Natur, Industrie und eine historische Brücke – Von Krefeld nach Duisburg und Orsoy

Hallo zusammen,

die Blogbeiträge aus dem Mai 2022 nehmen Formen an, hier folgt der zweite 😉 . Immerhin. Wie immer nehme ich euch, wenn ihr wollt, unbezahlt und unbeauftragt mit auf eine Radtour. Ich suche mir ja oft ein bestimmtes Ziel, oder ein Ereignis, und baue da herum dann meine Fahrt. Das war dieses Mal auch wieder so, es sollte zu einer Brücke in Duisburg Walsum gehen. Dazu aber später mehr, los ging es, wie so oft, in Krefeld.

Ganz in der Nähe des Rathauses wurde vor einiger Zeit ein Taubehaus installiert. Stadttauben sollen dort einen zentralen Anflugspunkt haben und so kontrolliert versorgt werden. Dadurch, so der Plan, gibt es weniger Beschädigungen und Belästigungen durch Tauben in der Stadt. Seit kurzem hat das Stadtmarketing die Aktion „KastenArt“ ins Leben gerufen. Dabei geht es darum, die vielen Strom oder Telekommunikationskästen in Krefeld ansprechend zu gestalten. Infos dazu findet ihr, unter anderem, HIER. Auf jeden Fall ist das Kastenensemble direkt vor dem Taubenhaus entsprechend bemalt worden, finde ich richtig klasse.

Es ist ja schon faszinierend, obwohl ich wirklich viel durch Krefeld radel entdecke ich dann doch immer wieder etwas Neues. Dieses wunderbare Haus hier zum Beispiel. Ich bin schon etliche Male über die Uerdinger Straße gefahren, den kurzen Abstecher nach Südosten in die Straße „Winnertzhof“ habe ich aber nie gemacht. Ein Fehler.

Gegenüber gab es dann noch diesen Reliant zu sehen. Wenn ich das richtig sehe, müsste das ein Robin Mk. II sein, sogar passend mit Union Jack auf dem Dach. Leider trug er keine Nummernschilder, so dass uns dieses kultige Dreirad auf Krefelds Straßen wohl eher nicht begegnen wird. Cool ist es trotzdem.

Weiter ging es dann in Richtung Sprödentalplatz und Zoo. Zwischen dem Zoo und dem Stadion des KFC, der Grotenburg, führt ein Weg entlang. Dort kann man zum einen schön radeln, zum anderen einen Blick in die Grotenburg werfen und mittel Brücke auch in den Zoo. Die Sanierung der Grotenburg ist in Krefeld immer wieder ein Streitthema, oftmals wird mit der Fanbrille auf der Nase gern auch mal blind, verbal, um sich geschlagen und alle sind Schuld, außer der Verein. Dass das nur die halbe, wenn überhaupt, Wahrheit ist, ist logisch, aber sei es drum. Seit einigen Monaten kann man sich als KFC-Fan die Niederlagen der eigenen Mannschaft auch wieder im heimischen Stadion ansehen, auch wenn es da nach wie vor einiges zu sanieren gibt.

Mein erstes Etappenziel war dann auch Krefeld-Uerdingen, vorbei an der toll restaurierten Buss-Mühle ging es über die Fahrradstraße Nikolaus-Groß-Straße in Richtung Rhein weiter.

Direkt am Rhein liegt auch das Zollamt in Uerdingen. Von dort aus kann man zum einen sehr gut auf den Rhein blicken und das ein oder andere Schiff fotografieren. Die „Elisabeth Jaegers“ zum Beispiel lag am Kai des Chemparks.

Auf dem Parkplatz des Amts habe ich dann diese beiden Autos entdeckt. Man beachte, der ganze Platz ist leer….und wer immer da eingeparkt hat, es war wohl nicht seine oder ihre Kernkompetenz. Das sieht nicht nur knapp aus, die beiden hängen tatsächlich aufeinander…. 😉 .

2017 wurde das Areal am unteren Werft, also direkt am Rhein, erstmal durch eine Aktion des Stadtmarketings aufgewertet. Die „Rhine Side Gallery“ war geboren. Internationale Künstlerinnen und Künstler brachten geniale Streetarts an und nach und nach entwickelte sich das Areal. Heute findet dort im Sommer nicht nur tolle Gastro und Livemusik statt, es gibt auch ein Beachvolleyballfeld, von Krefelderinnen und Krefeldern bepflanzte Beete, einen Soccercage, ein OpenAir Kino und vieles mehr. Schon ziemlich cool. Beeindruckend finde ich nach wie vor die Kunst dort. Wenn man überlegt, dass dieses Bild von Adry del Rocio jetzt 5 Jahre Wind und Wetter ausgesetzt ist und immer noch richtig stark aussieht. Die Entwicklung des Werfts ist schon spannend, schaut mal HIER.

Am Chempark vorbei habe ich dann Kurs auf Duisburg genommen. Aus dieser Richtung kam mir dann auch noch die „Lorin“ entgegen. Ein „Performance-Schiff“. Auf ihr finden Ausstellungen und Vorführungen statt. Aktuell ist sie in Basel, wenn ihr da mal hinwollt, hier gibt es die Infos. HIER.

Nachschub für den Chempark kommt natürlich zum Großteil mit der Bahn, aber auch via Schiff. Die Entladung findet über die Straße hinweg statt.

Der Straße folgend bin ich an der wunderschönen Sankt Matthias Kirche in Hohenbudberg vorbei gekommen. Ich hatte das hier schon mal geschrieben, die Kirche erinnert mich immer an eine hochemotionale Trauerfeier einer guten Freundin für deren Vater. Hängen eine Menge Erinnerungen dran.

Rund 35 Meter ragt der ikonische Wasserturm ganz in der Nähe in die Höhe. Als es in Hohenbudberg noch einen Rangierbahnhof gab, war er wichtig um die Dampflokomotiven mit Wasser versorgen zu können. Heute sind dort Wohnungen und Büros untergebracht. Der Turm steht unter Denkmalschutz.

Auf dem Rheindeich ging es weiter in Richtung Duisburg. Friemersheim Dorf ist immer ein Besuch wert, so schöne Gebäude, die tolle kleine Kirche, irgendwie wie aus der Zeit gefallen.

Man glaubt kaum, dass man hier zwischen Containerterminals und Schwerindustrie entlangradelt. Faszinierendes Stück Weg zwischen Uerdingen und Duisburg.

Kurze Zeit später taucht dann das Intermodal-Terminal auf. Auch hier gibt es coole Streetart, ein Trafohäuschen wurde standesgemäß bemalt. Coole Sache.

Dahinter wurden fleißig Container verladen, ich bin in Duisburg angekommen. Die Geschwindigkeit, mit der die Kranführerinnen und Kranführer die Container zielgenau auf den Wagen aufsetzen ist schon beeindruckend.

Überhaupt ist die Eisenbahn im Logport, also dem Logistikpark direkt am Rhein, stark vertreten. Ständig fahren Güterzüge um einen herum, es gibt immer was zu gucken. Für Menschen die auf Industrie und Logistik stehen, ein echtes Eldorado.

Apropos Eisenbahn, weiter ging es über die Hochfelder Eisenbahnbrücke. Während ich drüber fuhr, fuhr einer der tollen Ineos Tanker drunter her. Diese große Gastanker fallen auf auf dem Rhein, sie sind nämlich aufwändig gestaltet und ein echter Hingucker.

Direkt an der Brücke auf der anderen Rheinseite befindet sich der Rheinpark Duisburg. Dort gibt es neben einer coole Skateranlage auch Reste von alter Industrie, welche sich Streetartkünstlerinnen und -künstler erobert haben. DIe Stimmung dort ist irgendwie urban cool. Mir gefällts.

An der Promenade zum Rhein ist Sand aufgeschüttet und man kann dort entspannt sitzen und Schiffe gucken. Wirklich ein nettes Fleckchen.

Was man nicht tun sollte ist mit dem Auto dort hin fahren. Zum einen ist es verboten, zum anderen gibt es da keine Straße….und ich verkneife mir jetzt jeden blöden Witz zur Farbe des Kennzeichens, aber es war schon irgendwie niedlich anzusehen, wie die drei jungen Leute versucht haben mit Fußmatten und Sockeln von Warnbarken ihr Auto aus dem Sand zu bekommen….Spoiler: In der Zeit in der ich da war hat es nicht geklappt. Hilfe rufen wollte man wohl nicht, die Gefahr, dass das teuer wird war wohl absehbar 😉

Nachdem ich an vielen schmunzelnden Zuschauenden vorbeigeradelt bin, habe ich meinen Weg fortgesetzt. In Richtung Duisburg Stadtmitte fiel mir rechter Hand der Platanenhof auf. Vier Häuserblocks die um einen Platz stehen, der Zugang erfolgt durch einen Bogen. Schon schön irgendwie. Das Ensemble stammt aus dem Jahr 1937.

Kurz vor Duisburg Kasslerfeld habe ich eine kurze Pause an der Schwanentorbrücke eingelegt. Dort liegen die Schiffe die die Hafenrundfahrten im Duisburger Hafen durchführen. Das ein Schiff „Gerhard Mercator“ heißt ist in Duisburg ja auch irgendwie obligatorisch 😉 .

Durch Kasslerfeld ging es dann in Richtung Ruhrort weiter. Am Vinckekanal entlang zur Schifferbörse und zur Schimanski-Gasse. An vielem dort hängen Kindheitserinnerungen. Ich war mit meinen Eltern oft hier unterwegs und hab Schiffe geguckt.

Über die Brücke über den Eisenbahnhafen und ein Stück Leinpfad führte mich meine Route dann auf den Rheindeich und am Stadtteil Laar vorbei.

Herrlich zu fahren und mit tollen Ausblicken gespickt. Wenn man an der Häuserzeile rechts im Bild mal genau hinschaut erkennt man den „Laarer Jungen“, die Figur grüßt die vorbeifahrenden Schiffe.

Der Blick über den Rhein ist an dieser Stelle aber auch toll, bis hinüber zur Halde Rheinpreußen und dem Geleucht kann man schauen. Dort einfach ein bisschen zu sitzen und zu gucken ist irgendwie auch ein stückweit Entspannung pur.

Das nächste Ziel war die Brücke am Stahlwerk in Schwelgern. Wer mich kennt und hier schon länger mitliest, der weiß, wenn ich in der Region bin, mache ich da eigentlich immer einen kurzen Stopp und lasse ein wenig das Industrieflair auf mich wirken. An einem netten See in Beekerwerth vorbei ging es unter der Autobahn A42 hindurch weiter in Richtung Schwelgern.

Dabei fiel mir auch dieses Trafohäuschen auf. Sieht das nicht wirklich klasse aus? Dieser Trend der letzten Jahre solche, an sich, hässlichen Nutzbauten zu verzieren ist echt ein Gewinn.

Die eben angesprochene Brücke über einen Teil des Werksgeländes von Thyssen Krupp gestattet spannende Einblicke in das Werk. Der Löschturm der Kokerei ist immer ein tolles Motiv, wenn die dichten Wasserdampfwolken aufsteigen.

Auf den vielen Gleisen gibt es auch immer wieder Lokomotiven und Züge zu entdecken. Die Lokomotive mit der Nummer 504 hatte ich aber noch nie vor der Linse. Sie ist Baujahr 1972 und im Januar diesen Jahres frisch durch die Hauptuntersuchung und somit wieder fit. Schon ein stolzes Alter, oder?

Von Schwelgern aus ging es dann zum Ziel der Tour, nach Walsum. Auf dem Weg zur Brücke über den Hafenmund des Walsumer Nordhafens bin ich an einer kleinen Brauerei vorbeigekommen. Im Brauhaus soll man wohl recht gut essen können. Das habe ich jetzt schon von einigen Menschen gehört, getestet habe ich es bislang aber nicht 😉 .

Die Hubbrücke war jetzt länger komplett gesperrt. Sie hat starke bauliche Mängel und ist für den Kfz Verkehr nach wie vor dicht. Es gibt Gutachten, Planungen und Ideen, von einem Neubau unter Berücksichtigung der denkmalgeschützten Träger bis hin zum ersatzlosen Abriss habe ich eine Menge gelesen. Aktuell ist die Brücke wieder für Radelnde geöffnet, der Grund für meine Tour dorthin.

Seit Jahrhunderten, glaubt man der Wikipedia, ist ganz in der Nähe eine Fährverbindung nach Orsoy. Seit den 1950ern fährt dort die motorisierte Fähre „Glück Auf“. Mit ihr bin ich für kleines Geld über den Rhein gefahren.

Während ich zurück auf das, noch recht neue, Kraftwerk in Walsum geblickt habe, tuckert es neben mir.

Dieser wirklich wunderschöne Käfer stand am Anleger und wartete auf die Überfahrt. Toll, wenn Menschen solche Schätze fahrbereit halten und damit ab und an Ausfahrten machen.

Auf dem Rhein war man auch mit Ausfahrten zugange, allerdings mit ein paar PS mehr und deutlich fixer. Wäre nix für mich, macht aber sicher auch eine Menge Spaß.

Auf der Orsoyer Rheinseite, manche würden sagen auf der „richtigen“ Rheinseite 😉 , ging es dann weiter. Vorbei an der wunderschönen Kirche in Orsoy führte mich mein Weg durch die Felder in Richtung Lohheide. Klassisches Niederrhein-Radeln.

Über schmale Wege und durch Wald bin ich nach Moers geradelt und weiter zum Flugplatz Egelsberg. Dort kann man sich zum einen die schöne Egelsberg-Mühle anschauen und es wurde kräftig geflogen. Etliche Segelflugzeuge waren in der Luft. Generell ist der Flugplatz ein schönes Ziel, zumal auch die Gastro dort ganz gut ist.

Wenige Meter vom Flugfeld entfernt kann man auf den Hermann-Kresse-Weg auffahren. Dieser Rad- und Fußweg bringt einen ganz wunderbar durch das Naturschutzgebiet Niepkuhlen in Richtung Stadtmitte. Einfach schön.

Und ehe man sich versieht ist man auch schon wieder in der Stadt. Mit einem Bild unseres schönen Rathauses, immerhin ein Stadtschloss der von-der-Leyens endet diese Tour dann auch schon wieder.

Ich habe noch ein Relive-Video für euch und wie immer hoffe ich, der kleine Einblick hat euch gefallen.

Wenn ihr noch irgendwelche Fragen habt, immer her damit. Ansonsten bleibt bitte gesund und munter, achtet auf euch und eure Mitmenschen und fahrt vorsichtig.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 comments

  1. Soooooo schön. Danke das man an den tollen Touren teilnehmen kann ohne dabei zu sein. Diese Tour hat mir besonders gut gefallen, da ich seit 2 Jahren hier in Beeckerwerth wohne und die Tour über Walsum und Orsoy selber kenne. Das Traffohäusschen welches so schön bemalt wurde, sehe ich natürlich des öfteren, da es auf dem „schnellen“ Weg von Beeckerwerth nach Beeck zu sehen ist. Generell einfach wieder eine schön beschriebene Tour und tolle Bilder. Danke.

  2. Hallo Martin,

    ach wie schön, ich war nun auch mal endlich wieder am Rhein, es ging bei mir zum TerraZoo (Schildkröte abgeben) in Rheinberg:
    da hatte ich dann mal mit meinem kleinen Laste fahrrad auch mal über 100 Kilometer an einem Tag abgefahren.
    Schöner Beitrag.

    Schönes Wochenende
    Dagmar

    1. Vielen Dank 😉 Hach ja, Rheinberg. Da habe ich meine Ausbildung gemacht und das kleine Städtchen echt schätzen gelernt. Der Terra Zoo ist natürlich eine Instanz. Übrigens auch, wenn man in der Region mal von einem giftigen Tier gebissen wird, die haben da nämlich eine große Auswahl an Gegengiften parat.

      LG Martin

      1. Hallo Martin,
        Rheinberg ist wirklich nett und das der Terra Zoo so viele Gegengifte behernergt glaube ich gerne, denn dort sind ja einige extrem giftige Tierchen untergebracht.
        Witziger Weise sind es teilweise die kleinen Schlangen, die am giftigsten sind.
        Liebe Grüße
        Dagmar

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