Kultur, Natur und Retrolack – Von Krefeld zur Bibliothek in Düsseldorf

Hallo zusammen,

die erste längere Tour im November führte mich nach Düsseldorf. Ihr ahnt es, es ging zum Flughafen, klar, der war aber dieses Mal nicht das Hauptziel, stattdessen wurde es kulturell 😉 . Wenn ihr mögt nehme ich euch, unbezahlt und unbeauftragt, mit auf Tour.

Los ging es am Samstag Morgen bei frischen 5 Grad in Krefeld, über die Radpromenade in Richtung Oppum.

Über Oppum ging es nach Linn, natürlich mit einem kurzen Abstecher zur Burg Linn. Sie ist nunmal ein verdammt dankbares Fotomotiv.

Über die Felder führte mich mein Weg dann weiter nach Gellep, knackig kalt, aber wunderschön war dieser Morgen.

Einen kurzen Stopp haben ich beim Legionär und der Frankenfrau eingelegt. Das Denkmal steht am Ortseingang von Gellep und weist auf die lange Geschichte der Region hin.

Am Naturschutzgebiet Spey vorbei ging es über den tollen Radweg am Rhein entlang in Richtung Rheinfähre zwischen Lank und Kaiserswerth. Dort gibt es die „Fairnesszone“ und, zumindest immer wenn ich dort unterwegs bin, klappt das Zusammenleben von Menschen auf dem Rad, mit Walkingstöcken, Rollern oder zu Fuß recht gut. Scheint also zu funktionieren.

Mein Plan war es mit der Fähre, Michaela 2 heißt das Schiff, über den Rhein zu fahren und dann weiter zum Flughafen. Allerdings war ich viel zu früh dran, der Fährdienst startet erst um 10 Uhr ;).

Nun ja, also, umdrehen und weiter bis zur A44 Brücke fahren. Der Bau war nicht unumstritten, führt die Zufahrt doch durch ein Naturschutzgebiet, dank Tunnelbauten hat es dann aber doch geklappt. Seit 2002 ist die Brücke fertig und mittels spiralförmiger Auffahrten können Fußgängerinnen und Fußgänger und Menschen auf dem Rad beide Seiten der Brücke zum queren des Rheins nutzen.

Der belgische Ableger von Tui flog an diesem Morgen mit einer Boeing 787 einen sogenannten Kreuzfahrt-Shuttle von Düsseldorf aus. Die Boeing 787, das Unternehmen nennt den Jet auch Dreamliner, sieht man nicht allzu oft in Düsseldorf, so das ich mich tatsächlich drüber gefreut habe.

Im Hintergrund ist das Lager von Bauhaus zu sehen, es steht am Krefelder Hafen und ich bin auf meiner Tour vorher dran vorbei gefahren. Tolle Sicht war das an diesem kalten Morgen.

Turkish Airlines schickte an diesem Tag einen Jet von der Boeing Konkurrenz nach Düsseldorf. Der Airbus A330 kam aus Istanbul und trug einen sogenannten „Retro“-Anstrich. Dabei lackieren Fluggesellschaften ihre Flugzeuge im Farbkleid längst vergangener Zeiten. Meist um ein Firmenjubiläum oder ähnliches zu feiern und das auch sichtbar nach Außen zu tragen. Mir gefällt nicht nur die Idee, in der Regel sieht die Lackierung auch deutlich aufwändiger und kreativer aus als die aktuelle Version. Das ist bei Turkish auch so.

Vom Flughafen aus ging es in Richtung Nordpark und dann runter an den Rhein. Frische Luft und ein Fahrrad sind dann schon ne herrliche Kombination.

Ein paar Autos waren unterwegs, ansonsten hatte ich zu der frühen Stunden die Straßen und Radwege der Landeshauptstadt fast für mich allein.

Ein, nahezu, leeres Flusskreuzfahrtschiff fuhr vorbei. Offenbar war nur die Crew an Bord, von den, möglichen, knapp 180 Passagieren war nichts zu sehen. Die Branche leidet natürlich auch unter der Pandemie. Die Thomas Hardy fuhr weiter in Richtung Düsseldorf und hat dort später auch angelegt.

Direkt neben der Tonhalle liegt das „Rheingärtchen“, ein kleiner Park mit ein paar Skulpturen darin. Eines dieser Kunstwerke zeigt eine Frau mit einem Gefäß auf dem Kopf. Offenbar der „Place to be“ für die örtlichen High-Society Tauben der Stadt.

Am Schlossturm vorbei bin ich am Rhein entlang in Richtung Landtag geradelt. Viel war nicht los, das Wetter aber bestens und so konnte ich die Promenade und den schönen Radweg dort genießen.

Etappenziel war das neue Denkmal für Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt. Der WDR schreibt auf seiner Homepage

Das Denkmal ist Lesben, Schwulen, Bi-, Queer-, Inter- und Trans-Menschen gewidmet, die insbesondere im Nationalsozialismus Opfer von Verfolgung wurden. Es soll aber auch an die Diskriminierung erinnern, die viele Menschen heute noch erfahren.

Ich finde das Denkmal gut gelungen, das Anliegen ist es allemal, aber auch die Umsetzung gefällt mir gut.

Auch in Düsseldorf findet man an der einen oder anderen Stelle interessante Streetart. Diese beiden Düsseldorf Motive zum Beispiel.

Vor der Bordellstraße findet sich diese Malerei an einer Wand….irgendwie passend 😉

Vom Bordell ging es zur Bibliothek, OK, die Überleitung rumpelt, aber so war es halt. Bis vor kurzem fand man die Düsseldorfer Zentralbibliothek hinter dem Bahnhof. In einem längeren Prozess ist die Bibliothek jetzt umgezogen und befindet sich jetzt am Konrad-Adenauer-Platz 1, also auf der anderen Seite des Bahnhofs. Die Website der Stadt schreibt folgendes dazu:

Die neue Zentralbibliothek im KAP1 stellt nicht mehr Bücher und Medien allein in den Mittelpunkt, sondern die Menschen. Die Zentralbibliothek im KAP1 ist eine Plattform für alle Bürgerinnen und Bürger, sie ist Treffpunkt für Kommunikation, kulturelle und digitale Bildung, Wissenstausch und literarisches Zentrum. Die Düsseldorferinnen und Düsseldorfer sind herzlich eingeladen, Teil davon zu sein.

Und genau darum geht es ja in einer modernen Bibliothek. Einige hier wissen es vielleicht, ich habe lange Jahre in Bibliotheken gearbeitet, 11 davon in einer der modernsten die wir hier im Umkreis so haben. Ich habe Vorträge über Bibliotheken gehalten und war schon immer sehr an Bibliotheken im In- und Ausland interessiert. Deshalb war es für mich schon fast ein Pflichttermin die neue Zentralbibliothek in Düsseldorf am Eröffnungswochenende zu besuchen.

Was soll ich sagen, das was ich in Düsseldorf gesehen habe, hat mir gefallen. Die Räume sind hell und bieten vor allem eines…Platz.

Wenn man schon viele Bibliotheken und Konzepte gesehen hat, ist vieles davon nicht neu, aber konzentriert in einer deutschen Bibliothek eben doch immer noch eine Seltenheit. Makerspaces, einzelne Studios um separiert zu lernen, Video- und Tonschnittplätze, ein Café und vieles mehr zieht damit nun auch in Düsseldorf ein. Für mich ist es keine Revolution, aber eine sinnhafte Evolution der Bibliothek.

Ach ja, Bücher gibt es natürlich auch noch 😉 Ich werde im kommenden Jahr auf jeden Fall mal in Ruhe hinfahren und mir Konzepte und Ideen erklären lassen, den Raum und die Ausstattung für Großartiges hat man jetzt in Düsseldorf auf jeden Fall.

An der tollen Skulptur „Der Fotograf“ vorbei führte mich mein Weg zu Königsallee und dann weiter zum Kö-Bogen.

An bepflanzten Häusern vorbei führte mich mein Weg dann wieder nach Lohausen zurück. Dieses Mal aber nicht zum Flughafen, sondern zu einer kleinen Pause beim Meteora Grill. Muss sein 😉

Gestärkt und satt ging es wieder auf den Sattel und auf die letzten Kilometer der Tour. Ein Stückchen auf dem Rheindeich und dann direkt am Fluss führte der Weg in Richtung Krefeld Uerdingen. Der Weg von Kaiserswerth bis zur Stadtgrenze nach Duisburg ist einfach wunderbar zu radeln, man ist nah am Wasser und der Weg ist super ausgebaut.

Kurz vor Uerdingen kam mir erneut ein, leeres, Flusskreuzfahrtschiff entgegen. Wahrscheinlich werden die aktuell verlegt um dann, sobald es wieder geht, starten zu können. Ist aber nur eine Vermutung, da ich in der letzten Zeit einige dieser Schiffe habe umherfahren sehen.

Über die Rheinbrücke ging es dann durch Uerdingen nach Bockum.

Dort habe ich, zum ersten Mal bewusst, dieses Gebäude wahrgenommen. Auf die Schnelle habe ich keine Infos dazu gefunden, weiß jemand, was ich hier vor der Kamera hatte? Macht auf jeden Fall was her. Das Foto stammt, wie gesagt, aus Krefeld Bockum.

Über die Germaniastraße, eine wunderbare Fahrradstraße, ging es dann weiter in Richtung Innenstadt. So langsam aber sicher setzt sich auch bei den Krefelderinnen und Krefeldern durch, was es heißt, mit einem Auto in einer Fahrradstraße unterwegs zu sein. Klappt immer besser und gefällt mir echt gut.

Es war Herbst in Krefeld.

Am Rathaus vorbei endete meine Runde dann auch schon wieder. Knappe 80, sehr interessante, Kilometer waren das dieses Mal. Ich hoffe, es hat Euch ein wenig gefallen. Ein Relive-Clip habe ich natürlich auch noch für Euch.

Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, immer her damit. Bleibt gesund und munter, achtet auf Euch und habt schöne Weihnachtstage.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

5 comments

  1. Als alter Krefelder und E-Biker habe ich den Bericht – kurzweilig und interessant – mit viel Freude
    und Wiedererkennung gelesen.
    Ich fahre im Januar von Grevenbroich über Neuss am Rhein entlang nach Uerdingen und dann Richtung Krefeld zu den Süchtelner Höhen und zurück. Mal sehen ob ich auch einen so kurzweiligen Bericht hin bekomme.

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