Hallo zusammen,
heute gibt es mal wieder einen Blogbeitrag ohne Fahrrad, aber mit Flugzeugen. Unbezahlt und unbeauftragt ist er aber trotzdem 😉 . In der letzten Zeit sind im Beruf einige Überstunden angefallen und die mussten abgebaut werden, also galt es einen Tag mit tollen Erlebnissen zu füllen. Ich war länger nicht mehr Militärflieger gucken und so habe ich mich entschlossen, den beiden größeren Basen bei uns in der Umgebung einen Besuch abzustatten. Wenn ihr mögt, nehme ich euch gern mit.
Los ging es in Geilenkirchen. Die dortige NATO-Airbase ist die Heimat eines AWACS-Verbandes. Vielleicht habt ihr AWACS Flugzeuge schon mal in den Nachrichten gesehen, oder bei uns in der Region auch im Tiefflug, wenn sie in Richtung Geilenkirchen geflogen sind. Die Abkürzung steht für „Airborne Early Warning and Control System“ und bei der Technik handelt es sich um ein weitreichendes Radarsystem, welches zum einen Bedrohungen entdecken, aber auch eigene Flugzeuge zu Kontakten führen kann. Auffällig ist das große Radom auf dem Rücken der Flugzeuge. Der Spitzname ist dann auch „Frisbee“.

Was die Flugzeuge für mich als Flugzeugfan so interessant macht, ist ihre Basis. Die Zelle ist nämlich die einer Boeing 707. Die 707 war für vieles Airlines in den 1960ern der Einstieg ins Jet-Zeitalter und im Grunde ist sie eine Ikone der Luftfahrt. Reisen wurde günstiger, die Jets machten die Welt kleiner. Aufgrund der Emissionswerte sind 707 längst von zivilen Airports verbannt, hochmoderne Nachfolger verbinden Ziele weltweit, sind dabei effizienter, leiser und schneller – aber aus der Sicht einen Flugzeugbegeisterten eben auch, na ja, langweiliger. Heute noch eine Boeing 707 vor die Linse zu bekommen geht eben fast nur noch im militärischen Kontext.

Und auch dort sind ihre Tage gezählt, der Nachfolger steht schon in den Startlöchern. Bis dahin sind die E3 aber die Augen und Ohren der NATO. Ihre Einsätze sind oftmals „scharf“, sie fliegen entlang der NATO-Ostgrenzen und haben Flugbewegungen möglicher Aggressoren im Blick.

Dabei sind die Missionen, auch die Trainingsflüge, der multinational zusammengesetzten Crews, lang, ausdauernd und kräftezehrend. Ich bin den Kameradinnen und Kameraden an Bord sehr dankbar, sie arbeiten täglich daran, unsere Sicherheit zu gewährleisten. An einer solchen Mission sind auch Tankflugzeuge beteiligt.
So wie viele andere militärische Flugzeuge, sind auch die AWACS-Maschinen in der Lage, in der Luft betankt zu werden. In Geilenkirchen gibt es dafür ein System aus durchwechselnden Tankern der amerikanischen Nationalgarde. In regelmäßigen Abständen kommen zwei Tanker über den Atlantik und lösen eine andere Einheit ab. Als ich vor Ort war, waren es Soldatinnen und Soldaten der 126th Air Refueling Wing der Air National Guard aus Illinois.

Ihr seht schon, die Tankflugzeuge basieren ebenfalls auf der Boeing 707 und heißen KC-135. Anders als die AWACS-Maschinen haben die Tanker allerdings modernere Triebwerke. Schaut mal genau hin, man erkennt deutlich den größeren Umfang im Vergleich zu den NATO-Flugzeugen.

In der Luft werden die Flugzeuge über einen Ausleger am Heck betankt. Dabei fliegt das zu betankende Flugzeug langsam von hinten an den Tanker heran und positioniert sich direkt dahinter, etwas tiefer. Mit einem Ausleger, ihr seht in eingefahren auf den Fotos hier, wird der Sprit dann über einen Zugang hinter dem Cockpit ins Flugzeug gepumpt.

Die Bundeswehr hatte da vor einigen Jahren Mal einen Clip auf Youtube hochgeladen, schaut mal hier:
Bei meinem Besuch landete der Tanker direkt, die E3 Crews führten einigen Anflugübungen durch und so konnte ich einige Fotos des Flugzeuges machen und kam in den Genuss der pfeifenden und dröhnenden Triebwerke.





Also, wenn ihr diese spannenden Flugzeuge auch mal live sehen wollt, noch habt ihr die Chance dazu. Geilenkirchen ist immer einen Besuch wert, es gibt auch immer mal wieder andere Flugzeuge zu sehen, Verlegeflüge, Anflugübungen oder Frachter. Allerdings kann es auch passieren, dass die Jets früh am Morgen rausgehen und dann erst spät in der Nacht zurückkehren oder in einem anderen NATO-Land landen. Also, eine Garantie etwas zu sehen gibt es, wie beim Militär immer, natürlich nicht. Ich hatte das Glück und bekam auch noch einen Business-Jet vor die Linse.


Ach ja, noch ein Hinweis, der Platz ist ein Militärflugplatz. Wir leben in Zeiten, in denen solche Örtlichkeiten Ziele sein können. Wir Flugzeugfans sind geduldet, Gespräche mit Sicherheitskräften vor Ort waren immer sehr nett und wertschätzend und ich konnte dort immer frei fotografieren. Bitte haltet Euch an die Spielregeln. Haltet Abstand zum Zaun, folgt den Anweisungen von Aufsichtspersonal und tragt dazu bei, dass die Crews ihre für uns alle wichtigen Missionen ungestört durchführen können.

Auf nach Nörvenich
Der freie Tage sollte noch mit ein bisschen mehr „Jetnoise“ und Militärfliegerei angereichert werden. „Mein“ Militärflughafen ist Nörvenich. Mein Vater war Flugzeugfan, es kommt bei mir also nicht von ungefähr 😉 , und der Flugplatz in Nörvenich wurde von uns immer mal wieder besucht. Diese „Papa-Tage“ habe ich geliebt. Mal war es auch Laarbruch, Gütersloh, Brüggen, Wildenrath, Spangdahlem, Bitburg oder Hahn, aber Nörvenich war „unser“ Platz. Dort habe ich meine erste Flugshow erlebt und wahrscheinlich wurde dort, in Kombination mit Spaziergängen am Flughafen Düsseldorf, auch die Begeisterung für die Fliegerei gelegt. Damals war dort das Jagdbombergeschwader 31 „Boelcke“ stationiert, mittlerweile heißt der Verband „Taktisches Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ und ist mit dem Flugzeugmuster „Eurofighter“ ausgestattet.

In der Regel finden zwei Wellen an Übungsflügen statt, einmal Morgens und dann nochmal am Nachmittag. Die Eurofighter starten die Triebwerke und rollen dann zur sogenannten „Last Chance“. Dort werden sie zum letzten Mal vor dem Start durchgecheckt und startklar gemeldet.

Dann rollen sie zum Start und gehen auf ihre Übungsmissionen.


Immer wieder ein beeindruckendes Schauspiel. Die Pilotinnen und Piloten grüßen oft zu uns herüber, die Flugzeugbegeisterten am Zaun winken zurück. Diese Kameradinnen und Kameraden treten jeden Tag für unsere Sicherheit an, den Dank dafür auch ab und an mal am Zaun durch Gesten zeigen zu können finde ich wichtig.

Nachdem die Welle Jets in der Luft war, knatterte ein großer Hubschrauber heran. Schnell war klar, dass da einen CH-53 dem Platz einen Besuch abstattete, die Silhouette ist recht unverkennbar, aber dass es ein ganz besonderes Exemplar ist, habe ich erst kurz später erkannt.

Der große Hubschrauber leistet seit 53 Jahren gute Dienste in der Bundeswehr, aus diesem Anlass gibt es beim Hubschraubergeschwader 64 ein Exemplar in einer starken Sonderlackierung. Gute 60 Kilo Farbe, ein halbes Jahr Arbeit und viele Emotionen haben zu diesem Anblick geführt.

Ich hab mich wirklich gefreut, dieses Teil vor die Linse zu bekommen. Eindrucksvolles Gerät und eine starke Lackierung.

Apropos eindrucksvolles Gerät. Der Flugplatz Nörvenich beherbergt ja das TaktLwG 31 mit ihren Eurofightern, seit 2022 sind dort aber auch 25 Tornados des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 aus Büchel stationiert. Geplant bis dieses Jahr. Mal sehen, wie lange wir hier noch die Tornados sehen werden.

Der Tornado ist ein faszinierendes Flugzeug. Im Geländefolgeflug einsetzbar beeindruckt er mit Schwenkflügeln und einer zwei Personen-Crew. Das aktuell gleich zwei Flugzeugtypen in Nörvenich stationiert sind ist für Flugzeugfans natürlich super.


Faszinierend ist auch die Tatsache, dass der Tornado den Nachbrenner zum Start braucht. Dabei wird unverbrannter Sprit in die Abgase in den Triebwerken geleitet und so nochmal extra Schub produziert. Wenige Meter daneben zu stehen wenn ein solcher Jet startet ist ein eindrucksvolles Erlebnis, welches man am kompletten Körper spürt. Kleiner Tipp falls ihr das mal erleben wollt: Nehmt Euch Gehörschutz mit 😉


So langsam neigte sich der Tag dem Ende und ich mache mich wieder auf den Heimweg. Ich hoffe, euch hat der kleine Einblick in den Alltag der Soldatinnen und Soldaten hier in der Region gefallen.
Erlaubt mir vielleicht noch ein, zwei Worte zum Thema Militär und Militärluftfahrt. Ich habe gedient, natürlich bei der Luftwaffe 😉 , und war, einmal im Bundeswehrkontext und einmal vor kurzem im beruflichen Umfeld, in Krisen- und Kriegsgebieten. Ich glaube ich spreche für die allermeisten Kameradinnen und Kameraden, wenn ich sage, dass sie die letzten Menschen sind, die Krieg oder kriegerische Auseinandersetzungen haben wollen. Schon aus dem einfachen Grund, dass sie die ersten sind, die es betrifft. Pazifismus ist sicher die Lebensweise, die ich mir am ehesten wünschen würde. Sie funktioniert allerdings nur dann, wenn ALLE Beteiligten mitmachen. Es reicht ein Diktator, der einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg führt und schon funktioniert es nicht mehr.
Damit wir hier heute unsere Art zu Leben genießen können, damit wir zu freien Wahlen gehen können, uns auf einen Rechtsstaat verlassen können, damit wir unseren Lebensstil leben können, damit wir Abends ruhig in unseren Betten liegen können, wahlweise mit Partnerinnen und Partnern, egal welchen Geschlechts, damit wir nicht immer ängstlich in den Himmel blicken müssen, damit wir unsere Freiheiten behalten – dafür treten Menschen jeden Tag und jede Nacht ihre Dienste an, sitzen an Radargeräten, in Cockpits, in Kasernen, Tanklagern, Panzern oder Kantinen. Ich bin dafür sehr dankbar.

Habt eine gute Zeit, achtet auf Eure Mitmenschen und bleibt gesund und munter.
Euer Martin