Von Duisburg ins Angertal und zurück – Natur, ein Hubschrauber, eine Waggonbrücke und alte Straßenbahnen

Ihr Lieben, hallo zusammen,

die letzte Tour aus dem Mai möchte noch „verbloggt“ werden ;). Wenn ihr also mögt, nehme ich Euch mit ins Angertal, unbezahlt und unbeauftragt natürlich. Wenn ihr hier Links findet, ist für den Inhalt natürlich der Erstellende verantwortlich, ist ja klar. Los ging es in Krefeld, allerdings mit dem Zug. Wie so oft in der letzten Zeit bin ich mit der Eisenbahn zum Startpunkt, in diesem Fall Duisburg, gefahren. Wieder sehr früh um in pandemischen Zeiten möglichst wenig Menschen zu treffen. Der zweite Zug des Tages sollte es werden und die Sonne ging am letzten Sonntag gerade passend auf.

Wie erhofft war der Zug leer. Thomas vom Reisefotografieblog hatte neulich die Idee, ich könnte mal was dazu schreiben, wie das so ist mit dem Rad und dem Zug. Habe ich mir fest vorgenommen, mache ich, muss ich aber noch ein paar Bilder für machen, kommt also irgendwann ;).

Es gab auch wieder einen extra Sitz für Menschen wie mich….mit Bauch 😉

In Duisburg angekommen ging es aus dem Bahnhof heraus und wieder die Mülheimer Straße hinauf, genau wie bei der letzten Tour, allerdings bei deutlich besserem Wetter. (HIER)

Allerdings führte mich mein Weg dieses Mal nicht so lange in Richtung Mülheim, sondern es ging recht fix in Richtung Südosten ab. Ziel war der Duisburger Stadtwald. Dazu habe ich die Autobahn A3 überquert und zwar mittels der Expo-Brücke. Diese gelbe Brücke war mal der Zugang zum deutschen Expopavillon der Weltausstellung 1958 in Brüssel. Ich kenne sie als Zoobrücke im Duisburger Zoo. Nach der Expo hat sie dort die beiden Zoobereiche über die A3 verbunden. Mittlerweile gibt es dort ein Ecoduct und so ist die Brücke ein Stück weiter gewandert und führt jetzt einen Weg in den Stadtwald über die Autobahn.

Über herrliche Waldwege bin ich dann tiefer in den Stadtwald geradelt. Die Luft am frühen Morgen war einfach ein Traum, dazu das vielstimmige Gezwitscher der Vögel und ansonsten…Ruhe. Man hörte nichts von der, zumal an einem frühen Sonntag Morgen wenig befahrenen, Autobahn und auch sonst war es einfach…schön.

Nach wundervollen Kilometern durch den Wald bin ich in Bissingheim wieder in die Zivilisation zurück gekehrt. Ganz witzig fand ich diesen Hydranten vor einem Haus.

Direkt neben dem Örtchen Bissigheim verläuft die Güterzugstrecke zwischen Duisburg und Düsseldorf. Dort gibt es auch Ausbildungswerk der Deutschen Bahn und immer mal wieder abgestellte, interessante, Lokomotiven zu sehen. Bei meiner Tour stand dort ein Vectron von Siemens, welcher aktuell an die schweizerische SBB Cargo vermietet ist.

Kurz drauf ging es über eine Brücke auf die andere Seite der Gleise, dort beginnt dann das Naherholungsgebiet Sechs-Seen-Platte. Das Ganze war mal eine Kiesgrube, ist jetzt aber Zufluchtsort vieler Menschen aus der Stadt, die hier frische Luft und Abwechslung suchen. Früh Morgens war es wirklich ruhig, die Luft herrlich und die Sonne tat ihr übriges.

Eine kleine Pause habe ich, wie immer wenn ich in der Ecke bin, natürlich wieder an der Station des Rettungshubschraubers Christoph 9 eingelegt. Direkt an der Sechs-Seen-Platte liegt die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Duisburg im Stadtteil Buchholz. Und seit 1975 gehört eben auch Christoph 9 hier her. Seit 2008 mit dem Helicopter-Typ EC-135.

Während ich die Pause genutzt habe um mich einzucremen, die Sonne hatte schon ordentlich Kraft, schrillte der Alarm aus der Halle des Helis herüber.

Ohne Hast, aber trotzdem sehr schnell und konzentriert kam die Crew zum Heli. Erst der Pilot, der den Motor anwarf und die notwendigen Checks ausführte, kurz drauf dann die medizinischen Profis.

Und dann ging es los zu einem weiteren Einsatz um Leben zu retten. Ich habe das, auch auf diesem Blog hier, schon oft geschrieben, ich bin jedes Mal wieder beeindruckt von den Crews, dem System und der Präzision. Das gilt übrigens für alle Menschen, die ihr Leben denen anderer Menschen gewidmet haben.

Während Christoph also in Richtung Rheinberg düste habe ich mich auch wieder auf den Weg gemacht, es sollte ja noch ein paar Kilometer weiter gehen. Durch das Naturschutzgebiet Lintorfer Mark führte mich meine Tour in Richtung Breitscheid.

Unterwegs nach Schloss Linnep habe ich die Autobahn A552 unterquert, an sich keine soooo spannende Tätigkeit, aber an der Brückenwand fiel mir dieses geniale Streetart auf. Das Ganze ist Werbung für ein Unternehmen welches sowas als Dienstleistung anbietet. Schaut mal HIER. Auf jeden Fall ist das mal richtig gelungen.

Nächster Anlaufpunkt war das wunderschöne Schloss Linnep, manchmal liest man auch Haus Linnep. Erstmal irgendwann um 1090 erwähnt erstrahlt es heute in diesem Glanz und man kann dort auch heiraten. Sehr schön fand ich einen gefüllten Kühlschrank, aus dem man sich bedienen konnte. Die Kasse stand mit drin und alles lief ohne „Betreuung“ ab. Vertrauen kann also funktionieren. Sehr schön.

Über Felder ging es weiter in Richtung Angertal. Die Eisenbahnfans unter Euch horchen wahrscheinlich jetzt auf, dort läuft doch die Kalk- oder Angertalbahn. So ist es, aber das ist nicht nur ein reizvolles Revier für Eisenbahnfans, sondern auch für Menschen die auf Wanderungen oder Radfahren stehen.

Gewandert bin ich dort auch schon, dieses Mal ging es aber mit dem Rad hinein ins Tal. Dort ist meine erste Station die Auermühle, heute ein Restaurant, früher tatsächlich mal eine Mühle und Brennerei.

Man bietet halt heute an, was man heutzutage so anbietet….Schnell- und Bürgertests. Verrückte Zeiten, wollen wir hoffen, dass wir uns mit großen Schritten einer neuen Normalität nähern.

Direkt neben der ehemaligen Mühle verläuft die eingleisige Strecke der Angertalbahn. Glücklicherweise ist sie nicht elektrifiziert, so das man schöne Diesellokomotiven vor die Linse bekommt. Manchmal muss man allerdings lange warten. Ich habe noch keinen Fahrplan oder ähnliches herausfinden können, wann man Züge auf der Kalkbahn sehen kann. Sie haben ja alle nur ein Ziel, das Kalkwerk in Flandersbach.

Ich hatte aber Glück und hab nach kurzer Warte-, und in mein Butterbrotbeißzeit, einen Zug mit vollen Wagen vom Werk aus kommend fotografieren können. Gezogen wurde er von einer Lokomotive vom Typ Class 77, Baujahr 2008. Ich mag ja die Form, das sogenannte „Lichtraumprofil“ der Lokomotive. Sie hat etwas amerikanisches an sich und unterscheidet sich somit von den typischen Elektro- und Diesellokomotiven hier auf unseren Gleisen.

Neben viel Natur, ab und an einem Zug und einem Fluss gibt es im Angertal auch Kunst, zum Beispiel diese Skulptur von Stephan Balkenhol hier. Sieht steht auf einer Weide hoch über einen Wandererparkplatz.

Der Weg in Richtung Flandersbach ist dann einfach nur herrlich, an dieser Stelle teilt man ihn sich als Mensch auf dem Rad mit den Wandersleuten, das klappte aber problemlos, wenn jeder ein bisschen Acht auf den anderen gibt.

Aus dem Wald hinaus geht es dann nach Flandersbach und zum dortigen Kalkwerk.

Das Kalkwerk ist das größte Europas und der Kalk wird in der Industrie benötigt, beim Bau zum Beispiel, der Landwirtschaft oder der Stahlgewinnung. Logisch also, dass täglich bis zu 12 Güterzüge aus dem Werk ins Ruhrgebiet fahren.

Auf dem Gelände tummeln sich einige Rangierlokomotiven, welche die Züge mit den vollen Wagen zusammenstellen.

Wie schon gesagt, für Eisenbahnfans ein lohnender Abstecher. Für mich ging es nach dem Lokomotiven gucken weiter in Richtung Kocherscheidt und Velbert. An der schönen kleinen Kirche in Rodenhaus vorbei ging es bergan weiter.

Und dann war ich auf dem Panoramaradweg Niederbergbahn. Ihr ahnt es, eine ehemalige Bahntrasse. Hatte ich im Angertal noch leise über den einen oder anderen Anstieg gemoppert, war das radeln ab jetzt ein Genuss. Der Bahnradweg, welcher durch Wälder und Siedlungen und immer wieder an tollen Weitblicken vorbeiführt, ist, zumal in dieser Richtung, ein Traum. Er führt nämlich konstant leicht bergab. Im Grunde muss man bis hinunter nach Essen-Kettwig nur noch lenken, aber nicht mehr treten.

Entlang des Weges finden sich immer mal wieder Relikte der alten Eisenbahn, Wagen am Rand, Wagen als Terrasse für eine Außengastronomie und, als Highlight, Wagen als Brücke.

Die Wagenbrücke in Heiligenhaus ist die erste in Deutschland und sie passt natürlich perfekt zu einem Bahnradweg.

Hier gibt es ein paar Hintergrundinfos zu der Idee, dem Aufbau und den Herausforderungen mit dieser Brücke.

Wie gesagt, so herum ist der Weg ein Traum, wenig später bin ich in Kettwig angekommen. Dort ging es dann über die Ruhr, durch die wunderschöne Altstadt und innerhalb Kettwigs wieder bergauf in Richtung Mülheim. In Kettwig selbst war es das erste Mal wirklich recht voll auf meiner Tour. Deshalb bin ich dort auch nur fix durch geradelt, ohne mich länger aufzuhalten.

Etwas länger habe ich dann am Flughafen Essen/Mülheim Pause gemacht. Ein bisschen den Segelfliegern zuschauen und sehen wie sich der Blimp „Theo“ im Wind drehte. Ein Blimp oder Prallluftschiff ist kein Zeppelin, auch wenn der Volksmund das gern meint, ein Zeppelin hat ein starres Gerüst im Inneren. Außerdem kommen Zeppeline heute ausschließlich von der Firma Zeppelin am Bodensee. Egal, es ist eh Klugscheißerwissen was man eigentlich nie braucht 😉

Und damit wollte ich die Tour eigentlich beenden, noch bis nach Mülheim zum Bahnhof und dann mit der Bahn zurück. Dank eines Bekannten bekam ich dann allerdings mit, dass in Oberhausen an diesem Tag einige alten Straßenbahnen verkehren würden. Man feierte dort das 25 Jährige Trassenjubiläum. In Zeiten von Corona durfte niemand mitfahren, die alten Schätze waren aber auf der Strecke unterwegs. Also habe ich mich spontan dazu entschlossen noch bis Oberhausen zu fahren.

Erstmal ging es aber natürlich weiter in Richtung Mülheim Innenstadt. Dort kam ich dann auch am Radschnellweg 1 vorbei, dieses Mal aber nicht in dem ich auf dem Radweg gefahren bin, sondern parallel zur Ruhr darunter hindurch.

Und dann war ich auch schon fast in Oberhausen. Vier Straßenbahnen sind unterwegs gewesen, zwei davon habe ich fotografieren können. Zum einen eine GTW705 der Ruhrbahn und die TW888 der Ruhrbahn. Die jüngere Bahn der beiden ist von 1959, die ältere von 1949. Schon beeindruckend, ehrlich gesagt. Ich bin auf jeden Fall ganz froh, dass ich den Schlenker noch gemacht habe.

GTW705 (1959)

TW888 (1949)

Jetzt waren es noch knappe 9 Kilometer bis nach Duisburg, ich konnte also eine Runde fahren und die Tour beenden, wo ich sie begonnen hatte. Also, wieder auf den Sattel und weiter gings. Über den Rhein-Herne Kanal ging es in Richtung Ruhrschleuse und Ruhrwehr.

Vom tollen Wetter und den vielen Dingen die ich gesehen und erlebt habe beschwingt erradelten sich die letzten Kilometer fast wie von selbst.

Das letzte Foto dieser etwa 100 Kilometer langen Tour stammt aus dem Duisburger Innenhafen und zeigt einen der alten Hafenkräne.

Wie immer hoffe ich, die Tour hat Euch gefallen. Einen Relive Clip habe ich noch und ansonsten gilt natürlich, wenn ihr Fragen habt, immer her damit.

Bleibt gesund und munter, fahrt immer vorsichtig, habt genug Luft im Reifen und idealerweise meist Rückenwind.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

8 comments

  1. Hi,Ich bin immer total begeistert von deinen Touren und den tollen Bilder davon……..da bekommt man gleich Lust auch los zuradeln.
    Das mit dem Zug und Rad ,wie das so läuft , würde mich auch interessieren.Hab mich bis dato noch nicht getraut das auch mal anzugehen.
    Was mich noch interessiert ist wie du deine Touren planst……..radelst du einfach los und entscheidest dich spontan wo es lang geht?
    Gruß Birgit

    1. Hi, vielen Dank 😉
      Also, manchmal radel ich auch einfach drauf los, meist wenn ich nach Feierabend einfach noch eine Runde auf dem Rad sitzen möchte. Die Touren plane ich aber schon immer vor. Spontan davon abweichen wen ich etwas Interessantes sehe tue ich aber auch. Ich habe vor einiger Zeit mal einen Blogbeitrag darüber geschrieben, schau mal hier: Blogbeitrag
      Manchmal suche ich mir Ziele von denen ich in Radelfacebookgruppen gehört habe, manchmal werden es Ziele die mit meinem Hobby zusammenhängen, die Straßenbahnen zum Beispiel oder bestimmte Flugzeuge oder sowas. Als meist ist es eine Melange aus viele Inputs die dann die Ziele festlegen.

      LG Martin

  2. Wie immer nützliche Infos über strecken, die wir mal fahren müssten – wenn auch 100 km etwas unseren Radius übersteigt. Aber da es im Ruhrpott ja doch fast überall Bahnhöfe gibt…

  3. Hallo Martin,
    das hast du wieder fein hinbekommen.
    So schöne Bilder und tolle Infos.
    Das Streetart und die Wagonbrücke haben mich besonders beeindruckt.
    Vielen Dank und schönes Wochenende.
    Liebe Grüße
    Dagmar

  4. Hallo Martin, mit Begeisterung verfolge ich immer diesen Blog. Die Touren und Bilder und auch Informationen gefallen mir sehr gut. Ich hatte ja schon mal mit dem Gedanken gespielt ob man an so einer Tour auch mal teilnehmen darf, allerdings würde ich bei der Kilometer Anzahl vermutlich recht schnell an meine Grenzen kommen, von daher genieße ich die virtuelle Reise und versuche mir daraus Anregungen für kleiner Touren zu holen. LG KaRo

    1. Hi KaRo,

      vielleicht würde es gar nicht an den Kilometern scheitern, sondern daran, dass ich ne Stunde wie blöd an nem Gleis oder Flughafen herumstehe um auf irgend etwas Besonderes zu warten ;). Aber im Ernst, es freut mich, wenn es Dir so gefällt.

      LG Martin

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