Von Krefeld nach Duisburg – Brücken, Natur, Schiffe und Wasser

Hallo zusammen,

es geht wieder aufs Rad, wenn ihr Lust habt, nehme ich Euch gern wieder eine Runde lang mit. Der Blogbeitrag ist unbeauftragt und unbezahlt, gefällt Euch aber hoffentlich trotzdem ;). Wer meinen letzten Beitrag gelesen hat, der weiß von meinem inneren Monk, wenn nicht, HIER gibt es die Erklärung dazu 😉 . Die letzte Tour hat die Lücke zwar kleiner werden lassen, aber längst noch nicht geschlossen.

Bei der heutigen Tour bin ich vor der Haustüre gestartet und habe eine Runde gedreht, bin also am Ende wieder in Krefeld angekommen. Los ging es letzte Woche Sonntag bei ganz gutem Wetter. Hier bei uns im Viertel gab es vor einiger Zeit eine Kunstaktion mit Kindern und Jugendlichen. Sie konnten sich mit „Tape-Art“ ausprobieren. Ich muss jedes mal schmunzeln wenn ich an den Ergebnissen vorbeiradel. Alles was die Welt auf kreative Weise bunter macht ist was Gutes.

Über den Südwall ging es dann weiter. Hier wurde 2019 ein neuer Spielplatz eröffnet, das Klettergerüst bildet den Straßennamen nach, nette Idee finde ich, die auch zu Identifikation mit dem Südwall beiträgt.

Auf dem Südwall, so wie auf allen vier Wällen in Krefeld, und dem Raum dazwischen, herrscht aktuell Maskenpflicht. Ganz korrekt müsste es eigentlich MundNasenBedeckungs-Pflicht heißen, anders als zum Beispiel im ÖPNV muss es nämlich keine Atemschutzmaske sein, sondern eben, eine MundNasenBedeckung.

Warum schreibe ich Euch das? Nun, wir haben hier in Krefeld viele Menschen, die die ganzen Regeln so gut es eben geht umsetzen. Allen voran auch „Meister Ponzelar“. Das Seidenweberdenkmal, im Volksmund eben „Meister Ponzelar“ genannt, trägt bereits seit dem 1. Lockdown vorbildlich seine Maske. Guter Mann 😉

Blick den Ostwall hinunter, es ist dann doch grüner als man so gemeinhin glaubt. Wir haben schon eine Menge Stadtbäume hier in Krefeld.

Durch die City bin ich dann bis zur Feuerwache gefahren, dort beginnt aktuell die Krefelder Promenade. Ein ambitioniertes Radwegprojekt, welches, wenn es mal fertig ist, Uerdingen mit Forstwald verbindet. Vor einiger Zeit wurden die ersten Teilstücke eröffnet, mit den fertigen Teilen gelangt man von der Feuerwache bis zur Straße „Im Trift“ am ehemaligen Verschubbahnhof. Ich hab HIER einen Blogbeitrag rund um die Aktion „Stumpfsinn“ geschrieben, die leider nötig wurde, weil irgendwelche Vollidioten die frisch gesetzten Bäume neben der Promenade abgesägt hatten.

Sonntag lag die Promenade friedlich dar und war, wie immer, traumhaft zu befahren. Es macht richtig Spaß auf diesem Stück, abseits vom Verkehr, aber mit Blick auf die Eisenbahn, zu radeln.

Vor ein paar Tagen hat die Stadt Krefeld den nächsten Bauabschnitt eröffnet. Dieses Mal ohne randalierende Idioten, aber auch ohne großes Fest und viele Radelnde. Eine weitere Veranstaltung die Corona zum Opfer gefallen ist. Man hat sich dann einfach zu einer virtuellen Eröffnung entschieden, bei denen Krefelds Planungsdezernent Marcus Beyer und der Fachbereichsleiter Stadtplanung Norbert Hudde die Strecke abfahren und ein paar Besonderheiten erklären.

Ich bin bei meiner Tour jetzt auch zum ersten Mal alle eröffneten Abschnitte am Stück gefahren, und ich wiederhole mich gern, das ist wunderbar. Ich hoffe sehr, dass es schnell mit den weiteren Abschnitten weiter geht, wohl wissend, dass dafür eine Menge Geld eingeworben und ausgegeben werden muss.

Kurz vor dem Crönpark trennt sich der Fußweg vom Radweg und führt durch den Park. Hier wird es wohl in der ersten Zeit noch erhöhte Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme bedürfen, in sozialen Netzwerken war bereits zu lesen, dass sich zu Fuß gehende Menschen und solche auf Bikes da in die Quere gekommen sind. Eigentlich ist die Lage ja klar, aber nun ja, ich bin optimistisch, das klappt überall sonst auf Bahntrassen ja auch.

Wenn man schon mal die Trasse durchgefahren ist und an der Burg Linn auskommt, muss man da natürlich auch einen kurzen Abstecher hin machen. Das Museum Burg Linn ist eben jedes Mal wieder ein Hingucker und ein dankbares Fotomotiv.

Über die Uerdinger Rheinbrücke ging es wenig später über den Fluss, mit Blick auf den Chempark und die vernietete Brückenkonstruktion.

Man sieht auf den Bilder wieder ganz gut, wenn man in pandemischen Zeiten, auch an normalerweise recht gut frequentierten Orten, allein unterwegs sein möchte, lohnt das frühe aufstehen enorm. Auf der anderen Rheinseite gab es einen kurzen Stopp an einer Tankstelle, bzw. an dem dortigen Bistro. Das Frühstück wollte gekauft werden. Ab in die Packtasche und weiter geht es. Von Mündelheim nach Hüttenheim. Ein Blick auf die Gleisharfe bei HKM zeigt, dort wird am 7 Tag nicht geruht, sondern fleißig gearbeitet.

Vorbei an einem Mahnmal gegen Zwangsarbeit, weclhes HKM Azubis gefertigt haben, ging es nach Hüttenheim. Dort gibt es eine ganz schöne Fotostelle um Eisenbahnen, die aus dem Stahlwerk kommen, zu fotografieren.

Als ich am Werk vorbeigeradelt bin, meinte ich aus dem Augenwinkel eine Lokomotive vor einem Zug gesehen zu haben. Also habe ich an der Fotostelle eine Rast eingelegt und auf diesen Zug gehofft. Unterdessen haben ich gefrühstückt ;).

Nach einiger Zeit war das das tiefe und sonore Wummern einer Diesellokomotive zu hören. Eine „Ludmilla“, so der Spitzname der Großdiesellokomotive russischer Bauart kam herangefahren. Dieses Exemplar wurden 1975 an die Deutsche Reichsbahn der DDR ausgeliefert und in der Lokomotivfabrik Luhansk gebaut. Diese Loktypen werden in Deutschland vor schweren Güterzügen eingesetzt und wir kriegen sie hier im Ruhrgebiet doch noch recht häufig zu Gesicht.

Nachdem der Zug durch war bin ich auch weiter gefahren. Am wunderschön grünen Biegepark vorbei ging es in Richtung 6-Seen-Platte.

Die 6-Seen-Platte ist ein, wirklich schönes, Naherholungsgebiet mit vielen Spazierwegen, einem kleinen Hügel und einem Aussichtsturm. Ich bin mit meinen Eltern schon als Kind oft dort spazieren gegangen. Während meine Eltern eher die Natur und die Seen genossen haben, hatte ich immer die Hoffnung einen Blick auf den Rettungsheli zu erhaschen. Direkt neben einem der Wege liegt die Basis des Rettungshubschraubers „Christoph 9“ an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik.

Aus fotografischer Sicht leider, aus moralischer Sicht, Gott sei Dank, hatte der Heli keinen Einsatz als ich dort vorbei gefahren bin. Aber die 2008 gebaute D-HZSO macht ja auch im Stand eine ganz gute Figur.

Als hätte man einen Schalter umgelegt, wurde es plötzlich dunkel und windig. Die Zeit des guten Wetters war offenbar vorbei. Als ich über die Brücke zwischen Wolfsee und Masurensee gefahren bin bekam ich die ersten dicken Tropfen ab.

Allerdings so vereinzelt, dass ich weitergefahren bin und gar nicht auf die Idee kam mir Regenzeugs anzuziehen oder mich unterzustellen. Mein Weg führte mich parallel zu Ruderstrecke Wedau entlang.

1989 war ich 10 Jahre alt, an richtig viel kann ich mich nicht erinnern, den Mauerfall, klar, aber viel näher war mir die Universiade. Das sind quasi die Olympischen Spiele für Studierende. Wir haben damals Karten über unsere Schule bekommen und die Stimmung war grandios, im Stadion, das damals noch Wedau-Stadion hieß, und in der ganzen Stadt. 2025 soll das Ereignis wieder an Rhein und Ruh stattfinden, ich freue mich drauf, das war damals echt klasse. Die große Sichel in der die Flamme brannte steht heute als Denkmal zwischen Ruderbahn und Stadion.

An einigen Kunstwerken vorbei ging es in Richtung Stadion. Jetzt begann es wie aus Eimern zu schütten. Da war ich ganz froh, dass ich unter ein Vordach beim MSV schlüpfen konnte.

Wenn ich das richtig verstanden haben, bewahren die Ultras hier ihre Devotionalien auf. Auf jeden Fall war ich sehr dankbar, dass man ein Vordach vor den Container gebaut hat. Ich hab den Schauer dann hier abgewartet.

Ein Katzensprung ist es von dort aus nach Wanheimerort und Hochfeld. Also, ab in den Rheinpark. Unterwegs habe ich noch einige Gleise überquert, ganz in der Nähe der Disco „Pulp“ standen diese beiden Lokomotiven abgestellt. Die vordere ist wieder eine ehemalige DDR Lokomotive. Baujahr 1971, vor einiger Zeit habe ich sie auch schon mal in Rheinberg gesehen. Interessante Maschine finde ich.

Schon in einigen anderen Blogbeiträgen habe ich von den vielen tollen Streetarts im Rheinpark geschwärmt und auch schon einige hier gezeigt. Jetzt gibt es was Neues, dieses Mal wohl Teil einer Kampagne der Stadt gegen Müll. Es gibt sogar eine Kippenbank 😉

Apropos bunte Wände, in Hochfeld habe ich dann noch eine Häuserwand mit kreativer Werbung für einen Malerbetrieb entdeckt und ganz in der Nähe findet sich dann noch das Wandgemälde „Global Warming“ des Künstlers A.G. Saño, von den Philippinen und dem Duisburger Graffiti-Künstler Robin Meyer.

Am ehemaligen Güterbahnhofsgelände in Duisburg ist eine Brücke für Radelnde über die Autobahn entstanden, zum einen ist man fix drüben, zum anderen eröffnet das Ausblicke auf die Autobahn und das Gelände drumherum.

Am Schwanentor, wo auch die Schiffe für die Hafenrundfahrten an- und ablegen finden sich Gemäuerreste und Infotafeln zum Hafen im Mittelalter. Durchaus spannend, die Stadt in der man aufgewachsen ist und soviel Zeit verbracht hat immer wieder neu zu entdecken.

Am Vinckekanal entlang ging es dann in Richtung Ruhrorter Hafenmund und Ruhrorter Pegel. Im Vinckekanal lag die „Fritz Behrens“, eine ehemaliger Seenotrettunsgkreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Dann hieß es mal, er solle als Werkstattschiff auf den Kanälen im Ruhrgebiet eingesetzt werden, dann als Offshoreversorger in der Nordsee. Fakt ist: aktuell liegt er in Duisburg.

Ein Stückchen weiter in Richtung Hafenmund lag die Alpi, Baujahr 1960, dahinter erkennt man das „Rheinorange“, eine Bramme an der Ruhrmündung in den Rhein.

Am Hafenmund, direkt an der Ruhrorter Brücke steht das Pegelhaus. Auf dem Dach steht in großen Zahlen der aktuelle Wasserstand, im Haus selbst arbeitet der Hafenmeister. Ich hab einen Youtubeclip über die Arbeit des Hafenmeisters gefunden, schaut gern mal rein. Für die Inhalte bin ich zwar nicht verantwortlich, interessant ist es aber auf jeden Fall.

Ich hab die Brücke dann auch genutzt und den Rhein überquert. Auf der anderen Rheinseite liegt dann Homberg.

Die Friedrich-Ebert-Brücke, 1954 eingeweiht, rund um 2000 modernisiert und verstärkt, ist sie jetzt ein Wahrzeichen hier in Homberg und Ruhrort.

Durch Homberg ging es direkt zur nächsten Brücke, dieses Mal habe ich sie aber als Unterschlupf vor dem nächsten Schauer benutzt. Und wenn man es genau nimmt auch nicht die Brücke der A40 selbst, sondern eine Schutzkonstruktion die für die Baustelle des Brückenneubaus an dieser Stelle errichtet worden ist.

War zwar aus Holz, man konnte den Schauer aber gut abwettern. Als es mit dem Regen langsam weniger wurde habe ich mich wieder auf den Sattel geschwungen und bin weiter gefahren. Über dem Rhein konnte ich der Regenwolke hinterher schauen ;).

Trockenen Fußes ging es dann in Richtung Elfrather See weiter. Über Radwege, Feldwege und Schotterpisten führte mich mein Weg dann immer näher an Krefeld heran.

Kurz vor dem Elfrather See wurde es nochmal dunkel, das Wetter hielt dieses Mal aber. Die letzten Meter durch den Stadtwald blieben trocken und so kam ich nach etwa 75 Kilometern wieder zu Hause an.

Wie so oft habe ich noch ein Relive Video für Euch. Ich hoffe, die Tour gefällt Euch, wenn Fragen auftauchen, nur keine falsche Scheu, immer her damit.

Bleibt gesund und munter, fahrt vorsichtig und genießt das Radeln.

Euer Martin

 

 

 

 

 

 

 

4 comments

  1. Hallo Martin,
    mal wieder ein klasse Bericht. Es ging ja mitten durch mein altes „Kampfgebiet“. In Wedau zwischen Masurensee und Regattabahn bin ich aufgewachsen.
    Heute wohne ich genau in der Mitte zwischen Tiger and Turtle und Biegerpark. Die Ludmillas höre ich andauernd.

    Noch ein Hinweis und ein Tipp: Ein Mühlentor gibt es nicht, es heißt Schwanentor.

    An der Straße vom Marientor (Hubbrücke) nach Neuenkamp, Essenberger Str. Ecke Am Deichtor, wurde ein komplettes Gebäude mit Grafitti gestaltet. Mehrere Künstler haben dort Flächen mit Bezug zu Duisburg und dem Revier gestaltet. Sehr farbenfroh.

    Beste Grüße Hermann

    1. Hi, danke Dir 😉

      Wie komme ich denn auf Mühlentor? Das das Dingen Steiger Schwanentor heißt weiß ich eigentlich seit meiner ersten Hafenrundfahrt. Man wird alt im Kopf. Vielen Dank für den Kommentare, wird fix geändert. Das Streetarthaus schaue ich mir mal an, kenne ich noch gar nicht.

      Beste Grüße, Martin

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