Ostermontag – Natur, Rennwagen, Panzer, Kuchen und Bondage. Von Weeze nach Krefeld

Hallo zusammen,

ich habe die Ostertage zum großen Teil auf dem Fahrrad verbracht. Nachdem ich schon den Freitag, Samstag und Sonntag gebloggt habe, geht es jetzt in die Radtour am Ostermontag. Mit etwa 110 Kilometern war es die längste der vier. Ich war Nachmittags zum Osterkaffee und Kuchen in Lobberich eingeladen und habe das ganze dann mit einer Tour verbunden. Beauftragt und bezahlt hat mich niemand, ich bin einfach so gefahren, weil es Spaß macht 😉 .

Los ging es mit dem Zug. Der Niers-Express hat mich am frühen Morgen von Krefeld nach Weeze gefahren, dort startet dann auch meine Radtour. Das Wetter war traumhaft, nicht zu warm, aber wunderbar sonnig.

Für mich als Fliegerei-Begeisterter war das nächste Ziel ja klar, der Airport Weeze ist nur wenige Kilometer von der Bahnstation entfernt. Als der Platz noch kein zivil genutzter Regionalflughafen war, sondern die britische Luftwaffe hier Jets stationiert hatte, war ich, meist mit Freunden, ziemlich oft dort. Wir sind in den Ferien von Duisburg aus hier her geradelt und haben dann den ganzen Tag am Zaun gestanden und uns von den Flugzeugen und später auch Helicoptern begeistern lassen. Viele Erinnerungen kamen da hoch als ich die Wember Straße entlang gefahren bin und mich dem Flughafen genähert habe.

Früher war hier Schluss, die Wachen waren zwar immer sehr nett, aber aufs Gelände kamen wir Jungs natürlich nicht. Heute fährt man einfach durch. Zeiten ändern sich.

Wenn man aufmerksam in Richtung Terminal fährt erkennt man noch eine ganze Menge Indizien, die anzeigen, dass das mal ein Militärplatz war. Da passt es dann auch perfekt, dass es ein Museum gibt, welches unbedingt zu empfehlen ist. Verfehlen kann man es nicht, es steht eine Canberra davor. Dieser Jet war Anfang der 1960er Jahre in Laarbruch, wie der Airport Weeze während seiner Militärzeit hieß, stationiert. Im Januar 2016 kehrte sie dann, auf LKWs verpackt, an ihre alter Wirkungsstätte zurück.

Das alte Standortkino und noch ein wenige andere Infrastruktur rahmen den Jet ein und bilden das Museum. Ein Besuch dort lohnt wirklich.

Nur wenige Kilometer hinter dem Flughafen beginnen die Niederlande. Ich bin über die Grenze gefahren und bin dann auf den Ort Bergen zu geradelt.

Dabei radelt man durch die Maasdünen, sandig, viele Bäume und immer wieder weite Heidelandschaften. Wirklich schön zu radeln. Bei dem wundervollen Wetter und den naturbelassen wirkenden Radwegen war das einfach ein bisschen wie Urlaub.

Bergen liegt an der Maas. Den Fluss habe ich dann mit einer Fähre überquert. Die „Festina Lente“ bringt seit 2011 Menschen von einer Flussseite zur anderen. Die Fähre ist eine sogenannte Grundseilfähre, das bedeutet sie zieht sich an einem Seil über den Fluss. Die Überfahrt kostet „nen Appel und nen Ei“, ich bin mir nicht mehr sicher, aber war ein knapper Euro, meine ich.

Im Wind knatterte die Trikolore der Niederlande, übrigens die älteste Trikolore die heute noch in Gebrauch ist. Wie gesagt, es war fast wie Urlaub.

Deutlich älter ist die Straße Via Valentiniana auf die auf der anderen Maasseite verwiesen wird. Die alte Römerstraße lief hier entlang und dient jetzt als Radweg und als Eintauchpunkt in die römische Geschichte.

Einfach schön ist es hier. Über landschaftlich schöne Straßen führte mich meine Radtour in das Örtchen Vierlingsbeek.

Dort vorbei an dieser schönen Kapelle und durch den Ortskern hindurch.

Gelegentlich ist man dann doch überrascht, was sich die ein oder andere Niederländerin oder der ein oder andere Niederländer so ins Fenster stellt. Eine Schaufensterpuppe in perfekter Bondage-Schnürung habe ich als Deko auch noch nie gesehen 😉 .

Ist das eher ein Zeichen für, in der Regel selbstgewählte Unfreiheit, ist die Eiche am Ortsausgang das genaue Gegenteil. Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Ortes von den Nationalsozialisten wurde 2012 ein „Freiheitsbaum“ gepflanzt. Dieser wächst und gedeiht jetzt.

Weiter ging es in Richtung Overloon. Die Böden der Region sind blutgetränkt. Heftige Schlachten fanden dort im zweiten Weltkrieg statt. Der Freiheitsbaum steht in Vierlingsbeek nicht ohne Grund. In Overloon findet man, direkt am Ortseingang, einen Soldatenfriedhof.

Ich bin schon oft in Overloon gewesen, dort gibt es ein sehr gutes, sehr interessantes Museum, welches den Zweiten Weltkrieg zum Thema hat. International, aber auch ganz regional wird dort Geschichte aufgearbeitet. Schon immer haben mich die vielen Grabsteine bewegt, das junge Alter der Gefallenen rüttelt auf und die ganze Szenerie lässt mich nicht kalt. Gerade der Kontrast zur schönen, sonnigen und friedlichen Umgebung ist heftig.

In diesem Jahr fühlt sich mein Besuch in Overloon nochmal anders an als sonst. „Krieg gehört ins Museum“ – das ist der Leitspruch des Museums in Overloon. Und doch ist er es ist, im Gegenteil, er ist ganz nah, betrifft uns in Europa auch ganz persönlich. Bei dieser Tour bin ich mit anderen, intensiveren Gefühlen durch diesen Ort geradelt als ich es sonst tue.

Die Museumsverantwortlichen haben vor einigen Jahren einen genialen Kniff umgesetzt. Man kann mit dem Fahrrad durch das Museum fahren. Kein Scherz. Es gibt eine Brücke, die über einen Teil der Ausstellung führt. Kostenfrei, einfach so. Das ist wirklich klasse.

Man kann auf einige Exponate blicken und sich dann überlegen, mal das Museum zu besuchen. Eine gelungene Sache.

Übrigens empfehle ich dieses Museum sehr. Neben eindrucksvollen Großexponaten gibt es auch viele Informationen und interaktive Ausstellungselemente.

An einem weiteren Sherman Panzer vorbei habe ich dann das Museum verlassen und bin in Richtung Venray gefahren.

Wer schon mal in den Niederlanden mit dem Rad unterwegs war, der weiß dass dieses Verkehrsmittel dort einen anderen Stellenwert hat als bei uns. In der Regel sind Radwege nicht nur überall, sie sind auch oft baulich von den Straßen getrennt. Das macht das radeln sehr sicher und sehr entspannt. Auf dem Foto hier ist links die Landstraße, dann gibt es eine Baumreihe und dann folgt der Radweg. Herrlich.

Mein nächstes Ziel war der „Raceway Venray“. In nur wenigen Kilometern wurde ich von zwei diametral entgegengesetzten Stimmungen umweht. War es auf dem Schlachtfeld rund um Overloon eher düster, auch wegen der aktuellen Geschehnisse in der Ukraine, sprang mich an der Rennstrecke die pure Lebensfreude quasi an. In unseren Breiten sind Ovalrennstrecken sehr selten, in Venray gibt es gleich zwei, einmal eine Halbmeilen-Strecke und, in deren Innerem, eine Viertelmeilen-Strecke. Auf der äußeren, großen Rennstecke fanden am Ostermontag die „V8 Oval Series“ Rennen statt, in dem kleineren Oval die Rennen der sogenannten Stock Cars. Letztere sind klein und wendig, die Rennen bieten immer eine Menge Action. Ein Vorteil von Oval-Rennen ist die Tatsache, dass man in der Regel immer alles im Blick hat, das ist auf normalen Rundkursen ja eher nicht so der Fall.

Die Boxengassen sind alle frei zugänglich und man kann ne Menge Eindrücke erhaschen und kommt mit den Teams und den Fahrerinnen und Fahrer ins Gespräch. Eine sehr bodenständige und schöne Rennserien-Mixtur fahren die Niederländer da auf.

Ach ja, dass es selbstverständlich beste niederländische Spezialitäten für den kleinen Hunger gibt, ist klar, oder? 😉

Also, wenn ihr so ein Rennen mal live sehen könnt, nutzt die Chance, näher kommt man an das NASCAR Feeling aus den USA hier in unserer Ecke wohl nicht ran.

Wieder auf dem Rad führte mich meine Route in Richtung Venlo. Ein bisschen Landstraßenradeln war dabei, natürlich, auch dieses Mal, getrennt von der Fahrbahn. Schnurgerade war die Strecke in weiten Teilen.

Zwischen Venray und Venlo bin ich dann noch nach America gefahren. Der kleine Ort in der Gemeinde Horst aan de Maas liegt an der Bahnstrecke von Venlo nach Rotterdam und ich habe schon etliche Menschen gesehen, die sich vor dem Ortsschild fotografieren lassen. Wo der Name herkommt? Keine Ahnung, aber witzig ist es irgendwie schon.

Die Bahnstrecke die direkt am Ort vorbeiführt ist recht stark befahren, sowohl Passagierzüge, also auch schwere Güterzüge von und nach Rotterdam kommen dort vorbei. Bei meiner Tour war wenig los, eine Lokomotive der „Rotterdam Rail Feeding“ Gesellschaft konnte ich aber ablichten. Schon spannend, die Lokomotive hat eine lange Historie, ausgeliefert wurde sie 1975 an die Deutsche Reichsbahn der DDR, dann fuhr sie mal für die DB und für Alstom. Seit 2006 ist sie für die niederländische RRF unterwegs. Für diese bewegte Geschichte sieht sie doch top aus, oder?

Aus der Gegenrichtung rauschte ein Intercity heran. Wenn man aus Deutschland nur das Verkehrsrot, bzw. das Weiß der ICs gewohnt ist, machen die gelbblauen Doppelstockwagen schon was her.

An der Bahnlinie entlang ging es nach Sevenum, ebenfalls ein kleiner Ort, dort beginnt der Greenport Bikeway. Ein Radweg, der bis nach Venlo führt und super ausgebaut ist. 12 Kilometer Weg, nur für Radelnde. Tolle Sache.

In Venlo ging es dann wieder über die Maas, dieses Mal mittels Brücke. Kurz vor dem Überqueren des Flusses habe ich dann noch eine schöne, alte Lokomotive entdeckt. „Robert“ heißt diese V100. Sie gehört ebenfalls Rotterdam Rail Feeding, ist aber momentan an Alstom vermietet. Sie ist ein Jahr jünger als die von eben. Baujahr 1976.

Dann aber über den Fluss mit Blick auf den Hafen von Venlo und einen Teil der Skyline.

Dann ging es über die Grenze zurück nach Deutschland. In Kaldenkirchen bin ich auf den Bahnradweg eingebogen, die Trasse führt bis Kempen. Ich bin allerdings erstmal nur bis zu den Krickenbecker Seen gefahren und habe dann meine Eilandung zum Osterkuchen angenommen 😉 .

Derartig gestärkt ging es später wieder auf den Sattel und den Bahnradweg. Das nächste Ziel war Grefrath. Der Radweg steigt leicht an, da man den „Hinsbecker Berg“ überqueren muss. Das ist aber sehr angenehm zu schaffen, zumal der Weg herrlich unter Bäumen entlangführt.

Seit es den Bahnradweg gibt hat die Gemeinde Grefrath ein Problem. Man muss nicht mehr durch den Ort radeln. Der Weg, der ja auf einer alten Bahntrasse liegt, führt sauber am Ort vorbei. Die Kolleginnen und Kollegen aus der Marketingabteilung der Gemeinde haben sich deshalb etwas einfallen lassen, was mir sehr gut gefällt. Die „Grefrather Schleife“. Zwei kleine Runden durch und um den Ort.

Man kann sich aussuchen, ob man die kurze grüne Runde nimmt und nur über den Marktplatz und vorbei an vieler toller Gastro und Eisdielen fährt, oder die etwas längere blaue Tour, vorbei am Freilichtmuseum und Eisstadion. Am Ende landet man wieder auf dem Bahnradweg. Finde ich wirklich ne tolle Idee. Ich wollte mir mal anschauen, wie das mit der Beschilderung klappt und bin die „große“ Runde gefahren.

Was soll ich sagen, man hat sich Mühe gegeben. Entweder mit Schildern oder mit Piktogrammen auf dem Boden wird man geleitet. Das klappt sehr gut, finde ich. Besondere Highlights werden dann nochmal extra ausgeschildert.

Und so fährt man dann an der Dorenburg und dem Freilichtmuseum vorbei und lernt Ecken kennen, an denen man sonst einfach vorbei gefahren wäre.

Um dann am Ende, etwa auf Höhe des Flugplatzes, wieder zum Bahnradweg geführt zu werden. Chapeau liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist super geworden.

Ich bin ein großer Anhänger der Wissenschaft, gerade in der Pandemie hat sie uns stets geleitet. Ich glaube auch den Entomologen wenn sie sagen, dass wir ein erschreckendes Insektensterben erleben. Gefühlt, zumal bei Wegen am Abend wie dem auf dem Foto, ist die Wahrheit aber eine andere 😉 . Getreu dem alten Spruch „Woran erkennt man einen freundlichen Radfahrenden? – An den Fliegen zwischen den Zähnen.“ war ich im Grunde satt, als ich in Kempen ankam 😉 .

Nach einer kurzen Trinkpause habe ich dann die letzten Kilometer meiner Radtour unter die Reifen genommen. Ich wurde kurz durch ein lautes „Zzzzzzwusch“-Geräusch abgelenkt. Ein Blick nach oben zeigte mir dann, dass war der Brenner eines Heißluftballons. Auch eine schöne Art des Reisens, wenn auch das Ziel zu Beginn der Reise nicht feststeht. Aber, das muss ja kein Nachteil sein.

Aus Kempen hinaus in Richtung Gut Heimendahl ging es dann weiter. Das Hoftor war geschlossen, es war ja auch schon spät. Beobachtet von einigen Pfauen habe ich ein Foto gemacht und bin dann zurück nach Krefeld gefahren.

Und das soll es dann auch schon wieder gewesen sein. Wie gesagt, knappe 110 Kilometer war die Tour lang, sie hat riesen Spaß gemacht. Spannung, nachdenkliche Momente und viel Natur gab es zu erleben. Wenn ihr Fragen habt, immer her damit. Ansonsten habe ich noch einen Relive Clip für euch, immer noch ohne Bilder, keine Ahnung was da gerade bei der App nicht rockt, aber die Strecke ist drauf.

Wie immer hoffe ich, es hat euch gefallen 😉 . Bleibt gesund und munter, achtet auf euch und eure Mitmenschen und fahrt immer vorsichtig.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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