin. Das die Firma ein Konsortium mit der Solvay gegründet hat, welche in Rheinberg auch ein Werk hat, sorgt dafür, dass sich der Kreis irgendwie wieder schließt. Wie dem auch sei, der weiße Berg ist eine Abraumhalde und wird von den Anwohnern mittlerweile Mount Kali oder Monte Kali genannt.

Leider rührte sich dort am Sonntag kein Zug, so ein schöner, Diesellok-bespannter Kalizug, das hätte schon was gehabt. So blieb mir nur, mich da ein bisschen umzusehen und mit Anwohnern zu quatschen. Mittlerweile hat man sich an den Berg gewöhnt und beginnt ihn auch touristisch zu erschließen, es gibt Wanderungen und Führungen und ein Erlebnisbergwerk. Bevor es wieder zur Autobahn ging, bin ich noch zum Mahnmal Bodesruh gefahren. Dort steht ein Turm, direkt an der ehemaligen Grenze, und erlaubt einen weiten Blick nach Thüringen.

Kennt ihr diese braunen Tafeln, die immer an Autobahnen stehen? Die heißen offiziell Touristische Unterrichtungstafeln und auf meinem Weg in Richtung Frankfurt wurde ich, kurz nachdem ich wieder auf der Autobahn war, über „Point Alpha“ unterrichtet. Keine Ahnung und was es da geht, also, ihr kennt das Spiel, abfahren, gucken. Über wunderbar geschwungene Landstraßen ging es dann wieder ins Ländliche hinein. Von weitem sah ich Rauch aufsteigen und dachte zuerst an einen Feldbrand, als ich aber über eine Kuppe kam, sah ich, dass dort auf einem Feld gearbeitet wurde und der vermeintliche Rauch nur aufgewirbelter Staub war, es ist halt gerade extrem trocken bei uns.

Nach etwa 20, 30 Minuten Fahrt war ich dann in Geisa, damals die westlichste Stadt des Warschauer Paktes. Ein Stück oberhalb der Stadt liegt dann „Point Alpha“. Hierbei handelt es sich um einen Beobachtungsposten der NATO, genauer der US-Amerikaner während des Kalten Krieges. Heute findet man dort ein Museum und erhaltene Grenzanlagen. Der ehemalige Todesstreifen ist heute ein Biotop und zieht sich als „Grünes Band des Lebens“ durch die Landschaft. Wenn ihr mal in dieser Ecke seid, ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Dort befand sich die sogenannte „Fulda Gap“, also die Fulda Lücke. Das flache Gebiet dahinter auf westdeutscher Seite bot sich für eine Invasion geradezu an, innerhalb weniger Tage hätten Streitkräfte des Warschauer Paktes bis ins das Rhein-Main Gebiet vordringen können. Deshalb waren dort auf beiden Seiten erhebliche Zahlen an Soldaten stationiert, der Verteidigungsplan sah auch den Einsatz taktischer Nuklearwaffen vor.

Ich habe noch als Kind über die Grenze geschaut, kann mich noch daran erinnern. Eine Familie kam mir auf dem Grenzstreifen entgegen, Mutter, Vater, zwei Kinder, alle noch recht jung. Wir haben uns kurz unterhalten, sie kennen das alles nur aus Büchern und Filmen. Ich finde es gut, wenn Menschen solche Ort besuchen und sich informieren, nur wer seine Geschichte kennt, kann daraus lernen. Mich erschüttert und fasziniert jedes Mal der Kontrast an solchen Orten. Egal, ob es jetzt Grenzen, Schlachtfelder oder Konzentrationslager sind, oftmals ist es dort heute wunderschön drumherum. Auch hier, am Point Alpha ist das so, Vögel zwitschern, der Himmel ist blau, es weht ein leichter Wind, man kann weit in das Land hinein gucken….und dann liest man von Splittermienen, Kopfschüssen, Toten und Verwundeten, von Flüchtlingen und Schießbefehlen.

So richtig will das im Kopf nicht zusammen gehen. Schaut man sich die vorhandenen Grenzanlagen an, KfZ Sperren, Minengürtel, Doppelzäune, Freilaufanlagen für Hunde, Streifenwege, Bunker…

…und liest man die Geschichten, dann ist es umso unverständlicher, wie man heute, nur knappe 30 Jahre danach, Mauern baut, Flüchtlingsheime anzündet, Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt, wie man die große Errungenschaft der offenen Grenzen aufs Spiel setzt, wie man wieder in den Nationalismus abgleitet. Jeder, der heute solche Reden schwingt, muss solche Orte besuchen, muss mit Menschen sprechen, die dieses Leid erfahren haben. Für mich war das, wie gesagt, ein sehr eindringlicher Urlaubstag. Nutzt die Chance, dass es Menschen gibt, die solche Orte erhalten und darüber erzählen. Es ist heute wichtiger denn je!

Bewegt, aber, ehrlich gesagt so langsam auch hungrig, habe ich mich wieder ins Auto gesetzt und bin weitergefahren. Wo wir eben das Thema Fulda Lücke schon hatte, mein knurrender Magen ward er Ansicht, bis nach Frankfurt hätte er jetzt keinen Bock mehr auf Nahrung zu warten, also hieß das nächste Ziel: Fulda! Eine wunderschöne Stadt. Ich bin ein wenig durch die Stadt gelaufen, habe mir das Stadtschloss angesehen.

…und dann nach etwas essbarem gesucht. Schließlich habe ich ein, ausgerechnet, kroatisches Steakhouse gefunden. Der Laden war gut besucht, das Finale der Fußball WM lag in den letzten Zügen und, obwohl das eigene Team verloren hat, war die Stimmung super. Es gab zwei Runden aufs Haus und einen verdammt leckeren Mixteller mit tollen Fritten 😉

Gestärkt und gut gelaunt machte ich mich auf die letzten 100 Kilometer bis nach Frankfurt. Dort war eigentlich der Plan, heute Morgen ganz früh raus zum Flugzeugknipsen zu fahren, aber es schüttet hier wie aus Eimern. Also, kann ich in Ruhe diesen Blogpost hier schreiben und fahre dann gleich mal rüber zum Flughafen und schau mal, was so geht.

Das soll es dann auch schon vom dritten, für mich eher nachdenklichen, Urlaubstag gewesen sein. Ich hoffe, es hat Euch gefallen und ihr habt vielleicht ein paar Anregungen für Besuche in Euren Urlauben erhalten. Würde mich freuen.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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